24.05.2013 12:30 Uhr

Jugendstilträume – Die Sammlung Giorgio Silzer. Van de Veldes Schüler aus Jena

Eine weiße, reich verzierte Vase.
Anbietschale Porzellanmanufaktur Sèvres, 1902 (Foto: Daniela Schleich) Museum Bautzen

Das Stadtmuseum Jena zeigt im Van-de-Velde-Jahr 2013 vom 30.05. 2013 bis 01.09.2013 eine Doppelausstellung: Die Sammlung Giorgio Silzer und die Werke der Schülerinnen und Schüler Henry van de Veldes aus Jena.
 

Die Sammlung Giorgio Silzer

Das Stadtmuseum Jena präsentiert im ersten Teil eindrucksvolle Exponate aus einer der größten Privatsammlungen zum Jugendstil. Der aus Oberschlesien stammende, 1920 geborene Geigenvirtuose und langjährige Konzertmeister der Deutschen Oper Berlin, Giorgio Silzer, trug im Laufe seiner Sammeltätigkeit eine umfangreiche Kollektion von kunsthandwerklichen Exponaten, vor allem aus der Zeit des Jugendstils, zusammen. Vertreten sind Gebrauchsgeräte und Ziergefäße aus Keramik, Glas, Zinn und Silber aus den renommiertesten Werkstätten Europas.
Die Schöpfer der eindrucksvollen Sammlung von Silberbestecken sind namhafte Künstler und Gestalter: Peter Carl Fabergé, Heinrich Vogeler, Albin Müller, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich und Henry van de Velde repräsentieren das ganze Spektrum der Formensprache des Jugendstils – von floral über linear und figurativ bis zu abstrakt.

 

Ein mit einer Blume verziertes Tablett aus Zinn.
Tablett J.P. Kayser Sohn, Entwurf von Hugo Leven, Krefeld 1898-1900 (Foto: Daniela Schleich) Museum Bautzen

Daneben zeigt die Ausstellung im Bereich der Metallarbeiten eine repräsentative Auswahl an Zinnarbeiten der deutschen Firmen J. P. Kayser, Gerhardi & Cie., Orivit und hochwertige, teilweise überschwänglich dekorierte Haushaltswaren der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF). Die Zinnarbeiten der Sammlung zeigen exemplarisch, dass der Jugendstil auf Dekore aus der Tier- und Pflanzenwelt zurückgreift – sowohl in einer verspielten, teilweise sogar antiquierten, als auch in einer formalisierten, abstrakten Formensprache.

 

Schreibtischgarnitur „Liebespaar“ aus Porzellan.
Schreibtischgarnitur „Liebespaar“ Entwurf Émile Müller, 1900(Foto: Daniela Schleich) Museum Bautzen

Dem Höhepunkt europäischer Jugendstil-Keramikkunst begegnet der Besucher in den Arbeiten der französischen Kunsthandwerker. Neben organisch-naturalistischen Luxuskeramiken der Porzellanfabrik Sèvres zeigen individuelle und fantasievolle Arbeiten des Kunsttöpfers Théodore Deck und seiner Nachfolger Pierre Adrien Dalpayrat, Taxile Doat und Clément Massier die experimentelle Ausrichtung des Jugendstils anhand der Erprobung neuartiger Glasuren in lebhaften Farbtönen. Beispielhaft für die deutsche Keramik, die verhaltener und konservativer ausfällt, stehen die mit Schlickermalerei dekorierten Vasen des Badeners Max Laeuger.

 

Grün, verzierte Glasvase.
Vase Unsigniert, um 1900 (Foto: Daniela Schleich) Museum Bautzen

Dass der Jugendstil zu Recht als Gläserne Epoche bezeichnet wird, verdeutlichen bemerkenswerte Glasarbeiten. Ob floral, linear oder geometrisch geformt zeigen auch die Glaserzeugnisse die verschiedenen Spielarten des Jugendstils. Vertreten ist der französische Art Nouveau mit fantasievollen Arbeiten von Émile Gallé, dessen florale Kreationen von japanischer Kunst und Botanik geprägt sind, aber auch mit exklusiven Erzeugnissen und anspruchsvoller Massenware der Cristallerie der Gebrüder Daum in Nancy, der nach Gallés Tod künstlerisch tonangebenden Glasmanufaktur Frankreichs. Neben den französischen Exponaten des Art Nouveau präsentiert die Ausstellung herausragende Beispiele von namhaften deutschen, österreichischen und böhmischen Glashütten. Glasarbeiten in lebendigen, irisierenden Farben nach dem Vorbild der Natur von den führenden Unternehmen Böhmens, Johann Loetz Witwe und Wilhelm Kralik Sohn, sind ebenso vertreten wie irisierende Glasvasen mit dem typischen Netzdekor der böhmischen Manufaktur Pallme-König & Habel.

 
Die Ausstellung eröffnet dem Besucher die stilistische Vielfalt des Jugendstils und präsentiert eindrucksvoll die Experimentierfreude, Phantasie und ästhetische Gestaltungskraft der Protagonisten des Jugendstils.

 

Henry van de Veldes Schüler aus Jena


Der zweite Teil der Doppelausstellung beschäftigt sich mit den Jenaer Schülerinnen und Schülern Henry van de Veldes. Der Einfluss der Kunstgewerbeschule Weimar, die 1908 von dem bedeutenden Architekten und Gestalter Henry van de Velde eröffnet wurde, schlug sich nicht nur in der notwendigen Neugestaltung des hiesigen Kunsthandwerks nieder, sondern hinterließ auch in den künstlerischen Werken der bei van de Velde ausgebildeten Schüler weitreichende Spuren.
Die Grundidee der Kunstgewerbeschule bestand darin, eine neue Generation von Zeichnern und Modelleuren heranzubilden, die in technischen und künstlerischen Fachkursen den „Stil der neuen Zeit“ erlernen sollten. Hierbei ging es van de Velde vor allem um die Überwindung veralteter Gestaltungsprinzipien und die Einführung eines modernen Lehrbetriebes.

Buntes Gemälde, das liegende Kühe zeigt.
Ruhe auf der Weide; Aquarell von Helene Czapski-Holzmann, 1919 Kunstsammlung Jena (Foto: Kunstmuseum Jena)
Ölgemälde ein Dorfplatz mit regem Treiben.
Dorfplatz; Ölgemälde von Helene Czapski-Holzmann, 1920 Kunstsammlung Jena (Foto: Stadtmuseum Jena)

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Lebenswege dreier Schülerinnen und Schüler van de Veldes: Die Jenaer Malerin Helene Czapski-Holzman (1891–1968) besuchte zunächst die Kunstgewerbeschule van de Veldes und war anschließend Meisterschülerin von Erich Kuithan an der Zeichenschule in Jena. Obwohl sie ein von schweren Schicksalsschlägen geprägtes Leben zu meistern hatte, hinterließ sie ein beeindruckendes Oeuvre.  

 

Pfingsttreffen des Wandervogels auf dem Johannisberg bei Lobeda; Zeichnung.
Pfingsttreffen des Wandervogels auf dem Johannisberg bei Lobeda; Zeichnung von Georg Kötschau, um 1915 Stadtmuseum Jena (Foto: Stadtmuseum Jena)

Der Maler Georg Kötschau (1889–1976) schuf in Jena über Jahrzehnte ein facettenreiches Werk und entwickelte sich zu einem renommierten Portraitmaler.

 

Verzierte Silberbrosche.
Brosche; Entwurf Anna Romstedt, um 1915 Stadtmuseum Jena (Foto: Stadtmuseum Jena)

Die exzellente Schmuckgestalterin und Fotografin Anna Romstedt (1897–1993) war später in der Fotoabteilung der Zeiss-Werke angestellt. Viele der Exponate aus der Frühzeit der Künstler sind erstmalig in einer Jenaer Ausstellung zu sehen.

 

 

Weitere Informationen unter:
 

www.jena.de/sixcms/detail.php