Landesarchiv Thüringen

Aktuelle Informationen

Neues Buch erschienen - im Dezember 2016  in Greiz feierlich vorgestellt:

Nerlich_Mumie_Cover

 

Das vorliegende Buch ist in mehrerlei Hinsicht eine Besonderheit. Zum einen ist es die Biographie eines hochadeligen Grafen aus einer historisch wechselvollen, teils dramatischen Zeit. Zum zweiten liegt die Besonderheit in der Art der Analyse dieser Person. Diese nutzt nicht nur – wie sonst so üblich – schriftliche Aufzeichnungen, sondern auch den Verstorbenen selbst. Dies geschah durch eine multidisziplinäre biomedizinische Untersuchung seines natürlich mumifizierten Leichnams. Mit Hilfe dieses „doppelten“ Ansatzes gelingt es, objektive Beobachtungen mit subjektiven Beschreibungen zu vergleichen und in Beziehung zu setzen. Dieses Buch beschreibt als Erstes eine historische Person so umfassend wie es derzeit nur möglich ist.

Heinrich LII. Reuß-Köstritz von der apanagierten Nebenlinie der Fürsten Reuß jüngerer Linie gehörte als Angehöriger des Hochadels des Alten Reiches zwar zu den vermögenderen und einflussreicheren Schichten der Bevölkerung. Auf Grund der ausgesprochenen Kleinheit des Territoriums, auf das sich sein Rang stützte, wäre ihm allerdings ein eher bescheidenes und politisch unbedeutendes Leben vorbestimmt gewesen.

So trat Heinrich LII. Reuß-Köstritz schon früh als Offizier in das kurpfalzbayerische Militär ein. Dabei erlebte er die Umbruchzeit vom „Ancien Regime“ über Napoleons Feldzüge zum aufgeklärten Königsstaat der Moderne als General und Adjutant des jungen bayerischen Königshauses, dem er als enger Vertrauter sehr zugetan war. Aus dieser Perspektive kommentiert er u.a. zentrale politische Ereignisse von erheblichem geschichtlichem Wert. Der General war zudem einer der wenigen Protestanten am bayerischen Hof und engagierte sich auch langjährig in kirchlichen Angelegenheiten.

Der Autor hat dem Leben des Heinrich LII. Reuß-Köstritz intensiv nachgespürt. Er verwendet umfangreiches Archivmaterial, darunter Privatbriefe und teils bisher unerschlossenes Material. Die interdisziplinäre Mumienuntersuchung wendet alle modernen Techniken von Röntgen, CT, Histologie, Molekularbiologie und Isotopenanalytik an, so dass es gelingt, eine lebendige und erstaunlich lückenlose Darstellung zu geben. Dieses Gemälde skizziert treffend das hochadlige Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bei einem Buch dieser Art werden viele Leser auf ihre Kosten kommen. Es wird darüber hinaus, anders als manch eine ideengeschichtliche Abhandlung, als solide tatsachengestützte und quellenfundierte Darstellung seinen Wert auch in fernerer Zukunft nicht verlieren.


Pfeil nach oben

Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven Bd.12 erschienen

Das Fürstentum Reuß älterer Linie spielte in der innerdeutschen politischen Auseinandersetzung des 19. Jahrhunderts eine einzigartige Rolle. Die Fürst-Regentin Caroline (1819-1872) und ihr Sohn Heinrich XXII. (1846-1902) vermochten auf der Grundlage eines traditionellen, konsequent legitimistischen Herrschaftsverständnisses weder im Nationalismus noch im Sozialismus staatstragende Ideen zu sehen. Folgerichtig hielten sie im Krieg von 1866 am Bund mit Habsburg fest. Nach der Reichsgründung 1871 blieb der Greizer Fürst auf Distanz zu den neuen politischen Realitäten, verteidigte den föderalen Grundgedanken der Reichsverfassung und erkannte die Schwächen und Fehlentwicklungen im Deutschen Reich mit besonderer Klarheit.

Obwohl der Fürst und sein kleiner Staat als skurril und politisch rückständig galten, wurde das Land seit der Mitte des 19. Jahrhunderts intensiv von der Industrialisierung erfasst. Mit Reuß älterer Linie belegte einer der kleinsten deutschen Bundesstaaten hinsichtlich der Bevölkerungsdichte und des Industrialisierungsgrades Spitzenplätze im Kaiserreich. In der Residenzstadt Greiz standen dem Fürsten, der sich am Gottesgnadentum des Alten Reiches orientierte, ein nationalliberal orientiertes Bürgertum und engagierte Sozialdemokraten gegenüber. Die Probleme und Widersprüche des Modernisierungsprozesses im 19. Jahrhundert haben sich im Fürstentum Reuß älterer Linie in exemplarischer Weise entfaltet. Außerordentlich konfliktreich waren aber auch die Stellung und der politische Spielraum von Heinrich XXII. innerhalb des Reiches.

In den zahlreichen Forschungsbeiträgen zur Geschichte des 19. Jahrhunderts taucht Reuß älterer Linie als Untersuchungsgegenstand kaum auf. Auch dezidiert landesgeschichtliche Publikationen über dieses Musterbeispiel eines "Duodezfürstentums"  sind keineswegs zahlreich. Der Band bilanziert den bisherigen Kenntnisstand, schreitet das "lange 19. Jahrhundert" ereignisgeschichtlich aus, hinterfragt die Wahrnehmung des Fürstentums und präsentiert zugleich problemorientierte Beiträge zu diversen Spezialbereichen, etwa zur Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte. Außerdem werden Perspektiven für künftige Forschungen zum Fürstentum Reuß älterer Linie aufgezeigt, die sich an den übergreifenden Fragestellungen und Diskursen der modernen Geschichtswissenschaft ausrichten.

Bericht in der OTZ

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein Logo ThueringenJahr Kampagne Wegweiser Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen