Empfang für die Organisatoren und Unterstützer von "Jugend forscht Thüringen"
Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Christoph Matschie
Grußwort
zum Empfang „Jugend forscht Thüringen"
06. Oktober 2011
Studiopark KinderMedienZentrum Erfurt
Thüringen hat sich auf den Weg gemacht, Bildungsland Nr. 1 zu werden
Erste Ergebnisse liegen vor. Sie zeigen: Die Richtung stimmt. Der Bildungsmonitor 2011 bescheinigt uns, dass Thüringen zur Spitzengruppe der deutschen Bundesländer gehört. Bei den Betreuungsbedingungen und auch bei der Förderinfrastruktur sind wir spitze. Und das Erfreuliche ist: Auch bei den MINT-Fächern sind wir vorne dabei.
Dies verdeutlicht: wir sind auf einem guten Weg, aber das Ziel haben wir noch nicht erreicht. Noch immer gibt es zu viele junge Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss. Mehr als ein Viertel der Auszubildenden bricht in Thüringen die Berufsausbildung vorzeitig ab.
Deshalb dürfen wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Im Gegenteil: Wir müssen uns weiter für Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem einsetzen. Ich will, dass jedes Kind in Thüringen einen Schul- und Berufsabschluss erwirbt. Nur mit einem Schul- und Berufsabschluss ist ein selbstbestimmtes Leben möglich.
Was tun wir dafür?
- Wir setzen auf die frühkindliche Bildung. Mit dem neuen Kita-Gesetz haben wir die Rahmenbedingungen verbessert. Schon seit Jahren sagt uns die Wissenschaft: in Kindergarten und Grundschule werden Fertigkeiten und Kompetenzen entwickelt, die den späteren Bildungsweg entscheidend prägen. In Thüringen sind jetzt hervorragende Bedingungen dafür geschaffen.
- Wir stärken die individuelle Förderung. Wir wollen, dass kein Kind zurückbleibt. Wir unterstützen jedes Kind bestmöglich – bei seinen Schwächen, aber auch bei seinen Stärken. Deshalb haben wir die Schulordnung geändert und erhöhen die Zahl von Schulpsychologen und Sozialpädagogen.
- Mehr als 80 Prozent der Thüringer sind für das längere gemeinsame Lernen. Deshalb gibt es bei uns die Gemeinschaftsschule als Ergänzung zum bestehenden Schulsystem. In der Gemeinschaftsschule können alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam bis mindestens zur achten Klasse lernen. Sie bietet den Kindern und Jugendlichen eine stabile Lernumgebung und gibt ihnen mehr Zeit und Raum für ihre individuelle Entwicklung.
- Wir bauen die Berufsorientierung in der Schule aus. Mit dem neuen Thüringer Berufsorientierungsmodell geben wir den Lehrerinnen und Lehrern ein Instrument, um auf die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler einzugehen. Dabei setzen wir auf einen fächerübergreifenden und praxisnahen Unterricht, der Einblicke in die Berufswelt ermöglicht.
Ich bin immer wieder beeindruckt von den guten Angeboten zur naturwissenschaftlichen Bildung, die in Thüringen bereits in Kitas gemacht werden. Als ich kürzlich die Kita „Brummkreisel“ in Nordhausen besuchte, staunte ich, wie Kindern frühzeitig Mathe und Naturwissenschaft nahe gebracht werden. Die interessante und spielerische Vermittlung naturwissenschaftlicher Bildung gelingt in dieser Nordhäuser Kita wie in vielen anderen. Dafür sorgt die rege Teilnahme vieler Einrichtungen an der Initiative „Thüringen – Land der kleinen Forscher“. Diese Initiative hat seit wenigen Wochen neue Partner aus Thüringer Grundschulen bekommen.
Erfreulich finde ich zudem den neuen Wettbewerb „MINT-freundliche Schule“. STIFT und die Stiftung Bildung haben diesen Wettbewerb ins Leben gerufen. Am 30. September war Bewerbungsschluss. Ich denke, dass dieser Wettbewerb die Begeisterung für die Naturwissenschaft und Technik weiter in unseren Schulen fördern wird. Ich bin gespannt, wer die glücklichen Preisträger am 24. November 2011 in der Erfurter Messe sind.
Diese beiden Thüringer Initiativen zeigen, wie wichtig neue Angebote zur naturwissenschaftlichen Bildung sind.
Jugend forscht – eine feste Größe in Thüringen und Deutschland
Aber der bedeutsamste und bekannteste Nachwuchswettbewerb ist „Jugend forscht“. Seit seiner Gründung im Jahr 1965 haben sich bundesweit Tausende junger Forscher an diesem Wettbewerb beteiligt. Wie langfristig dieser Wettbewerb wirkt, zeigt sich daran, dass die Mehrzahl der erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer naturwissenschaftlichen Neigung treu blieben: Die meisten wählen eine Ausbildung, ein Studium oder einen Beruf im MINT-Bereich. Das überrascht kaum, denn in diesen Berufsfeldern besteht eine große Fachkräfte-Nachfrage.
Dass dieser Weg erfolgreich verläuft, dafür sorgen thüringenweit unsere Lehrerinnen und Lehrer. Jahr für Jahr gelingt es ihnen, viele Schülerinnen und Schüler neu zu motivieren. Aber auch sie über Jahre zu begleiten. In mehreren Thüringer Schulen ist der Wettbewerb eine feste Größe im Schulkalender.
Und das Interesse ist groß. Das zeigen die Zahlen: Seit 1991 ist Thüringen dabei. 125 Schülerinnen und Schüler haben damals ihre Ideen präsentiert. Dieses Jahr waren es beinahe 500 Mädchen und Jungen, die ihre Projekte und Erfindungen der Öffentlichkeit vorstellten. Die Zahl hat sich also fast vervierfacht.
Damit belegt Thüringen die Spitzenposition unter den ostdeutschen Ländern. Wir stellen beispielsweise mehr Teilnehmer als Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zusammen. Selbst größere Bundesländer wie Hessen oder Berlin stellen weniger Teilnehmer als Thüringen.
Wettbewerb mit Engagement
Was ist unser Erfolgsrezept? Die Antwort darauf: viele erfolgreiche Partner unterstützen das Projekt. Dazu gehören Partner aus der Wirtschaft und von Verbänden. Sie unterstützen den Wettbewerb „Jugend forscht“ seit vielen Jahren. Dafür will ich mich herzlich bedanken.
Ohne das ehrenamtliche Engagement vieler bewährter Experten wäre der Wettbewerb „Jugend forscht“ nicht möglich. Sie bewerten in den Fachjurys die eingereichten Beiträge und geben den Teilnehmern hilfreiches Feedback. Das zeichnet Deutschlands wichtigsten Nachwuchswettbewerb im Bereich der Naturwissenschaften aus: Hier engagieren sich gestandene Frauen und Männer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung – und zwar ehrenamtlich. So sieht vorbildliche Nachwuchsarbeit aus. Daher danke ich allen Jurymitgliedern in Thüringen ganz herzlich für ihr hohes jahrelanges Engagement.
Kein Landeswettbewerb „Jugend forscht“ wäre erfolgreich ohne zentrale Koordinierung. Dafür steht in Thüringen seit vielen Jahren der Landeskoordinator Rüdiger Eisenbrand. Selbst als Bürgermeister liegen ihm der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und der Wettbewerb weiter am Herzen. Er und die Regionalkoordinatorinnen und Regionalkoordinatoren halten den Kontakt zu Schulen und Lehrern vor Ort. Dafür danke ich Rüdiger Eisenbrand und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern ganz herzlich.
Motivation durch Lehrerinnen und Lehrer
Koordination und Unterstützung sind das Eine. Der Wettbewerb „Jugend forscht“ ist aber vor allem deshalb zum Erfolg geworden, weil sich in den einzelnen Schulen Tausende von Lehrerinnen und Lehrern seit Jahren engagieren. Sie sind es, die die Schülerinnen und Schüler für die MINT-Fächer begeistern, zur Teilnahme am Wettbewerb motivieren und bei ihren Arbeiten unterstützen. Das fängt an beim Sammeln und Formulieren der Ideen, über konkrete Hilfestellungen bei komplexen Experimenten bis hin zur Unterstützung bei der Präsentation der Ergebnisse. Jahr für Jahr überzeugen und motivieren Sie neue Schülerinnen und Schüler. Sie machen „Jugend forscht“ zu einer lebendigen Sache.
Das kostet Zeit und Kraft. Aber es macht auch Spaß. Schließlich ist es ein schönes Gefühl zu sehen, wie engagierte Schülerinnen und Schüler auch Erfolg haben.
Liebe Betreuungslehrerinnen und Betreuungslehrer,
heute ist Ihr Tag. Heute kann ich Ihnen Danke sagen für viele Stunde ehrenamtlichen Engagements in ihren Schulen – für den Wettbewerb „Jugend forscht“.
Bundeswettbewerb kommt nach Erfurt
Das Engagement aller Beteiligten wird im nächsten Jahr belohnt. Ganz Deutschland wird auf Thüringen blicken, denn der Bundeswettbewerb 2012 kommt im Mai nach Erfurt. Inzwischen zum dritten Mal, findet die Endrunde des Wettbewerbs „Jugend forscht“ in den neuen Bundesländern statt. Nach Sachsen-Anhalt und Sachsen ist nun Thüringen an der Reihe. Das ist eine außerordentliche Anerkennung der Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler im Wettbewerb, aber auch eine hohe Wertschätzung der hervorragenden Arbeit an unseren Schulen und Hochschulen.
Erfurt rückt damit in das Blickfeld all jener, die sich mit naturwissenschaftlicher Bildung und Forschung im Schulbereich befassen. Das ist mit Sicherheit ein Ansporn für Schüler und Lehrer im nächsten Jahr in Erfurt auf dem Siegertreppchen zu stehen.
Der Wettbewerb ist aber zugleich eine Chance, den Blick der Öffentlichkeit erneut auf Thüringen und unsere Reformen und Erfolge im Bildungsbereich zu lenken. Wir können wiederum zeigen, dass wir auf dem besten Weg sind, Thüringen zum Bildungsland Nr. 1 zu machen.