04.05.2012 11:58 Uhr

Malopolska (Kleinpolen)

Quelle: www.pl-info.net
Quelle: www.pl-info.net

Geschichtliche Entwicklung der Partnerschaft

Am 4. Dezember 1997 unterzeichneten der damalige Thüringer Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel und der Wojewode von Krakau, Herr Jacek Majchrowski, eine Partnerschaftserklärung, die die Entwicklung der Kontakte und Beziehungen zwischen den Menschen und Institutionen in beiden Regionen zum Ziel hatte und begründete.
Zahlreiche Projekte wurden angeschoben, ein erster politischer Dialog auf Regionalebene gepflegt, als zum 1.1.1999 in Polen eine Gebiets- und Strukturreform umgesetzt wurde. Die Wojewodschaft Krakau ging in der neu entstandenen Wojewodschaft Malopolska (Kleinpolen) auf. Zudem ging Polen einen wichtigen Schritt in Richtung EU-Beitritt und vollzog die Einführung der regionalen Selbstverwaltung. Neben den von der zentralen Regierung eingesetzten Wojewoden gibt es seitdem als höchsten Vertreter der regionalen Ebene den Marschall.
Die neue Führung der Wojewodschaft Malopolska musste aus einer Vielzahl „geerbter“ Partnerschaften auswählen und neue Prioritäten setzen. Thüringen war die erste Region, mit der die neue Wojewodschaft Malopolska die Partnerschaft erneuerte. Dies geschah im Juli 1999 in Erfurt. Erster Marschall von Kleinpolen war damals Marek Nawara.

Die Entwicklung der Partnerschaft zwischen beiden Regionen kann als eine deutsch-polnische Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Heute kann man sagen, dass der größte Erfolg dieser Partnerschaft die Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander ist. War es 1997 etwas Besonderes, eher Unübliches und von vielen Seiten auch belächeltes Vorhaben, die Kontakte nach Polen zu entwickeln, hat Malopolska heute seinen festen Platz in den Außenbeziehungen von Thüringen. Beschleunigt wurde dieser Prozess zweifelsohne auch durch den Beitritt von Polen zur EU am 1.5.2004. Hierdurch erlangten die Beziehungen eine neue Qualität, die die Gemeinsamkeiten noch stärker unterstrich.

Geografische Lage

Malopolska liegt im Süden Polens. Die Hauptstadt und größte Stadt ist Krakau gefolgt von Tarnow und Nowy Sacz. Es hat eine Fläche von 15.190 qkm. Die 3. 260.000 Einwohner leben in 19 Landkreisen und 3 kreisfreien Städten. Malopolska besitzt 8 Unesco-Stätten darunter die Altstadt von Krakau und das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Außerdem befinden sich im Gebiet der Region 6 Nationalparks.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit
 
politischer Dialog
 
Ein wesentliches Element war und ist der Dialog der politischen Vertreter beider Regionen. Es ist zu einer guten Tradition geworden, dass sich Politiker aus Thüringen und Malopolska treffen.
 
Schulpartnerschaften / Bildungsprojekte
 
Die Schulpartnerschaften sind eine wichtige Säule jeder regionalen Partnerschaft: Schulen gibt es überall und die Neugier der Schüler ist grundsätzlich grenzen- und bedingungslos. Polen ist dabei das Land neben Frankreich, zu dem die meisten Schulpartnerschaften bestehen, davon 10 zu Malopolska.
53 Thüringer und polnische Schulen sind partnerschaftlich verbunden. 30 weitere Thüringer Schulen haben den Wunsch nach einer Partnerschaft mit einer polnischen Bildungseinrichtung.
Im Mai 2003 unterzeichnete das Thüringer Lehrerfortbildungsinstitut (ThILLM) einen Partnerschaftsvertrag mit dem kleinpolnischen Lehrerfort- und Weiterbildungszentrum (MCDN) in Krakau. Diese Partnerschaft wird aktiv gepflegt (gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen etc.).
Seit 2004 findet jährlich ein Schülerwettbewerb zwischen den Regionen Thüringen, Krakau und 2 slowakischen Regionen statt.
Seit 2005 nehmen jährlich auch Schüler aus Malopolska an der Goethe-Jugendsommerschule in Weimar teil.
Zu erwähnen sind auch die zahlreichen Veranstaltungen der Thüringer Landeszentrale der politischen Bildung in der TSK, die unterschiedliche Personenkreise mit ihren Veranstaltungen erreicht und damit ein weiterer Multiplikator für die Kontakte zwischen Thüringen und Kleinpolen ist. Insbesondere Veranstaltungen wie das Thüringisch-Kleinpolnolnische Jugendparlament oder auch thematische Bildungsreisen nach Malopolska sind zu einer festen Größe in diesem Bereich geworden.
 
Hochschulkontakte
 
Die seit den 60er Jahren bestehende Partnerschaft zwischen der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der traditionsreichen Jagiellonen-Universität in Krakau wurde von Anfang als fester Bestandteil in die Partnerschaftsaktivitäten zwischen Thüringen und Malopolska integriert.
Mittlerweile gibt es zu Polen im Hochschulbereich 54 Kooperationsverträge bzw. SOKRATES/ERASMUS –Vereinbarungen. Allein mit Einrichtungen in Krakau bestehen 7 derartige Kontakte.
Die Thüringer außeruniversitären Forschungseinrichtungen unterhalten 12 Kooperationen mit Polen. Im WS 2006/2007 waren 109 polnische Studenten an Thüringer Hochschulen immatrikuliert. Das sind 3,47 Prozent aller ausländischen Studierenden.
Studenten aus Malopolska konnten im Rahmen eines Stipendienprogrammes in Thüringen einige Semester studieren.
Das Leonardo-Büro Thüringen an der TU Ilmenau hat Hochschuleinrichtungen aus Kleinpolen in das Praktikantenvermittlungsnetzwerk aufgenommen. Wie auf anderen Gebieten auch zeigt sich ein zunehmendes Interesse der deutschen/thüringischen Studenten an einem Studien- oder Praktikumsaufenthalt in Polen.
 
Kommunale Kontakte
 
Kontakte zwischen Kommunen sind ein Kernstück jeder Regionalpartnerschaft. Beispielhaft genannt werden sollen die Landkreispartnerschaft des Kyffhäuser Landkreise mit Olkusz sowie die Kontakte der Gemeinde Bad Berka nach Zabno.
In den Anfangsjahren der Partnerschaft war das Interesse kommunalen Fortbildungen sehr groß. Mehrfach fanden, organisiert vom Gemeinde- und Städtebund Thüringen, Seminare für Bürgermeister aus Malopolska statt. Gleichzeitig gestaltete der Thüringer Landkreistag Informationsveranstaltungen für Landräte aus der Partnerregion. Diese Maßnahmen wurde vor allem vor dem Hintergrund des bevorstehenden EU-Beitritts durchgeführt.
 
Kultur
 
Die Entwicklung der kulturellen Kontakte spielte und spielt für die Gestaltung der Partnerschaft eine wesentliche Rolle. Künstlerworkshops, Lesungen und Ausstellungen eröffnen den Menschen einen Blick auf die Kultur der Partnerregion.

Höhepunkte:

  • Thüringer Kulturtage in Krakau 1998
  • Kulturtage von Malopolska in Thüringen 2000
  • Konzert im Französischen Dom in Berlin der Krakauer Philharmonie aus Anlass des Beitritts Polens zur EU am 30.04.2004 (Projekt der LV Berlin)
  • Eröffnung des Deutsch-polnischen Jahres 2005/2006 in Thüringen mit Konzert und Chor der Krakauer Philharmonie
  • Projekt „Wir machen Radio“ im Rahmen des deutsch-polnischen Jahres (LZT, als Leuchtturmprojekt durch das Auswärtige Amt gefördert)
  • Ausstellung Krakauer Krippen im Museum in Bad Frankenhausen Dezember 2006
  • Ausstellung der Otwarta Pracownia in der Erfurter Kunsthalle September – November 2007
Hervorzuheben sind auch die gemeinsamen Projekte der Thüringer Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater, die mit ihren Schultheaterprojekten junge Menschen aus beiden Regionen über sprachliche Grenzen hinweg zusammengeführt hat.
 
Wirtschaftskontakte / Kooperation im Rahmen von EU-Projekten
 
Insgesamt ist Polen für Thüringen einer der wichtigsten ausländischen Wirtschaftspartner (Platz 9 Ausfuhr, Platz 3 Einfuhr). Dennoch spielen in den Wirtschaftskontakten Bilanzen eine untergeordnete Rolle. Spätestens seit dem Beitritt Polens zur EU ist es für deutsche, und damit auch thüringische, Unternehmen noch einmal attraktiver, aber auch einfacher geworden, auf dem polnischen Markt Fuß zu fassen oder mit polnischen Partnern zu kooperieren.
Die LEG Thüringen hat im Frühjahr 2003 mit der Entwicklungsgesellschaft von Kleinpolen (MARR) einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, auf dessen Grundlage die Einbindung von Malopolska in EU-Projekte erfolgte. Mit der neuen Förderperiode 2007 – 2013 kann Polen erstmals von Beginn an den Strukturfonds und anderen Förderinstrumenten partizipieren. Damit ergeben sich auch neue Möglichkeiten für die projektorientierte Wirtschaftskooperation.
Im Rahmen des Transnationalen Entwicklungskonzeptes nimmt Malopolska einen prioritären Platz bei der Projektpartnersuche ein.
 
Im Jahr 2006 unterzeichnete die IHK Erfurt einen Kooperationsvertrag mit der IHK Krakau.
 
In folgenden EU-Projekten arbeiteten Thüringer und Kleinpolen zusammen:
INCORD, InnoRegio, HERMES, InterGetup, INTERREG-III B – Projekt „Kulturlandschaften“
 
Kooperation im Bereich Polizei
 
Bislang waren die Ressortkontakte auf die Bereiche beschränkt, die im Kompetenzbereich des Marschallamtes lagen. Im Jahr 2007 gelang es, erstmals Arbeitskontakte zwischen dem Thüringer Innenministerium und der Polizei-Kommandantur Krakau herzustellen. Seit dem wird ein reger Fachaustausch gepfIegt. Beide Seiten haben auch Interesse an einer Zusammenarbeit im Rahmen des EU-Programms DAPHNE bekundet. Perspektivisch ist die Unterzeichnung einer „Gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit“ vorgesehen.
 
Kontakt:
 
Thüringer Staatskanzlei                                                     
Referat Internationale Angelegenheiten
Regierungsstraße 73                        
99084 Erfurt
 
Herr Jörg Schmid, Referatsleiter
Telefon: +49 -361- 3792 140
E-Mail: joerg.schmid{at}tsk.thueringen{punkt}de
   
Frau Claudia Saager-Wenzel
Telefon: +49-361-37 92 141
E-Mail: claudia.saager-wenzel{at}tsk.thueringen{punkt}de
 
Urząd Marszałkowski WojewództwaMałopolskiego                                                                    
Biuro Współpracy Międzynarodowej                                 
Kancelaria Zarz
ądu                                                  
ul. Basztowa 22
31-156 Kraków

 

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