Thüringer Staatskanzlei

07.01.2013 08:42 Uhr

9. Heimattag der Region Saale-Holzland

Rede der Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen Christine Lieberknecht
anlässlich des 9. Heimattages der Region Saale-Holzland am 24. August 2010
„Brauchen wir publizierte Heimatgeschichte und Heimatliteratur?“ 
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Lieber Herr Klose, Kreisheimatpfleger,
lieber Herr Moszner,
sehr geehrter Herr Dr. Müller, Erster Beigeordneter des SHK,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Steingrüber,
sehr geehrte Referenten dieses 9. Kreisheimattages,
Herr Abgeordneter Fiedler,
Herr Dr. Ostritz, Präsident des Archäologischen Landesamtes für Denkmalpflege,
liebe Heimatfreunde!
 
„Brauchen wir publizierte Heimatgeschichte und Heimatliteratur?“ 
Mehr denn je im Zeitalter der Globalisierung. Ich könnte mit diesem einen Satz meinen Vortrag beenden. Doch ich bin es Ihnen, den Heimatfreunden, schuldig, meine These inhaltlich zu begründen. Und ich tue das sehr gerne, da ich mich Ihnen verbunden fühle! Ich war bei allen Thüringer Heimattagen als Schirmherrin dabei.
 
Viele von Ihnen erinnern sich sicherlich noch an den ersten Thüringer Heimattag in Auerstedt Anfang Juni 1998. Dort haben Sie ein zukunftsweisendes Positionspapier verabschiedet.
 
Seitdem hat die Heimatpflege in Thüringen einen erfreulichen Auftrieb bekommen. Die meisten der Auerstedter Thesen sind heute Wirklichkeit geworden, etwa:
 
  • die Berufung von autorisierten ehrenamtlichen Heimatpflegern in Landkreisen und Städten,
  • die Koordinationsstelle für Heimatpflege in Thüringen,
  • regelmäßige Publikationen zur Heimatpflege,
  • Schulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Heimatpfleger,
  • Wettbewerbe und Projekte,
  • Heimattage auf Kreis-, Regional oder Landesebene,
  • bundesweite und europaweite Partnerschaften.
 
Dies waren großartige Visionen. Noch nicht alle sind Wirklichkeit geworden, aber Vieles ist auf den Weg gebracht. Heimatpflege ist niemals abgeschlossen, sie ist ein dynamischer Prozess, ein Dauerauftrag, eine Verpflichtung für uns alle und für alle Zeiten.
Wir haben auf dem Heimattag 2008 gemeinsam eine Bilanz 10 Jahre nach Auerstedt gezogen. Und diese Bilanz kann sich in der Tat sehen lassen.
 
Herzlichen Dank all den ehrenamtlichen Helfern, die dazu beigetragen haben! Ihnen haben wir es zu verdanken, dass die Heimatpflege in Thüringen im Vergleich zu anderen Ländern besonders hohes Ansehen genießt, auch wenn wir hier das Musterland Bayern noch nicht eingeholt haben.
 
Dass Thüringen dank der Heimatpflege eine starke Identität, ein unverwechselbares Profil hat, dies hängt nicht nur an der bezaubernden Landschaft, nicht nur an unserem kulturellen Reichtum.
 
Es ist vor allem das Resultat einer jahrelangen erfolgreichen Zusammenarbeit von Heimatpflegern, Heimatbund, Vereinen und örtlichen Initiativen im gesamten Freistaat Thüringen.
 
Mit ihrem Fachwissen, mit ihrer reichen Erfahrung, mit ihrem persönlichen ehrenamtlichen Einsatz für Denkmalpflege, Geschichtsforschung, Brauchtum, Dialektforschung und Kultur sind die Akteure der Heimatpflege in Thüringen ein unverzichtbarer Kristallisationspunkt des Kulturlebens in unserem lebens- und liebenswerten Freistaat.
 
Heimatpflege, meine Damen und Herren, setzt Heimatverbundenheit, ja Heimatliebe voraus. Dies ist der entscheidende Impuls, vor Ort Verantwortung zu übernehmen.
 
Gerade heute in Zeiten knapper öffentlicher Kassen möchte ich eines als ganz besonders wichtig herausstellen: Ehrenamtliche Heimatpflege darf nicht zum Lückenbüßer für Leistungen werden, die die öffentliche Hand, die Kommune oder das Land, nicht erbringen können oder wollen.
 
Meine Damen und Herren!
Für Sie als Heimatpfleger ist Bürgersinn keine leere Worthülse, sondern gelebte Überzeugung.
 
Heimatpflege, dies ist uneigennütziges, aber sehr nützliches soziales Dienen in seiner umfassenden Form. Sie richtet sich an der zentralen Leitfrage aus: Was müssen wir bewahren, damit sich künftige Generationen ihres Herkommens und Werdens mit allen Sinnen vergewissern können?
Heimatpflege ist also ein aus der Verantwortung gegenüber der Schöpfung, aus der Verantwortung gegenüber den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Generationen erwachsener Auftrag.
 
„Mit der Vergangenheit die Zukunft gestalten“ – unter diesem Motto stehen die Thesen zur Heimatpflege in Thüringen, im April 2010 von Herrn Kolbmüller mit einem Arbeitskreis entwickelt. Sie sind als Weiterentwicklung der Auerstedter Thesen gedacht.
 
Ich habe darin Interessantes entdeckt. Der Schrumpfungsprozess in den ländlichen Regionen, der demographische Wandel, die Nachwuchssorgen, die Globalisierung, die schwierige Lage der öffentlichen Finanzen, das Diskussionspapier benennt klipp und klar die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft.
 
Es zeigt aber zugleich Lösungsmöglichkeiten:
 
·        Aufbau eines Netzwerks der Kreisheimatpfleger
·        Errichtung einer Ständigen Konferenz Heimatpflege Thüringen als Netzwerk und Ideenbörse
·        Nutzung des Nachhaltigkeits-Ansatzes nach dem Leitbild der Agenda 21
·        Engere Verbindung zwischen Heimatpflege, Bildung und Kulturwirtschaft.
 
Dies sind sicherlich zukunftsweisende neue Ansätze, die für Diskussion sorgen werden. Heimatpflege muss heute Ressort übergreifend, integrierend und vernetzend, zukunftsorientiert und nachhaltig, regional verortet und zugleich international ausgerichtet sein.
 
Ausgeprägtes Traditionsbewusstsein und aufgeklärte Weltoffenheit – das sind keine Gegensätze. „Der Mensch muss eine Heimat haben“. Dieser schlichte Satz stammt von einem der Wegbereiter der europäischen Einigung: von Robert Schuman.
 
Heimatpflege muss eine Stimme für die Öffentlichkeit haben. Sie braucht moderne Öffentlichkeitsarbeit – von der Heimatliteratur bis hin zum Internet.
 
Heimat gibt heute in der globalisierten und vernetzten Internetwelt Überschaubarkeit, Geborgenheit und Zufriedenheit. Heimat stiftet Identität, für den Menschen, für das Land. Damals wie heute ist Heimat Rückhalt für den Menschen und seine Familie.
Heimatpflege hat viel mit Sprache und Kultur zu tun. Nicht zuletzt mit den Menschen, mit denen man zusammenkommt.
 
Heimatpflege, diesen Begriff kennt nur die deutsche Sprache. Die romanischen Länder lehnen sich an den lateinischen „Patria“ (Vaterland)-Begriff an. Wir sprechen von „Vater“-Land, aber von „Mutter“-Sprache.
 
„Daheim ist man dort“ – so Christian Morgenstern – „wo man verstanden wird“. Also nicht unbedingt da, wo man geboren wurde oder wohnt. Wohl aber dort, wo Kommunikation glückt, wo man eine gemeinsame Sprache spricht. „Da, wo ich mich nicht erklären muss“ – wie es Johann Gottfried Herder einmal formuliert hat.
 
Also die vertraute Sprache oder Mundart, Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte, Gebäude, Straßen, Landschaften, der Klang der Kirchenglocken, Feste, Bräuche und Sitten – all das schwingt beim Begriff „Heimat“ mit. Heimat, allein schon das Wort hat einen guten, warmen Klang.
Doch die Besinnung auf die Heimat ist weit mehr als nur Romantik, weit mehr als nur Folklore. Es ist die Besinnung auf den inneren Kreis unserer Identität. Das Fundament, auf dem andere Elemente unserer Identität aufbauen.
 
Heimat ist der Ort der Begegnungen, der Nachbarschaften, des solidarischen Miteinanders, des realen, emotionalen und geistigen Zuhauseseins. Ein Ort der Geborgenheit.
 
Heimat prägt den Menschen, macht ihn unterscheidbar, unverwechselbar. Heimat ist ein unschätzbares Gut.
 
Heimat ist bei weitem nicht nur ein landschaftlicher oder landsmannschaftlicher Begriff. Um sich heimisch zu fühlen, bedarf es des Eingebundenseins in die eigene Tradition, in die Muttersprache, in die eigene Geschichte und in die heimische Literatur.
 
Das Thema „Heimat“ hat unzählige Literaten beflügelt. Da gibt es die „großen“ Heimatliteraten. Und das gibt es viele Chronisten, die – meist mit Eigenmitteln – in kleiner Auflage wertvolles Kulturgut der Nachwelt sichern.
 
Heimat, Heimatlosigkeit – das ist ein beliebtes Sujet der Literatur. Existenzialistische Philosophen sprechen von der „Geworfenheit des Menschen“ (so Heidegger), von der „Unbehaustheit“ (so Holthusen). Literarisch verarbeitet hat dies Albert Camus in einem seiner frühen Meisterwerke. In seiner 1942 entstandenen Erzählung „Der Fremde“ schildert er in kristallener Härte und Klarheit die Geschichte eines jungen Franzosen, der ohne Heimat, ohne Bindung Orientierung aufwächst, ohne Geborgenheit und Mitmenschlichkeit in den Tag hinein lebt und schließlich ohne Grund einen Menschen tötet.
 
Auch heute sind viele Menschen zu Heimatlosen in der Heimat geworden.
 
Für mich hat Heimat im Wesentlichen drei Bedeutungsebenen:
  • eine materielle, etwa die Landschaft, die Gebäude
  • eine kulturgeschichtliche, die Sitten, Traditionen und Bräuche
  • und eine soziale: die Geborgenheit, die Orientierung, die Kultur des Zusammenlebens. Heimat stiftet Gemeinschaft.
 
Unzählige Literaten sind beim Begriff „Heimat“ fündig geworden. Der russische Dichter Dostojewskij hat einmal gesagt, jeder brauche einen Ort, zu dem er gehen könne, eine Stelle für sein Herz. Der neuzeitliche Schriftsteller Peter Handke beschreibt, wie er eine Kirche betritt und auf einmal das Gefühl hat, sich auf irgend etwas, auf irgend einen beziehen zu können, irgendwo daheim zu sein, wenn auch in – so wörtlich – „langsamer Heimkehr“.
 
Der Psychologe Alexander Mitscherlich schrieb: “Heimat ist die glücklichere Stufe des Daseins. Zur Heimat wird ein allmählich dem Unheimlichen abgerungenes Stück Welt.“.
 
Hieraus spricht  ein Stück Lebenssinn, Lebensinhalt durch Heimat deutlich, ein Stück Boden unter den Füßen, ein Stück Himmel auf Erden. Für mich ist Heimat eine anthropologische Konstante, die in der Natur des Menschen liegt. Heimat, das ist ein mit der Seele gesuchtes Land.
 
In der Mundart zu schreiben, das bedeutet, einzutauchen in einen vorher nicht gekannten Reichtum der Sprache, bedeutet am Ursprung der Melodie der Muttersprache nachhören zu dürfen, zu Hause sein zu dürfen im Heimathaus der Sprache.
 
Ist und bleibt doch die Sprache – nach Heidegger – „das Haus des Seins“. Aus einem Land kann man auswandern, aus der Muttersprache nicht. „Was ist Heimat? Kindheit, Wiegenklang, Sprachgewöhnung und Erinnerungszwang“ – so dichtete Alfred Kerr im Exil zur Zeit des Dritten Reiches. Und Jahre später, 1959, definierte Ernst Bloch in seinem Buch „Prinzip Hoffnung“ Heimat als etwas, „das alle in die Kindheit scheint und worin noch niemand war.“
 
Ja, meine Damen und Herren, es gibt eine Zeit, da es Zeit nicht gibt: Kindheit. „In der Kindheit steht die Zeit still. Alles, was geschieht, geschieht jetzt. Und es gibt kein Ende, es gibt keine Endlichkeit. Deshalb spielt man in der Kindheit so selbstvergessen, so zeitvergessen, so weltvergessen“ – eine kluges Wort von Horst Bienek, dem zeitgenössischen Schriftsteller, der sich an das Land seiner Kindheit, an Schlesien erinnert.
 
Die Vertreibung aus der Heimat, sie war für ihn identisch mit der Vertreibung aus der Kindheit. Die verlorenen Paradiese sind aber nach Marcel Proust die wirklichen Paradiese.
 
Thomas Mann bekannte am 1. August in seiner großen Goethe-Ansprache im Nationaltheater Weimar 1949 nach Rückkehr aus seinem Exil: „Ich bin auch als amerikanischer Staatsbürger ein deutscher Schriftsteller geblieben, treu der deutschen Sprache, die ich als meine Heimat betrachte.“
 
Hier kommt einem Joseph Roth in den Sinn: die verlorenen Provinzen sind die eigentlich literarischen Provinzen. Vor allem die Exilliteratur fördert es zu Tage: Erinnerung und Sehnsucht machen Orte zur Heimat.
 
Heimatliteratur, sie hat ihren Ursprung im späten 19. Jahrhundert als Reaktion auf den Realismus und Naturalismus. Der Dekadenzdichtung, dem Symbolismus und Naturalismus der Großstadt sollten ideale Werte entgegengestellt werden. Heimatliteratur ist bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts stark ausgeprägt.
 
Und sie erfährt in der großen Weltliteratur der Gegenwart eine richtige Renaissance. Denken wir an Thomas Mann „Buddenbrocks“ (sein Lübeck vor Augen), an Günter Grass „Blechtrommel“ (mit Danzig im Blick), an Siegfried Lenz „Heimatmuseum“ oder dieser Tage an Uwe Telkamps „Der Turm“ (Dresden vor der Wende). Hier werden nicht nur Geschichten, hier wird zugleich Geschichte geschrieben. Und hat nicht schon Walter Jens beredt nachgewiesen, dass die Erneuerung der Literatur von der Provinz ausgeht, von Pavese bis Böll, von Faulkner bis Johnson?
 
Meine Damen und Herren!
Sie haben sich für diesen Kreisheimattag einer anspruchsvollen Herausforderung gestellt: Heimatgeschichte und Heimatliteratur stehen im Mittelpunkt.
Heimatliteratur und Heimatgeschichte sind zwei Begriffe, die nicht von einander zu trennen sind. Das gemeinsame und bestimmende Element ist „Heimat“.
 
Dieser Begriff hat es in Vergangenheit und Gegenwart nie ganz leicht gehabt. Anfänglich stand er für Natur und Landschaft, für ein Idealbild, das es so in der Realität nie gegeben hat. Gleichzeitig assoziierte man meist positive Stimmungen und Emotionen wie Vertrautheit, Überschaubarkeit, Ruhe.
 
Mit dem Begriff „Heimat“ schmückten sich dann auch die, die Heimat mit einem völkischen Vorzeichen versahen und sie für ihre Ideologie missbrauchten. Sich dann nach 1945 von dieser Ideologie und diesem Missbrauch abzugrenzen, war notwendig, aber ebenso schwierig. Dieser Begriff galt als unmodern, reaktionär, konservativ und wurde somit abgelehnt.
 
Zeiten ändern sich, Menschen und Gesellschaften sind im Wandel begriffen. Wir erleben einen gewaltigen Globalisierungsprozess und plötzlich wird der Begriff „Heimat“ wieder entdeckt und wichtig. Er vereint nun das Individuelle, Besondere eines Ortes oder einer Region und prägt entscheidend die Verbundenheit und das regionale Bewusstsein seiner Bewohner. Das gilt besonders für uns Thüringer, denen man bei aller Weltoffenheit eine gewisse Bodenständigkeit nachsagt.
 
Historische Ereignisse, die sich in einer Region vollziehen, die Literatur, die aus dieser Region erwächst, bezeichnet man gemeinhin als Heimatgeschichte und Heimatliteratur. Und auch diesen Bezeichnungen haftet vielmals das Kitschige, Triviale und Provinzielle an.
 
Richtig ist, dass Heimatliteratur in all ihren Facetten und Formen oftmals Themen aufgreift, die nur einen kleinen begrenzten Raum oder Ort umfassen. Sie erscheint in vielfältiger Form: als Ortschroniken, Beschreibungen von Baudenkmälern, Erzählungen mündlicher und schriftlicher Art. Bedient sie sich der Mundart, ist der Nutzerkreis nochmals eingeschränkt.
 
Trotzdem wollen und müssen wir uns von den negativen Klischees trennen. Betrachten wir die Heimatgeschichte und ihre Widerspiegelung in Heimatliteratur als den notwendigen Schritt, persönliche Erfahrungen konkret in einem Ort, in einer ganz bestimmten Zeit festzuhalten. Gleichzeitig hilft Geschichte sich selbst zu verstehen und auch die anderen. Aus diesem Anspruch heraus sollen und müssen wir der Heimatgeschichte und -literatur einen entsprechenden Platz in unserem Leben einräumen.
 
Verschiedene Thüringer Verlage (es gibt ca. 90) nahmen und nehmen sich Themen der Heimatgeschichte im engeren und weiteren Sinne an und bereichern die Literaturlandschaft mit kleinen, aber oft feinen Publikationen. Diese oft in geringen Auflagen erscheinenden Hefte und Broschüren, manchmal auch erlesene gebundene Ausgaben, finden recht schnell ein lese- und wissbegieriges Publikum aus Nah und Fern. Nicht selten kann es dann auch heißen: vergriffen, ausverkauft. So etwa der Thüringer Heimatliteratur-Kalender 2010. Er verzeichnet über 400 Neuerscheinungen.
Dieser Erfolg gibt den Verlegern recht, ermutigt und ermuntert gleichermaßen.
 
Auch das Bild der Autoren, die hinter all diesen Werken stehen, bedarf einer Korrektur. Es sind keine Kleingeister, die Trivialliteratur am Fließband produzieren und die Verklärung der Vergangenheit oder einer Region mit viel Herz und Schmerz betreiben und beschreiben. Im Gegenteil: Wir erleben vielmals hoch qualifizierte Autoren, die über ein profundes kultur- historisches Wissen verfügen und Spezialisten auf ihrem Gebiet sind. Dieser Kreis ist aufgeschlossen und bereit, sein Wissen in zeitgemäßer Form weiter zu geben. Dabei einer neuen und jüngeren Generation ein Forum zu bieten, wird die künftige Herausforderung sein.
 
Es ist äußerst begrüßenswert, dass zum heutigen Heimattag Verleger und Autoren mit ihren Fachreferaten zum Gelingen der Veranstaltung beitragen werden.
 
Erfreulich ist es, dass der Thüringer Heimatbund eine eigene Schriftenreihe hat und auch das Internet nutzt. Viele Idealisten publizieren uneigennützig im Eigenverlag Heimatliteratur: etwa die soeben erschienene Ranke-Biographie von Dr. Markus Vette aus Rastenberg in Verbindung mit dem Ranke-Verein Wiehe. Mit Interesse habe ich auch in dem Buch von Wolfram Voigt über die ältesten Bäume des Saale-Holzland-Kreises und Jenas geblättert.
 
Heimatliteratur hat in einer globalisierten Welt ihre Daseinsberechtigung, da sie den Menschen hilft, das Besondere und Spezifische einer Region zu bewahren und gleichzeitig das Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit mit dieser Region, also Heimatgefühl, vermittelt.
 
Heimat ist Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist aber auch Zukunft. Und sie hat Zukunft, auch in der Epoche der globalen Welt.
 
„Ich behaupte“, so schrieb Jacob Grimm  in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, „dass weder ein Volk wirklich gedeihen kann, das seine Muttersprache vernachlässigt, noch eine Sprache verfeinert werden kann von einem Volk, das seine Freiheit verloren hat.“
Meine Damen und Herren, ist dies nicht gerade im Jahre 20 der deutschen Einheit ein literarisches Vermächtnis, ein Loblied auf die Muttersprache und die Freiheit in unserem Land?