Forschungspreis 2004
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Statistiker unter uns werden wissen, dass wir mit der heutigen Verleihung des Thüringer Forschungspreis ein kleines Jubiläum feiern können. Nach der erstmaligen Vergabe 1995 kann der Preis nunmehr auf eine bereits zehnjährige Geschichte zurückblicken.
Grund genug für ein kurzes Resümee zur Entwicklung in diesem Zeitraum:
- In den zehn Jahren seines Bestehens ist der Preis bisher 32 mal vergeben worden: 13 mal in der Grundlagenforschung, 13 mal in der Angewandten Forschung und 6 mal in der 2000 eingerichteten neuen Kategorie als Transferpreis.
- Das fachliche Spektrum der preisgekrönten Arbeiten ist für ein kleines Land wie Thüringen beachtlich breit. Es reicht von den Rechtswissenschaften über die Mathematik, die Astronomie, die Biologie, die Medizin, die Physik, die Biotechnologie bis zu unmittelbaren Anwendungen in der Industrie und zeigt, dass im Freistaat die reichen Traditionen in Wissenschaft und Forschung eine erfolgreiche Fortsetzung gefunden haben. Über das gesamte Spektrum der ausgezeichneten Spitzenleistungen ist eine beeindruckende wissenschaftliche Exzellenz zu konstatieren; dies beweist, dass durch den kontinuierlichen und zielgerichteten Aufbau der Hochschul- und Forschungsinfrastruktur eine solide Basis für hervorragende wissenschaftliche Ergebnisse geschaffen wurde.
- Dass die Preisträger zu gleichen Anteilen aus Thüringer Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen kamen ist ein Beleg für die ausgewogene institutionelle Struktur der Thüringer Forschungslandschaft - eine wichtige Feststellung, auf die ich an anderer Stelle nochmals zurück kommen werde.
- Frühere Träger des Thüringer Forschungspreises sind heute nicht nur in ganz Deutschland sondern auch im Ausland tätig; auch dies ist ein Qualitätsausweis für die Thüringer Forschung. Ein solcher Wechsel ist natürlich ein völlig normaler Aspekt einer erfolgreichen Wissenschaftlerlaufbahn. Allerdings dürfen solche Wechsel keine Einbahnstrasse sein. Um auch für Wissenschaftler aus anderen Bundesländern und dem Ausland attraktiv zu bleiben, müssen die guten Bedingungen für die Forschung in Thüringen erhalten und wo nötig verbessert werden. Auch das eine wichtige Feststellung, die ich in meinen Ausführungen noch konkretisieren werde.
- Die heutige Ehrung von an Thüringer Einrichtungen tätigen Preisträgern aus Russland und Slowenien ist eines von vielen Beispielen für die internationale Verflechtung der Thüringer Forschung. Und sie zeigt, dass sich aus der besonderen Geschichte und Lage auch spezifische Chancen Thüringens in der Kooperation mit den Forschern Osteuropas ergeben.
- Nicht vergessen möchte ich, dass sich die Thüringer Forschungslandschaft durch den Wechsel des Austragungsortes der Preisverleihung auch in ihrer regionalen Vielfalt präsentieren konnte.
Wir können also zweifellos eine positive Bilanz über "10 Jahre Forschungspreis" ziehen.
Dies gilt auch für die Entwicklung der Thüringer Forschungsinfrastruktur. Sie hat trotz der sehr schwierigen Haushaltslage in der Landespolititik hohe Priorität und wird dies auch künftig haben, wie folgende Beispiele zeigen:
Noch in diesem Jahr ist mit der Fertigstellung des Neubaus der Bibliothek und des Hörsaalgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar und des Neubaus der Laborhalle der Fachhochschule Erfurt zu rechnen, im nächsten Jahr folgt das Kompetenzzentrum an der Fachhochschule Nordhausen.
Die Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek kann fünf Monate nach dem verheerenden Brandunglück mit der Einweihung des seit 2001 neu errichteten Studienzentrums ihren Betrieb wieder aufnehmen. Das Tiefmagazin des neuen Erweiterungsbaus wurde vorab freigegeben und konnte bereits in der Brandnacht unversehrt geborgene Bücher aufnehmen.
Im Sommer 2004 konnte das Ernst-Abbe-Zentrum für Forschung und Transfer in Ilmenau in Betrieb genommen werden.
Im November 2004 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau des Zentralgebäudes auf dem Beutenberg-Campus Jena; der Beginn der Sanierung des MEMI-Gebäudes auf dem Campus zur Schaffung von Räumlichkeiten für das Zentrum für Molekulare Medizin ist noch in 2005 geplant.
Einweihungen werden wir noch in diesem Jahr für das neue Institutsgebäudes der Forschungsstation Quartärpaläontologie Weimar und das neue Kursraumgebäude des Hans-Knöll-Instituts Jena feiern können;
Geplant und im Haushaltsentwurf 2005 berücksichtigt sind der Neubau des Instituts für Anorganische und Analytische Chemie Universität Jena, der 2. Bauabschnitt, Haus 4 der Fachhochschule Jena sowie der Neubau des Hörsaals der Fachhochschule Erfurt. Die erfolgreiche Entwicklung des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung in Jena (IZKF), für das Anfang 2004 die dritte Förderperiode durch den BMBF bestätigt wurde, kann durch den Neubau des Laborzentrums Jena Lobeda des Uni-Klinikums fortgesetzt werden.
Meine Damen und Herren,
die aktuelle Entwicklungsdynamik erlaubt es aber nicht, sich auf dem Erreichten auszuruhen.
Die Beschlüsse des EU-Gipfels von 2000 und des Europäischen Rates vom März 2002 haben sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung eine wichtige Vorbedingung darstellen, damit der europäische Wirtschaftsraum im globalen Wettbewerb um Wachstum und Innovationen bestehen kann. Die in Lissabon formulierten konkreten Ziele für die Forschungsförderung durch öffentliche Hand und private Wirtschaft in Europa sind nun der Maßstab für die künftige Entwicklung. Deutschland muss ausgehend von derzeit 2,5% noch erhebliche Anstrengungen unternehmen, um das Ziel von 3% Anteil der FuE-Ausgaben am Brutto-Inlands-Produkt bis 2010 zu erreichen.
Auch Thüringen mit einer FuE-Intensität von 2,2% wird sich der internationalen Entwicklung anpassen müssen, um z.B. die bisher vergleichsweise positive Entwicklung im Export der Thüringer Wirtschaft nachhaltig zu sichern. Die enge Korrelation von Exporterfolgen von Unternehmen einerseits und einem innovativen Umfeld mit ausgeprägten FuE-Aktivitäten andererseits ist hinreichend belegt.
Für die dauerhafte Sicherung der wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Thüringens besteht daher keine Alternative zu einer konsequenten Weiterentwicklung der Forschungsinfrastruktur, auch wenn das unter den gegenwärtigen Bedingungen keine leichte Aufgabe ist.
Benjamin Franklins Feststellung, "Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen", ist heute richtiger denn je.
Die Expertenkommission "Wissenschaftsland Thüringen" hat im Frühjahr 2004 die Entwicklung der Thüringer Hochschulen und Forschungseinrichtungen analysiert und Empfehlungen für ihre weitere Entwicklung ausgesprochen. Wie in den Zielen der EU wird auch in dieser Empfehlungen sehr deutlich, dass die erforderliche Stärkung des Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Unternehmen nicht mit einer Schwächung der grundlagenorientierten Vorlaufforschung einhergehen darf.
Erforderlich dafür ist ein differenziertes Spektrum von grundlagen- und anwendungsorientierten Einrichtungen, das in Thüringen von den Hochschulen und Max-Planck-Instituten, über die WGL-und Landesinstitute bis hin zu den Fraunhoferinstituten reicht und durch die wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen ergänzt wird.
Die Vorlaufforschung an den Thüringer Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist für die Erhaltung der wissenschaftlichen Qualität und die nachhaltige Erschließung neuer Themenbereiche essentiell.
Die ausgewogene Struktur der Thüringer Forschungslandschaft kommt auch in der Tatsache zum Ausdruck, dass die bisherigen Forschungspreisträger auf sehr unterschiedlichen Stufen des Innovationsprozesses gearbeitet haben. Nicht nur wissenschaftliche Exzellenz an sich, sondern auch ihre Kontinuität über den gesamten Innovationsprozess von der Idee bis zur Umsetzung in der Wirtschaft ist von fundamentaler Bedeutung für die Sicherung der technologischen Leistungsfähigkeit Thüringens.
Kontinuität heißt dabei insbesondere
-
Keine Engpässe in den einzelnen Stufen des Innovationsprozesses zuzulassen und
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eine enge Verflechtung der verschiedenen Stufen des Prozesses zu sichern.
In der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) haben wir mit dem im November 2004 gefassten Beschluss für eine mindestens 3%ige jährliche Steigerung der institutionellen Förderung der gemeinsam finanzierten Forschungsorganisationen bis 2010 für Deutschland eine richtige Weichenstellung für die weitere Entwicklung vorgenommen. Leider haben die Diskussionen um die Förderalismusreform und die Exzellenzinitiative für die Hochschulen zu einer Verzögerung des Verfahrens geführt.
Es kommt jetzt darauf an, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu beschreiten. Die außeruniversitären Forschungsistitute und Fördereinrichtungen brauchen dringend die damit verbundene Planungssicherheit und Schwerpunktsetzung als Orientierung für ihre konkrete Arbeit. Deshalb plädiere ich für einen schnellstmöglichen Abschluss des "Paktes für Forschung und Innovation".
In Thüringen haben wir mit dem Hochschulpakt Planungssicherheit und damit eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung für unsere Hochschulen geschaffen. Seine Fortschreibung sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben in dieser Legislaturperiode an.
Es ist bedauerlich, dass die von der BLK verhandelte "Exzellenzinitiative von Bund und Ländern zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen" nicht in geeigneter Form auf den Weg gebracht werden konnte.
Ich halte den in zähen Verhandlungen mit dem Bund erreichten Ansatz der Initiative, durch Bündelung von Forschungskapazitäten unter Federführung der Hochschulen und durch Einbeziehung des außeruniversitären Forschungspotenzials Forschungsverbünde mit einer hinreichenden "kritischen Masse" zu etablieren, für richtig.
Der internationale Wettbewerb und nicht zuletzt die Notwendigkeit, in angemessenem Umfang an der europäischen Forschungsförderung zu partizipieren, zwingen uns zu dieser Entwicklung und auch Thüringen wird die dafür erforderlichen Maßnahmen treffen müssen.
Die notwendige enge Verflechtung zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden wir z.B. durch gemeinsame Berufungen von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen stärken. Die Forschungseinrichtungen ergänzen damit ihre Ressourcen in der Grundlagenforschung und optimieren die Gewinnung von wissenschaftlichem Nachwuchs.
Die Hochschulen ziehen durch eine praxisnahe Ausbildung und die gemeinsame Bearbeitung praxisrelevanter Forschung ihrerseits Nutzen aus dieser Zusammenarbeit.
Auch in der Profilierung der Forschungseinrichtungen müssen wir auf neue Anforderungen reagieren. Ich begrüße es, dass z. B. die Neuausrichtung des Instituts für Molekulare Biotechnologie Jena auf die Erforschung altersbedingter Krankheiten mit der Vorlage eines neuen Institutskonzepts entscheidend vorangebracht wurde. Damit wird eine Forschungslücke geschlossen, die gerade im Hinblick auf die absehbare demographische Entwicklung in Deutschland besondere Bedeutung hat.
Meine Damen und Herren,
eine vorausschauende und nachhaltige Forschungspolitik des Landes ist der Nährboden, auf dem die engagierte Arbeit der Wissenschaftler des Landes solche Früchte tragen kann, wie die heute auszuzeichnenden Forschungsleistungen.
Die eingereichten Vorschläge der Thüringer Forschungseinrichtungen wurden von einer mit renommierten Wissenschaftlern aus ganz Deutschland besetzten Jury bewertet. Da die vorgeschlagenen Forschungsleistungen aus sehr unterschiedlichen Fachbereichen kommen, ist das in jedem Jahr eine sehr schwierige Aufgabe. Ich möchte daher an dieser Stelle allen Mitgliedern der Jury für ihre kompetente und engagierte Arbeit meinen besonderen Dank ausprechen.
Sie, sehr geehrter Herr Prof. Sommer, haben mir berichtet, dass die Entscheidungsfindung für die Jury aufgrund der durchgängig hohen wissenschaftlichen Exzellenz der in diesem Jahr konkurrierenden Forschungsleistungen sehr schwierig war.
Die zweifache Vergabe des Preises in beiden Sparten verdeutlicht diese Schwierigkeit. Diese Einschätzung ist aber auch eine Ermutigung an die heute nicht ausgezeichneten Wettbewerber, ihren Weg weiter zu beschreiten.
Sehr geehrter Herr Prof. Höller, Sie und Ihre Mitarbeiter haben die Gestaltung eines würdigen Rahmens dieser für die Thüringer Forschung bedeutsamen Veranstaltung übernommen. Ich möchte auch Ihnen für die Vorbereitung und die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern meines Hauses bei der diesjährigen Ausrichtung der Verleihung des Thüringer Forschungspreises sehr herzlich danken.
Kommen wir nun zu den Hauptpersonen des heutigen Tages.
Der Forschungspreis für Grundlagenforschung wird in diesem Jahr zweimal vergeben.
Er geht zum einen an die Forschergruppe Prof. Miroslaw Grajcar, Dr. Evgeni Ilichev, Andrei Izmalkov, Dr. Thomas Wagner des Instituts für Physikalische Hochtechnologie Jena.
Der Forschergruppe des IPHT ist es gelungen, Grundbausteine eines Quantencomputers, sogenannte supraleitende Quantenbits (Qubits) herzustellen und eine neue Methode zur Charakterisierung und zur Bestimmung des Zustandes der Qubits zu entwickeln. Außerdem konnte die für die quantenmechanische Parallelverarbeitung notwendige Verknüpfung von Qubits nachgewiesen werden. Die Arbeiten wurden in erstrangigen Fachzeitschriften publiziert und haben international große Resonanz gefunden. Zukünftige Quantencomputer sollen zur Lösung sehr rechenintensiver Probleme beitragen, wie z. B. der exakten Modellierung großer Biomoleküle, der mit klassischen Computern nicht erreichbaren Datensicherheit durch kryptographische Verfahren und der schnellen Suche in unsortierten Datenbanken.
Zum anderen wird der Forschungspreis für Grundlagenforschung vergeben an Herrn Prof. Dr. Jörn Piel, seit Ende 2004 an der Universität Bonn.
Herr Prof. Piel beschäftigte sich am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie Jena mit der Genomisolierung von nicht kultivierbaren Bakterien. Mikroorganismen, die nicht nur Krankheitserreger sind, fördern auch auch das Leben ihrer Wirte, indem sie sogenannte Symbiosen eingehen. Durch die Arbeiten von Herrn Prof. Piehl ist es möglich geworden, aus einem komplexen Wirtsorganismus gezielt Gensegmente zu isolieren. Auch wenn es sich hier um Grundlagenforschung handelt und der Weg zur Routineanwendung noch weit ist, kann damit grundsätzlich auch das Wirkstoffpotenzial der bislang nicht kultivierbaren Mikroorganismen - und dazu gehören immerhin ca. 99% aller Bakterien - für den Menschen nutzbar gemacht werden.
Im Bereich Angewandte Forschung hat sich der Auswahlausschuss ebenfalls entschieden, den Preis zweimal zu vergeben.
Die Forschergruppe Dr. Andreas Bräuer, Dr. Peter Dannberg, Dipl.-Phys. Jaques Duparré, Dr. Peter Schreiber hat am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik ein Optiksystem für eine ultraflache Kamera entwickelt, das sich an den Sehmechanismen der Insekten orientiert.
Die Vorteile der Facettenaugen der Insekten liegen in einem sehr viel kleineren Volumen als dem eines klassischen Ein-Linsen-Systems, das z.B. wir Menschen besitzen und einem viel größeren Gesichtsfeld, das bis zur Rundumsicht reichen kann. Beeindruckend ist, dass es der Gruppe gelang, dieses Prinzip in Nanometer-Präzision in Labordemonstratoren umzusetzen und dabei Verfahren zu entwickeln, die zukünftig eine kostengünstige Herstellung dieser ultraflachen Kamera für Anwendungen beispielsweise in Kreditkarten, Folien oder Displays oder im automobilen Bereich sowie in der Überwachungstechnik ermöglichen.
Im Rahmen der zweiten auszuzeichnenden Forschungsarbeit haben Prof. Dr. Roland Sauerbrey und Dr. Heinrich Schwoerer von der Universität Jena ein Lasersystem mit einer maximalen Lichtintensität (von etwa 1020 W/cm2) aufgebaut, das damit die heute weltweit überhaupt möglichen Spitzenwerte erreicht.
Entscheidend dabei ist, dass sich die Wechselwirkung zwischen Licht und Materie in diesem Intensitätsbereich grundlegend ändert. So konnten die Preisträger erstmals zeigen, daß hochenergetische Teilchenstrahlen und Kernumwandlungen auch mit kompakten, grundsätzlich für Anwendungen geeigneten Lasersystemen induziert werden können.
Aber auch die Experimente zur Ausbreitung hochintensiver Laserpulse in der Erdatmosphäre führten zu überraschenden Resultaten mit weitreichenden potentiellen Anwendungen. So wird neben spektroskopischen Bestimmungen vieler Komponenten der Erdatmosphäre gleichzeitig auch die aktive Beeinflussung von atmosphärischen Vorgängen durch Hochintensitätslaser denkbar.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
für eine angemessene Würdigung wissenschaftlicher Spitzenleistungen ist die Auswahl der Laudatoren von ganz entscheidender Bedeutung. Ich freue mich daher sehr, dass wir auch in diesem Jahr wieder herausragende Forscherpersönlichkeiten als Laudatoren für den Thüringer Forschungspreis gewinnen konnten.
In der ersten Laudatio im Bereich Grundlagenforschung wird Herr Professor Gerd Schön von der Universität Karlsruhe die Würdigung der Preisträger und ihrer Forschungsleistung vornehmen.
Herr Professor Schön ist Leiter des Instituts für Theoretische Festkörperphysik der Universität Karlsruhe und Vorsitzender des Fachausschusses Tiefe Temperaturen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und damit verantwortlich für das Programm der wichtigsten deutschen Konferenz der Tieftemperaturphysik. Er selbst untersucht als Theoretiker eine verwandte Ausprägung von Quanten-Bits - die Ladungs-Quantenbits. Damit ist er in besonderer Weise prädestiniert, die Würdigung der auszuzeichnenden Arbeit vorzunehmen.
Die zweite Laudatio für den Forschungspreis in der Grundlagenforschung wird Herr Professor Hacker, Universität Würzburg, halten.
Herr Prof. Hacker ist Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie und leitet das Zentrum Infektionsforschung in Würzburg. Er ist seit 1998 Mitglied der "Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina", seit 2003 Mitglied der "Akademie der Wissenschaften zu Göttingen" und seit 2003 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die Forschungsarbeiten von Professor Hacker beschäftigen sich mit der Analyse von pathogenen Bakterien und zwar sowohl die Mikroorganismusseite als auch die Wirtsseite. Seine national wie international herausragenden Forschungsergebnisse betreffen insbesondere die "Pathogenitätsinseln" auf dem Genom von pathogenen Mikroorganismen.
Als Laudator in der Angewandten Forschung konnten wir Herrn Dr. Völkel gewinnen.
Herr Dr. Völkel ist Geschäftsführer der Firma SUSS MicroOptics in Neuchatel /Schweiz.
Er hat nach Studium und Promotion an einer der berühmten Optik"-Schulen" Deutschlands, der Universität Erlangen, das Unternehmen SUSS Microoptics gegründet, das heute führend auf dem Gebiet mikrooptischer Bauelemente ist.
Dr. Völkel hat sich selbst auch mit Prinzipien der optischen Sinnesorgane von Tieren und möglichen technischen Anwendungen beschäftigt und grundlegende Arbeiten zu "flachbauenden Bilderfassungssystemen" verfasst.
Die Industrie war damals eher skeptisch und hatte diese interessanten Ergebnisse als "nicht so bald in Produkte umsetzbar" eingeschätzt. Insofern wird es Herrn Dr. Völkel sicher gefreut haben, von den Aktivitäten des IOF-Teams zur Theorie und vor allem zur ersten experimentellen Umsetzung des künstlichen Facettenauges zu hören.
Die zweite Laudatio im Bereich der Angewandten Forschung für die Forschergruppe Prof. Sauerbrey und Dr. Schwoerer der Universität Jena wird von Herrn Professor Dr. Ludger Wöste von der Freien Universität Berlin gehalten.
Professor Wöste ist seit 1989 ordentlicher Professor für Experimentalphysik und leitet am Institut für Experimentalphysik der FU eine Gruppe von etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Er arbeitet auf dem Gebiet der Clusterphysik und der Spektroskopie der Atmosphäre mittels Lasern und ist damit auch mit der Ultrakurzzeitphysik bestens vertraut.
Herr Wöste wird sich als Träger des 1999 verliehenen Smoluchowski-Warburg-Preises der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und Träger des bereits 1995 verliehenen Innovationspreises der Länder Berlin und Brandenburg sehr gut in die Gefühle der heutigen Preisträger hinein versetzen können.
Meine Herren, ich heiße Sie sehr herzlich willkommen und danke Ihnen für Ihre Bereitschaft, diese Festveranstaltung mit Ihren Laudationes zu bereichern.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Rudolf Virchow soll einmal gesagt haben "Es wird ja fleißig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es müsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben". In den nun folgenden Laudationes wird deutlich werden, dass wir in der "Denkfabrik" Thüringen auf viele Forscher und ihre gescheiten Gedanken sehr stolz sein können.