07.01.2013 08:40 Uhr

Geschichte

Chronologie zur Geschichte des Hauses „Zum Güldenen Güldenen Stern (Haus Vaterland), Regierungsstraße 72

1572 Errichtung des massiven dreigeschossigen Rennaissance-Bürgerhauses durch den Waidhändler und Biereigen Daniel Lauenstein (Hauszeichentafel über dem Portal). Auf den drei Böden des hohen Spitzgiebeldaches durch, durch neun Gauben belichtet, wurde der Färberwaid zubereitet. Neben der Waidgerechtigkeit ruhte außerdem auf dem Haus das Brau- und Schankrecht. Im östlichen Seitenflüge des ersten Obergeschosses eine 1572 eingerichtete Bohlenstube mit Fladertapete in floraler Ornamentik im Stil der Renaissance.

1577 lässt Daniel Lauenstein das Rennaissancehaus und Biereigenhof „Zum Lauenstein" in der Markgrafengasse, Ecke Marstallstraße errichten.

1595 Die beiden. Häuser „Zum Güldenen Stern" und „Zum Lauenstein", die bis 1644 grundstücksmäßig zusammen gehörten, gehen in den Besitz der reichen Erfurtei Waidhändlerfamilie Brand über. Konrad Brand hatte bereits 1587 das benachbarte Bürgerhaus „Zum Stolzen Knecht" (östliches Eckgebäude der ehemaligen Kurmainzischen Statthalterei, jetzt Thüringer Staatskanzlei) erworben. Die Wappen von Konrad Brand und seiner Gemahlin Christine Gebhard zieren das Portal des rückwärtigen Komplexes in der Malzgasse.

1605 Im „Güldenen Stern" ist das herzoglich-weimarische Geleitsamt untergebracht.

1650 erwirbt der königlich-schwedische Feldkanzlei-Bedienstete Friedrich Ulrich Leo, der sich mit Martha Dorothea Brand vermählte, das Haus „Zum Güldenen Stern".

1685 Georg Friedrich Gudenus, Amtman in Treffurt, gelangt in den Besitz beider Bürgerhäuser.

1720-1734 Das Herzoghaus Sachsen-Weimar erwirbt die Hauser „Zum Güldenen Stern" und „Zum Lauenstein" und richtet sie für die Zwecke des Geleitsamtes ein.

1734 Gebäudeteile des Hauses „Zum Lauenstein" und dem alten Gasthof„Zum Güldenen Schilde" (Marstallstraße, Ecke Malzgasse) wurden zu einem Marstall umgebaut und in der Hof- und Gartenanlage eine Reitbahn angelegt.

1779 Johann Wolfgang Goethe wird zum Direktor der Weimarer Wegekommission berufen und damit Obergeleitsmann in Erfurt. Bereits seit 1775 hielt sich Goethe auf Einladung des kurmainzischen Statthalters Carl Theodor Anton Maria Frh. von Dalberg in Erfurt auf, wo er an den berühmten  Assembleen des Statthalters teilnahm.

1823 beantragt der Brauereibesitzer Matthias Büchner auf dem weiträumigen Gebäudekomplex eine Brauerei einzurichten, spätestens 1833 erwirbt er den umfangreichen Gebäudekomplex.

1833 Mit Bildung des Thüringischen Zoll- und Handelsvereins ist das Großherzoglich-weimarische Zoll- und Geleitsregal abgelöst und das Geleitsamt in Erfurt aufgelöst.

1870-1880 Einrichtung einer Schankwirtschaft im „Güldenen Stern" und eines Biergarten im Hinterhof. Gebäude und Schankwirtschaft werden „Haus Vaterland" genannt.

1900 Großeinkaufsgenossenschaft der Erfurter Kolonialwarenhändler wird neuer Eigentümer und Nutzer des gesamten Gebäudekomplexes. Gaststätte „Haus Vaterland" wird großzügig erweitert und es werden zwei Vereinszimmer eingerichtet.

1923-24 letzte bauliche Veränderungen

1925 Malermeister Walter Fernkorn versieht die Fassade von „Haus Vaterland" mit einer leuchtend gelbroten Farbe und erregt damit viel Aufsehen.

1930 Die Decke der Humanistenstube wird von dem Malermeister Richard Hollbach und dem Kunstmaler Otto Knöpfer mit historischen Szenen über die Erfurter Küchendörfer versehen. Die Schankstube wird mit dekoraiven Malereien zum Geleitswesen und mit dem Erfurter Stadtwappen ausgestaltet.

Weiterführende Informationen

Foto: Prachtvolles Sandsteinrelief als Hauszeichentafel mit Wappen und Schrifttafel rechts oberhalb des Portals in der Markgrafengasse
Prachtvolles Sandsteinrelief als Hauszeichentafel mit Wappen und Schrifttafel rechts oberhalb des Portals in der Markgrafengasse
Foto: Fladertapete mit floraler Ornamentik im Stil der Renaissance (1572) in der Bohlenstube im ersten Obergeschoss im östlichen Seitenflügel des
Fladertapete mit floraler Ornamentik im Stil der Renaissance (1572) in der Bohlenstube im ersten Obergeschoss im östlichen Seitenflügel des "Güldenen Stern" an der Markgrafengasse
Foto: barocke Grisaille-Malerei auf Putz im Erdgeschoss des Hauses
barocke Grisaille-Malerei auf Putz im Erdgeschoss des Hauses