07.01.2013 09:51 Uhr

Ordensverleihung an Dr. Leuckefeld

Ordensverleihung Dr. Leuckefeld
Ordensverleihung Dr. Leuckefeld

Dr. Gerd Leuckefeld aus Leinefelde erhielt von Thüringens stellvertretendem Ministerpräsidenten Christoph Matschie das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger wurde für seine Verdienste um die historische Heimatforschung sowie den Schutz und Erhalt der Denkmallandschaft ausgezeichnet. Verliehen wird der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vom Bundespräsidenten.

Matschie dankte Leuckefeld für den großen Einsatz und gratuliert zur Ehrung: „Dr. Gerd Leuckefeld ist ein Heimatforscher aus Leidenschaft und mit fundiertem Fachwissen. Bei ihm gehen kulturelles und soziales Engagement Hand in Hand. Mit viel Herzblut kümmert er sich um die junge Generation und begeistert sie für die Geschichte und Traditionen seiner Heimat. Er hat sich um das Eichsfeld außerordentlich verdient gemacht.“

Der ehemalige Gymnasiallehrer, geb. 1939, engagiert sich seit Jahren in der Arbeitsgruppe „Archäologie“ des Vereins der Eichsfeldischen Heimatkunde. Ein Höhepunkt seines dortigen Wirkens ist die erfolgreiche Wanderausstellung „Archäologische Ausgrabungen in der Wüstung Kirrode“. Unter seiner Leitung erschienen mehrere kulturhistorischen Broschüren. Für das Eichsfeld-Jahrbuch und die Eichsfelder Heimatzeitschrift schreibt er regelmäßig Beiträge. Außerdem unterstützt er Schülerinnen und Schüler bei der Erarbeitung ihrer Jahresarbeiten.

 

Laudation des Thüringer Ministers für Bildung, Wissenschaft und Kultur

für Dr. Gerd Leuckefeld
anlässlich der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande am 28.Juni 2012, Erfurt, Thüringer Staatskanzlei

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich. Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, heute das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Dr. Leuckefeld verleihen zu dürfen.

Lieber Herr Dr. Leuckefeld,
Sie werden heute für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In außerordentlicher Weise haben Sie sich für unsere Thüringer Kulturlandschaft ehrenamtlich verdient gemacht.
Sie sind Heimatforscher – mit ganzem Herzen. Aber auch mit beiden Händen. Denn Ihre besondere Leidenschaft gehört der Archäologie. Und wer wie Sie auf den Ausgrabungsstätten im Landkreis Eichsfeld zuhause ist, der muss zupacken können.

Und das tun Sie – und wie jeder weiß, ist Ihre Frau immer dabei: Voller Tatkraft, mit bewundernswerter Akribie und einem fundiertem Sachwissen fördern Sie gemeinsam Schätze zu Tage.  Sie lüften die Geheimnisse unserer Vorzeit. Schritt für Schritt, Spatenstich für Spatenstich erfahren wir mehr über das Leben und den Alltag unserer Vorfahren in Thüringen. Und an diesem Wissen lassen Sie andere teilhaben. Es ist Ihnen wichtig, dass dieses Wissen weitergegeben wird, dass es an die Öffentlichkeit kommt. Denn Sie wollen, dass auch andere von dem großen kulturellen Reichtum erfahren, den wir hier in Thüringen bewahren. Dafür engagieren Sie sich: In zahlreichen Publikationen, Vorträgen und Ausstellungen.

Bevor ich zur Würdigung im Einzelnen und zur Verleihung des Verdienstordens komme, gestatten Sie mir ein Wort zum Anliegen dieser hohen Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland stiftete vor 60 Jahren (7.9.1951) Theodor Heuss. Der erste Bundespräsident legte damit den Grundstein für eine demokratische Kultur des Dankens. Bürgerinnen und Bürger, die sich in hervorragender Weise für das Gedeihen unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft einsetzen, erhalten seitdem diese höchste staatliche Ehrung im Rahmen einer öffentlichen Festveranstaltung. Und gerade weil ehrenamtliches Engagement keine Selbstverständlichkeit ist, gehört es zur vornehmsten Aufgabe des demokratischen Staates, danke zu sagen.

In Thüringen engagiert sich fast jeder dritte Einwohner ehrenamtlich. Das ist sehr respektabel. Der Kreativität werden dabei keine Grenzen gesetzt. Jede freiwillige Arbeit ist Dienst an der Gemeinschaft. Sie ist für ein gedeihliches Zusammenleben unverzichtbar. Aber damit mich keiner missversteht: Bürgerschaftliches Engagement ist kein Ersatzbetrieb für staatliches Handeln. Der Staat muss seine sozialen und kulturellen Aufgaben auch künftig in Deutschland erfüllen. Aber: Und auch das muss gesagt werden, der Staat ist auf die aktive Mithilfe und Gestaltungskraft der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Es ist gut, dass es heute viele engagierte Thüringer, Bürgerinnen und Bürger gibt, die beherzt mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Auch dies ist Ausdruck für ein Selbstverständnis, das wir der jüngeren Generation weitergeben möchten. Von Hand zu Hand.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Lieber Herr Dr. Leuckefeld,
Sie werden heute für Ihre Verdienste um die historische Heimatforschung und um den Schutz und Erhalt der Denkmallandschaft mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der Blick auf Ihr ehrenamtliches Engagement ist beeindruckend. Als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger sind Sie im Landkreis Eichsfeld tätig. Sie sind Mitglied des Vereins für Eichsfeldische Heimatkunde [Vereinsvorsitzender Peter Anhalt ist anwesend]. Im Landkreis gibt es wohl keine Ausgrabungungsstelle, an der Sie nicht auch selbst aktiv Hand angelegt haben. Sie kennen Ihre Heimat wortwörtlich tiefgründig und tiefschürfend.

In Ihrem Berufsleben haben Sie viele Jahrzehnte als Lehrer Wissen weiter gegeben. Und daran knüpfen Sie heute wieder im Ehrenamt an. Sie haben ein Gespür dafür, wie Ergebnisse der Heimatforschung ein breites Publikum finden können. Dafür suchen Sie sich starke Partner. Sie stehen im engen Kontakt zum Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar. Als Pädagoge wissen Sie: was man mit den eigenen Augen gesehen hat, das prägt sich ein. Daher engagieren Sie sich immer wieder für Ausstellungen. Ein großer Erfolg ist die Ausstellung über die Ausgrabungen der Wüstung Kirrode, die an mehreren Stationen zu sehen war. Auch andere Ausstellungen an denen Sie mitgearbeitet haben, haben ein reges Interesse in der Öffentlichkeit gefunden: Ich erinnere an „Mode im Wandel der Zeiten“, „150 Jahre Entdeckung des Neanderthalers“, „Altes Handwerk“ und „Sakrale Kunst und liturgische Gegenstände“.

Ihre tiefe Zuneigung zu Ihrer Heimat wirkt auf andere ansteckend und mitreißend. Ihnen gelingt es, arbeitslose Menschen in Ihre Projekte sinnvoll und sinnstiftend einzubeziehen. Gemeinsam haben Sie viel auf die Beine gestellt. Und das, lieber Herr Dr. Leuckefeld ist eine besondere Fähigkeit, die Sie beherrschen und wofür Ihnen sehr herzlicher Dank gebührt: Sie verknüpfen in vorbildlicher Weise kulturelles Engagement mit sozialer Verantwortung. Dazu gehört auch Ihre Zusammenarbeit mit den Schulen. Obwohl schon längst im Ruhestand, stehen Sie Schülerinnen und Schüler bei der Erarbeitung der Jahresarbeiten mit Rat und Tat zur Seite.

Als Pädagoge wissen Sie es ja selbst: am besten lernt es sich durch Vorbilder. Und Ihre Schüler haben das beste Vorbild, das man sich wünschen kann – in Ihnen. Daher bin ich sicher, dass es gut steht um den Forschernachwuchs im Landkreis Eichsfeld.

Der Boden von Leinefeld muss eine besondere Konsistenz haben. Große Archäologen stammen von hier. Ich erinnere an den Naturforscher Johann Carl Fuhlrott (1803-1877), der in Ihrer Heimat, Leinefelde geboren wurde. Berühmt ist er bis heute dafür, dass er aus vorgefundenen Skelettresten den Menschentyp des Neandertalers bestimmen konnte. Der Neandertaler ist zwar schon entdeckt. Aber wer weiß, lieber Herr Dr. Leuckefeld, was bei Ihrem Engagement noch alles zu Tage treten wird?

Sehr geehrter Herr Leuckefeld, für Ihr Engagement in der historischen Heimatforschung und in der Bodendenkmalpflege darf ich Ihnen heute das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichen.
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