der Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen
Christine Lieberknecht
(gesendet am 1. Januar 2010 im MDR Fernsehen)
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
seit wenigen Stunden schreiben wir das Jahr 2010.
Die einen sind mit Freude, mit viel Hoffnung, mit großen Erwartungen in das neue Jahr eingetreten.
Bei anderen überwiegt die Sorge
- um den Arbeitsplatz
- um die Gesundheit
- um die Familie, um alle, die uns nahe sind.
In Thüringen standen die vergangenen zwölf Monate im Zeichen des Jahres der Demokratie. Wir würdigten 90 Jahre Weimarer Verfassung, 60 Jahre Grundgesetz und feierten 20 Jahre friedliche Revolution.
Im neuen Jahr werden 20 Jahre Deutsche Einheit und 20 Jahre Wiedergründung des Freistaates Thüringen im Zentrum unserer Erinnerung stehen.
Wir können zugleich auf 20 Jahre Gründerzeit blicken: Denn 1990 haben mutige Unternehmerinnen und Unternehmer den Schritt in die Soziale Marktwirtschaft gewagt.
Es ist beeindruckend, was wir Thüringerinnen und Thüringer seit 1989 gemeinsam geschafft haben. Es ist das Ergebnis eines großartigen Einsatzes unserer Bürgerinnen und Bürger. Dafür danke ich Ihnen von Herzen!
Heute stehen wir inmitten einer Zeitenwende mit gewaltigen Herausforderungen: Klimawandel und weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise betreffen uns alle.
Die Krise hat nicht nur Vermögen und Arbeitsplätze zerstört, sondern – was noch schlimmer ist – auch Werte wie Verlässlichkeit und Vertrauen.
Sie hat uns vor Augen geführt: Auf Geldgier, auf Gewinnsucht, auf grenzenlose Beliebigkeit kann man keine gerechte Welt aufbauen.
Die Politik hat tatkräftig auf die Krise reagiert. Entschlossenheit brauchen wir aber nicht nur dort, wo das globale Finanzsystem dauerhaft Schaden zu nehmen droht.
Beides brauchen wir noch mehr, wenn es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt geht, um den Menschen, um jeden einzelnen!
Deshalb sind Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität wichtiger denn je. Sie sind der Kompass, an dem wir unser Handeln ausrichten.
Freiheit ist ein hohes moralisches und politisches Gut. Erst die Vernunft macht Freiheit möglich. Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit, Verantwortung für sich selbst und für den Nächsten. Zu dieser Freiheit zählen für mich auch Mut und Ehrlichkeit.
In meiner Regierungserklärung habe ich Ihnen, liebe Thüringerinnen und Thüringer, eines fest versprochen: Meine politische Arbeit gründe ich auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit.
Wir in Thüringen haben das Glück, trotz aller Probleme in das neue Jahr auf hohem Niveau starten zu können – ökonomisch, ökologisch, technologisch, vor allem aber auch geistig-kulturell.
Wir setzen auf Bildung, auf Ausbildung, auf Qualifizierung, auf Kultur und auf Innovation. Wir fördern Wissenschaft und Forschung.
Wir setzen alles daran, Arbeitsplätze zu erhalten und neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Wir wollen den Automobilstandort Eisenach sichern, auch im Interesse zahlreicher mittelständischer Unternehmen.
Wir bauen Thüringen zum grünen Motor Deutschlands aus, zum führenden Standort für innovative Umwelttechnik und erneuerbare Energien.
Wir werden Thüringen so attraktiv gestalten, dass auch die junge Generation in unserem Freistaat eine Perspektive hat.
Thüringen hat heute seinen Platz in der Mitte Europas. Thüringen ist ein weltoffenes Land.
Wir wollen bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver unseren guten Namen in die Welt tragen.
Wir laden Gäste aus nah und fern herzlich ein, unseren Freistaat zu besuchen, hier zu arbeiten, zu studieren, hier zu leben.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ein weises Wort von Mahatma Gandhi kann uns Richtschnur für das neue Jahr sein: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt!“
Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden ein gutes, ein erfolgreiches, ein erfülltes neues Jahr 2010. Ihnen allen wünsche ich Gesundheit, persönliches und berufliches Wohlergehen.