Demografiegipfel in Berlin: Lieberknecht will Förderprogramm für Modellprojekte
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- Deutschlands Bevölkerung schrumpft und wird älter. Im Osten verschärfen Abwandung und niedrige Geburtenzahlen die Probleme. Bei neuen Gesetzen oder Programmen müsse dies mehr berücksichtigt werden, fordert Thüringens Regierungschefin Christine Lieberknecht. (Foto: dpa)
Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat heute beim zweiten Demografiegipfel ihre Forderung an die Bundesregierung erneuert und ein Förderprogramm verlangt, um die Herausforderungen einer schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung zu meistern. Es werde Geld gebraucht, um Pilotprojekte vor allem in ländlichen Regionen zu finanzieren, die immer dünner besiedelt seien, sagte Lieberknecht am Dienstag (14.05.2013) in Berlin. Als Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz hatte sie die Interessen der Länder beim Demografie-Gipfel der Bundesregierung vertreten. Als Beispiel für notwendige Veränderungen nannte sie Standards bei der Wasserver- und -entsorgung. Statt des Baus von Großanlagen müssten die Chancen für dezentrale Projekte verbessert werden.
Bereits im Vorfeld des Gipfels forderte Lieberknecht einen „Demografiecheck“ für neue Gesetze, Auflagen und Förderprogramme. Der Bevölkerungsrückgang und die alternde Gesellschaft hätten Auswirkungen auf Entscheidungen nicht nur für den Arbeitsmarkt, sondern für Sozialsysteme, Infrastruktur, Verkehr oder öffentliche Kassen. „Das erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit und klare Maßgaben“, sagte die Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz vor dem Demografiegipfel der Bundesregierung der Nachrichtenagentur dpa.
An diesem Dienstag veranstaltet die Bundesregierung nach dem Start im Oktober 2012 den zweiten Demografiegipfel in Berlin. Politiker, Wissenschaftler und andere Fachleute wollen dabei über die Folgen des demografischen Wandels diskutieren.
2060 werden nach Berechnungen des Statischen Bundesamtes im Osten ein Drittel weniger Menschen leben als heute. Im Westen wird mit einem Rückgang von 18 Prozent gerechnet. Jeder Dritte wird dann 65 Jahre oder älter sein. Nach Angaben der Bundesregierung gehen in Deutschland bereits jetzt jährlich eine halbe Million Menschen mehr in Rente als neu in den Arbeitsmarkt kommen.
Lieberknecht sagte, Ostdeutschland könne Testfeld für neue Strategien im Umgang mit dem demografischen Wandel werden. „Ostdeutschland ist ein Seismograph auch für Regionen im Westen, die einige Jahre später als wir mit der Bevölkerungsveränderung fertig werden müssen“, sagte sie.
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- Eine junge Pflegekraft hält am 29.11.2012 die Hände einer alten und demenzkranken Frau in einem Pflegeheim in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Die Bundesregierung will am 14.05.2013 bei ihrem zweiten Demografiegipfel über die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft beraten. (Foto: Patrick Pleul/dpa)