Minister Helmut Holter zu seinen ersten 100 Tagen im Amt

„Mein Thüringen lob ich mir. Thüringen macht mich glücklich.“

100 Tage: Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Die ersten hundert Tage kommen mir vor wie zehn Jahre intensiver Arbeit. Ich habe gar nicht das Gefühl, vor hundert Tagen hier angefangen zu haben, sondern ich bin mittendrin und das ist auch gut so.

Was motiviert Sie?

Einige Menschen haben mir gesagt, Du bist doch verrückt, dieses Amt anzunehmen. Das ist der „heißeste Stuhl“ in Thüringen. Aber ich habe eine Herausforderung gesucht. Diese Herausforderung wurde mir angeboten. Dann habe ich mich mit meiner Familie beraten.

Politik ist mein Hobby. Politik macht mir Spaß. Ich mache das rund um die Uhr und kann gar nicht loslassen. Als ich hier in Thüringen eingetaucht bin, im wahrsten Sinne des Wortes, habe ich viele engagierte Menschen kennengelernt, die mich motivieren. Die Probleme, aber auch die Freuden, die vorhanden sind, geben mir die Kraft und auch die Motivation weiterzumachen.

100 Tage: Was waren die entscheidenden Themen?

Die Koalition hat ein neues Kita-Gesetz auf den Weg gebracht. 2018 wird das letzte Kita-Jahr beitragsfrei für die Kinder und ihre Eltern. Eine wichtige sozialpolitische Leistung. Aber nicht nur das. Es werden auch mehr Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas arbeiten.

Und das zweite große Thema ist natürlich alles, was mit Schule zusammenhängt. Als Erstes ist diesbezüglich feststellen, dass jeden Tag Unterricht stattfindet, dass Tausende von Lehrerinnen und Lehrern engagiert, teilweise unter schwierigen Bedingungen, Unterricht geben, dass die Kinder begeistert nach Hause gehen – und dafür möchte ich unseren Lehrerinnen und Lehrern als Erstes danken.

Aber es ist wichtig, dass den Kolleginnen und Kollegen neben der Wertschätzung auch Perspektiven aufgezeigt werden. Es braucht Veränderungen. Bei den vielen Veranstaltungen, die ich in den ersten hundert Tagen gemacht habe – Schulleiter-Foren, Besuche bei Schulämtern, Besuche in Schulen, Bürgerforen und so weiter – wird immer wieder deutlich: Veränderungen sind gewünscht und gewollt. Es hat aber bisher an mutigen Entscheidungen gefehlt, diese Veränderungen auch umzusetzen.

Deswegen will ich, ausgehend von den ersten hundert Tagen, einen Thüringenplan #ZukunftSchule erarbeiten, der dann verbindlich umgesetzt wird. Am Ende, bin ich der Überzeugung, muss man Schule vom Kind her denken, nicht vom Geld und nicht von der Verwaltung. Das Beste für die Kinder in Thüringen ist nur gut genug.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

In Schmalkalden hat mir jemand gesagt: Sie sind der achte Minister und ich habe schon viele reden gehört, allein mir fehlt der Glaube, dass sich in der Bildungslandschaft in Thüringen wirklich etwas ändert. Daraufhin habe ich ihm geantwortet: Es gibt für mich drei Schritte: Der erste Schritt, ehrlich machen. Das war der Beginn des Werkstattprozesses. Der zweite Schritt ist, einen Plan zu erarbeiten und der dritte Schritt ist es, diesen verbindlich umzusetzen. Und deswegen sage ich einfach als Norddeutscher: Nicht nur schnacken, sondern machen. Und das ist genau das, was ich den Thüringerinnen und Thüringern verspreche: Ich will das umsetzen, was von mir erwartet wird.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?

Ich wurde einmal gefragt: Bei der Fülle der Themen, wo wollen Sie denn eigentlich anfangen?

Daraufhin sage ich: Alle Themen sind gleich wichtig. Wir haben Lehrermangel in bestimmten Fächern, wir haben Unterrichtsausfall, bei der Digitalisierung von Schulen kommen wir nicht richtig voran, weil wir auch auf den Bund warten mit seiner Entscheidung zum Digitalpakt, der inklusive Unterricht muss weiter vorangetrieben werden und viele andere Dinge mehr. Aber die entscheidende Frage ist für mich, dass tatsächlich tagtäglich der Unterricht stattfinden kann und dass der Unterrichtsausfall minimiert wird. Das ist die höchste Priorität.

Deshalb geht es jetzt erst einmal darum, Sofortmaßnahmen und mittelfristige Maßnahmen einzuleiten, damit gute Schule stattfinden kann. Dabei geht es um die materiell-technische Ausstattung von Schulen. Es geht aber auch darum, Lehrerinnen und Lehrer zu motivieren, eventuell umzusteigen, neue Fächer zu unterrichten beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrer in die ländlichen Gebiete zu holen, damit sie dort Unterricht geben.

Und dann geht es tatsächlich auch um Schulnetzplanung beziehungsweise darum, wie die Schullandschaft in Thüringen in Zukunft aussieht. Darüber sind wir mit den Landräten und den Oberbürgermeistern inzwischen in einem guten Diskurs.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen für das nächste Jahr?

Eine Reihe von Maßnahmen haben wir schon eingeleitet, wie beispielsweise die Nachqualifizierung von Seiteneinsteigern, die 2018 beginnt. Darüber hinaus haben wir die Einstellungsbedingungen erleichtert. Dies schließt die Frage von Entfristungen mit ein. Weiterhin planen wir mehr Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern in den Jahren 2018 und 2019. Insgesamt werden im kommenden Jahr 1.200 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden. Dazu gehören sowohl Entfristungen als auch Neueinstellungen. 2019 setzt sich das entsprechend fort. Das heißt: Es kommt mehr Personal in die Schulen.

Wir haben einen hohen Altersdurchschnitt unter den Lehrerinnen und Lehrern. Das heißt, wir müssen kräftig für junge Lehrerinnen und Lehrer werben. Das wiederum heißt, wir müssen das Image verbessern. Wir müssen die Attraktivität des Bildungsstandortes Thüringen herausstellen und jungen Leuten sagen: Es lohnt sich, nach Thüringen zu kommen. Dazu gibt es entsprechende Maßnahmen.

Sie sprechen oft von einer „Willkommenskultur“ für Lehrerinnen und Lehrer. Was bedeutet das?

Ich kann mir beispielsweise vorstellen, dass diejenigen, die MINT-Fächer wie Mathe, Physik, Chemie studieren, Anreize bekommen, indem sie ein Stipendium bekommen. So ähnlich, wie es das für Ärzte, die aufs Land gehen, schon gibt.

Und gerade auch diejenigen, die aufs Dorf gehen, sollen motiviert werden. Junge Lehrerinnen und Lehrer könnten beispielsweise im Vorbereitungsdienst schon Fahrtkosten ersetzt bekommen, bei der Wohnungssuche unterstützt werden beziehungsweise auch Mieterlass bekommen.

Willkommenskultur heißt aber vor allem auch, dass die Gemeinden generell sagen: Wir wollen Dich hier haben. Du willst vielleicht hier bauen? Du willst hier eine Familie gründen? Dann bieten wir Dir billiges Bauland an. Oder die Gemeinde hat ein Haus, welches kurz vorm Zusammenbruch steht. Dieses könnte jungen Leuten angeboten werden, um ihnen damit zu helfen, eine Existenz aufzubauen.

Deswegen ist es wichtig, auch politisch Kontinuität zu schaffen. Alle, auch junge Leute, planen. Privat, Familie, alles was dazu gehört. Das ist eine Frage von Sicherheit für die Zukunft. Es gibt viele, viele Maßnahmen, die insgesamt dazu beitragen sollen, das Bildungsland Thüringen so attraktiv zu machen, dass Menschen sagen, ‚Hier will ich bleiben‘ beziehungsweise ‚Da geh ich hin, um Lehrerin und Lehrer zu werden‘.

100 Tage: Ihr Fazit?

Es gibt ein Wort, welches in Thüringen sehr oft in den Mund genommen wird: Das ist Zukunft. Und wer über Zukunft redet, muss über die Kinder reden. Deswegen ist gute Kita, gute Schule nur gut genug für den Freistaat. Und ich möchte das Beste für Thüringen erreichen. Dazu lade ich Sie ein, machen Sie mit!

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