07.01.2013 08:59 Uhr

Thüringer Kick-off-Meeting der EU-INTERREG IV-B-Projekte „Champions“ und „BICY“

 

Begrüßungsansprache anlässlich des Thüringer Kick-off-Meeting der EU-INTERREG IV-B-Projekte „Champions“ und „BICY“ am Dienstag, 20. April 2010, 13.00 Uhr, im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei


Sehr geehrter Herr Kmit, Gouverneur der Region Lemberg/Ukraine,
sehr geehrter Herr Vizegouverneur Parfan, Region Ivano-Frankivsk/Ukraine,
sehr geehrter Herr Zakharchyshyn, Minister für Internationale Beziehungen der Region Lemberg,
sehr geehrter Herr Hubytskyy, Minister für Regionalentwicklung der Region Lemberg,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Klimsa, Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der TU Ilmenau,
sehr geehrter Herr Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt,
sehr geehrter Herr Reuter, Geschäftsführer Internationales, Umwelt und Innovation der IHK Erfurt,
sehr geehrte Frau Dr. Langer, Leiterin Europa Programm Center,
sehr geehrte Frau Hrytsyshyn, Internationales Projektmanagement des Europa Programm Center,
sehr geehrter Herr Dr. Görgmaier, Leiter Europäisches Informations-Zentrum in der Thüringer Staatskanzlei,

1.) Begrüßung
Herzlich willkommen hier im Barocksaal, der „Guten Stube“ der Thüringer Staatskanzlei! Ein historischer Ort nicht nur wegen der Begegnung zwischen Napoleon Bonaparte und Goethe, sondern auch deshalb, weil hier der Vertrag zur Technologiepartnerschaft zwischen dem Freistaat Thüringen und der Region Lemberg unterzeichnet wurde. Das eine vor 1808, das andere im Jahr 2005.
Unsere Partnerschaft mit Lemberg hat sich in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich mit Leben erfüllt und mündet nunmehr sogar in einer INTERREG-Kooperation der beiden Regionen samt der Lemberger Nachbarregionen Ivano-Frankivsk.
Beide ukrainischen Regionen sind in der Alten Wache gegenüber der Thüringer Staatskanzlei mit einer Repräsentanz vertreten – ein Zeichen, dass die Regionen in Europa im Globalisierungsprozess immer näher zusammenrücken.
Ich freue mich, sehr geehrter Herr Gouverneur Kmit und Herr Vizegouverneur Parfan, über Ihren Besuch mit Ihrer Delegation anlässlich des Kick-off-Meetings am heutigen Tag.
Wir werden heute Abend noch zu einem Informations- und Meinungsaustausch zusammenkommen. Ich bin dankbar, dass die Region Lemberg auch mit unserer Partnerregion Malopolska eng zusammenarbeitet.
Ich denke hierbei z. B. an das 12. Zukunftsseminar Ende 2009 in Gera, wo ich Sie, sehr geehrter Herr Minister Zakharchyshyn anlässlich der dortigen Diskussion über die Zukunftschancen unserer Jugend zusammen mit den Vertretern der Region Malopolska bereits kennenlernen durfte.
 
2.) Lemberg – alter Haupthandelsknoten in der Europäischen Geschichte
Meine Damen und Herren,
ein Blick zurück in die europäische Geschichte des Handels der mittelalterlichen Städteverbindungen zeigt, wie globalisiert und vernetzt unser Kontinent bereits war:
Denken Sie an die Hanse, die von Antwerpen, Brügge, Amsterdam bis nach Reval und Nowgorod reichte.
Von Nowgorod führte die Handelsstraße nach Süden über Lemberg hinunter nach Venedig, der größten Handelsmetropole des hohen Mittelalters.
Am Venezianischen Palast am Lemberger Rathausplatz findet sich heute noch der Markuslöwe mit dem geöffneten Buch mit der Botschaft der Seerepublik Venedig: „Pax Tibi Marce!“ Der Friede sei mit dir Markus!
 
Dieses Motto der Seerepublik sicherte eine lange Friedensepoche der Städteverbindungen in Europa, bevor in der Renaissance und später im Barockzeitalter die Territorialherren Europa mit Erbfolgekriegen und Streitigkeiten überzogen. Die venezianischen Kaufleute kontrollierten übrigens noch im 16. Jahrhundert fast ein Drittel der Stadt Lemberg.
3.) Heutige INTERREG-Projekte knüpfen an das Handelsnetzwerk der Vergangenheit an
Meine Damen und Herren,
Dank des EU-INTERREG-Programms IV-B knüpfen die traditionsreiche Region Lemberg – wie auch Thüringen an der großen West-Ost-Handelsmagistrale „via regia“ gelegen, an dieses Zeitalter der Städtenetzwerke zu Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit an:
 
 
Das Projekt „Champions“ ist in Zentral-, Mittel- und Osteuropa im Bereich der „Entwicklung einer multimodalen logistischen Kooperation“ angesiedelt, wobei die Erfahrungen der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz für die EM 2012 in Lemberg und Krakau zu Nutze gemacht werden sollen.
Dabei geht es nicht unmittelbar um das Fußballspiel – eine Sportart, die ich sehr liebe und früher auch selbst praktiziert habe. Aber indirekt dienen und unterstützen wir diesen schönen Sport, wenn wir die Wege zu ihm erleichtern. Und gern würde ich mit unseren ukrainischen und polnischen Freunden am Ende den Gesang anstimmen: „We are the Champions!“
Denn Ziel des Projektes ist der Transfer von Best-Practice in den Feldern Zugänglichkeit/Flugverkehr, Nachhaltigkeit und Tourismus. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung lokaler Flughäfen und Schaffung neuer Arbeitsplätze unter Berücksichtigung der Erfordernisse von Klima- und Umweltschutz.
Ein zweites EU-INTERREG IV-B-Projekt „BICY“ ist ebenfalls sportlich determiniert und stellt das Fahrrad in den Mittelpunkt der Bemühungen für eine nachhaltige und sichere Mobilität.
Ich habe am vergangenen Wochenende meine „Fahrräder für alle Fälle“ mit nach Erfurt gebracht – ein Rennrad, ein Mountainbike und ein Tourenrad. Fortbewegung per Rad in frischer Luft, in schöner Umgebung – man kann sich und der Umwelt nichts Besseres tun.
Durch die „BICY“ geplanten Ziele und Maßnahmen sollen die beteiligten Regionen befähigt werden, eine bessere Nachhaltigkeit ihrer Mobilitätssysteme zu erreichen.
In diesem Zusammenhang danke ich ganz herzlich Frau Liliana Hrytsyshyn als Projektmanagerin des Europa-Programm-Centers in der Alten Wache, die bei der Antragsstellung im Programm-Sekretariat in Wien und in den mitwirkenden Regionen unermüdlich unterwegs war, um schließlich den Kostenrahmen und die Antragsformulierung unter Dach und Fach zu bringen.
4.) Schlussgedanke
Meine Damen und Herren,
möge die Kooperation der im INTERREG IV-B-Programm mitwirkenden Regionen im europäischen Geiste der Mobilität von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital an den damaligen Handelsfreiheiten der Hanse und der Seerepublik Venedig anknüpfen, die auch die Grundlage für den Aufstieg der wunderschönen Stadt Lemberg waren.
Ich wünsche den beiden Projekten und den mitwirkenden Akteuren aus den genannten Regionen viel Erfolg und dem aufzubauenden Netzwerk Nachhaltigkeit über die drei INTERREG-Programmjahre hinaus.