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Neuerscheinung Arbeitsheft Neue Folge 51

Die Kirchlichen Werstätten für Restaurierung in Erfurt 1952 - 2002

Ein Beitrag zur Geschichte der Restaurierung

 

Nf 51 Kirchliche Werkstaetten

Vorwort


Im Jahr 2022 jährt sich zum einhundertsten Mal die Gründung einer Denkmalfachbehörde im Land Thüringen. Nach dem 1920 vollzogenen Zusammenschluss der ehemaligen ernestinischen, reußischen und schwarzburgischen Herzog- und Fürstentümer zum Land Thüringen wurde eine dem Volksbildungsministerium unterstellte Landesberatungsstelle für Heimatschutz und Denkmalpflege eingerichtet. Diese sollte der seit dem Ende des
19. Jahrhunderts und insbesondere in der Reformbewegung vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Bewegung für den Schutz gewachsener Kulturlandschaften und Stadtbilder einen behördlichen Rahmen geben. Die Behörde, die bereits 1931 wieder aufgelöst wurde, war jedoch weder personell noch verwaltungsjuristisch stark genug, um einen effizienten Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen nehmen zu können.

Die Geschichte der Denkmalpflege in Thüringen bis zum Jahr 1962 wurde bis heute nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Das hat nicht zuletzt mit der heterogenen Struktur und Geschichte Thüringens selbst zu tun. Während das Amt für Denkmalpflege und Heimatschutz in Weimar nur für die bereits erwähnten, im Freistaat Thüringen aufgegangenen Gebiete zuständig war, gab es in dem zu Preußen gehörenden Regierungsbezirk Erfurt mit seinen Exklaven Amt Henneberg und Eichsfeld bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine für damalige Verhältnisse gut funktionierende staatliche Denkmalpflege, vertreten durch den preußischen Provinzialkonservator. Das trifft auch auf den seit 1868 zum preußischen Regierungsbezirk Kassel gehörenden Landkreis Herrschaft Schmalkalden zu. Beide wurden am 1. Juli 1944 dem damaligen Gau Thüringen zugeordnet, dessen neue Verwaltungshauptstadt
nicht mehr Weimar sondern Erfurt werden sollte. Bedingt durch die sich zuspitzenden Ereignisse gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ist dieser Zusammenschluss nur wenig in das öffentliche Bewusstsein getreten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahmen die Besatzungsmächte diese Verwaltungsstruktur, die heutigen Thüringer Landesgrenzen beruhen auf den damals getroffenen Entscheidungen.

Der Wille für eine kontinuierliche Fortsetzung der denkmalpflegerischen Betreuung war trotz der Auflösung der Landesberatungsstelle für Heimatschutz und Denkmalpflege 1931 auch danach vorhanden. Zwei Jahre später, im Jahr 1933, wurde ein direkt der Gauleitung und damit dem direkten Zugriff der NSDAP unterstelltes neues Landesamt für Denkmalpflege und Heimatschutz gegründet. Dieses wurde 1945 aufgelöst. Die Hintergründe für die Neugründung 1935 und die erneute Auflösung 1945 sind ebenfalls noch nicht ausreichend aufgearbeitet. Es ist jedoch anzunehmen, dass die unmittelbare Zuordnung zur Gauleitung ein Grund dafür gewesen sein könnte. Die denkmalpflegerische Betreuung oblag danach wieder dem Amt für Denkmalpflege in Halle, dem ehemaligen preußischen Provinzialkonservatorenamt, das bereits seit nahezu 100 Jahren für den thüringischen Teil der preußischen Provinz Sachsen, den Regierungsbezirk Erfurt, zuständig war. Selbstredend konnte die denkmalpflegerische Betreuung durch das Hallenser Amt, welches Thüringen quasi zusätzlich übernehmen musste, nicht so intensiv sein, wie es notwendig gewesen wäre. Das Amt in Halle hatte mit den Problemen der schweren Kriegszerstörungen im mitteldeutschen Industriegebiet kaum zu bewältigende Aufgaben zu lösen.

Auch auf dem Gebiet der kirchlichen Denkmalpflege hatte Thüringen im Bereich der Evangelisch- Lutherischen Landeskirche keine ausgeprägte Tradition. Seit 1926 bediente sich der Thüringer Landesbischof freiberuflicher Architekten für die kirchliche Denkmalpflege. Insbesondere der seit den 1920er Jahren von der Heimatschutzbewegung stark beeinflussteDresdner Architekt Emil Högg ist hier zu nennen. Högg galt als Spezialist für Denkmalpflege. Er war es, der u. a. den damals bekanntesten Statiker Georg Rüth zur Klärung besonderer statischer Probleme an einigen Kirchengroßbauten (z. B. Stiftskirche Zum Heiligen Kreuz in Nordhausen oder Oberkirche in Bad Frankenhausen) nach Thüringen holte. Högg selbst verstand sich eher als gestaltender Architekt, der mit seiner Reformarchitektur eine sanfte Modernisierung anstrebte, ohne gewachsene Ortsbilder zu beeinträchtigen.

Bezüglich der Kunstdenkmalpflege hatte das Preußische Provinzialkonservatorenamt jedoch einen entscheidenden Vorteil. Hier war 1925 die erste Restaurierungswerkstatt in einer staatlichen Denkmalbehörde unter Albert Leusch eingerichtet worden. Leusch bemühte sich sehr, die Konservierung und Restaurierung auf eine wissenschaftliche Ebene zu heben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die personell nicht üppig ausgestattete Restaurierungswerkstatt in Halle jedoch keinesfalls in der Lage, die zahlreichen Rückführungen kriegsbedingt ausgelagerter Kunstwerke allein zu betreuen, zumal nach Wiederaufstellung und Wiedereinbau ein nicht zuletzt durch oftmals ungünstige Auslagerungsbedingungen entstandener Konservierungs- und Restaurierungsbedarf offensichtlich wurde. Häufig bezog man hierfür auch die Werkstätten der wichtigen Museen ein, die jedoch nicht immer
über das erforderliche, fachlich qualifizierte Personal verfügten. Eine wichtige Institution diesbezüglich war das Thüringer Museum in Eisenach, das immer wieder herangezogen wurde, so u. a. für die Wiedererrichtung der großen Altarretabel in der Stadtkirche Weimar oder der Kaufmannskirche in Erfurt bzw. des Cranachaltars in Neustadt/Orla. Die restauratorische Bearbeitung beschränkte sich dabei jedoch zumeist auf die Wiedererrichtung, eine
Holzschutzbehandlung, die holztechnische Reparatur und zumeist auch eine ästhetische Vereinheitlichung. Bei letzterer wurde durch dunkle Lasuren der ästhetische Unterschied zwischen restaurierten und nicht restaurierten bzw. konservierten Bereichen überdeckt. Im Bewusstsein, dass diese Herangehensweise nicht den modernen Anforderungen an die Bewahrung des Kunst- und Kulturgutes entsprach, entschied sich das Konsistorium der
Kirchenprovinz Sachsen Mitte der 1950er Jahre, in Erfurt eigene Restaurierungswerkstätten für kirchliches Kunst- und Kulturgut aufzubauen. Von Anfang an gab es dabei eine enge Zusammenarbeit mit dem mittlerweile in Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Halle, umbenannten dortigen Denkmalamt, insbesondere mit der von Albert Leusch begründeten Restaurierungsabteilung. Diese Zusammenarbeit setzte sich auch nach der – endlich – 1963 erfolgten Gründung einer eigenständigen Arbeitsstelle des Instituts für Denkmalpflege für die drei damaligen Thüringer Bezirke Erfurt, Gera und Suhl fort.

Die folgende Arbeit entstand als Dissertation an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Gabriele Schwartz hat sich intensiv mit der Geschichte der Kirchlichen Werkstätten in Erfurt und ihrer Wirkung nicht nur für die kirchliche Denkmalpflege, sondern auch ihrer Zusammenarbeit mit der staatlichen Denkmalpflege beschäftigt. Die vorliegende Publikation versteht sich als Beitrag und Mosaikstein für die dringend anstehende Aufarbeitung der Geschichte der staatlichen Denkmalpflege in Thüringen. Sie kann freilich nicht die ganzheitliche Betrachtung ersetzen. Der Herausgeber erhofft sich jedoch von dieser Publikation einen Impuls, sich näher mit der komplizierten und heterogenen Geschichte der Denkmalpflege in Thüringen wissenschaftlich auseinanderzusetzen.

Holger Reinhardt
Landeskonservator

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