06.05.2013 09:53 Uhr

Ausstellung in Erfurt: "Henry van de Velde. Ein Universalmuseum für Erfurt"

Ministerin Angermuseum
Ministerin Walsmann während ihrer Eröffnugsrede im Angermuseum (Foto: TSK)

 

"Thüringen ist ein weltoffenes Land, in dem sich nicht nur die Künste ganz im Sinne von Henry van de Velde schöpferisch frei entfalten können. Das Erfurter Angermuseum ist heute wieder ein „Tempel der Moderne“. Und wir freuen uns als Erfurter und als Thüringer darauf, wenn in den nächsten Jahren in Weimar mit dem neuen Bauhaus-Museum ganz im Sinne von Henry van de Velde wieder eine „Zitadelle der Moderne“ entsteht. Ich wünsche dem Erfurter Angermuseum mit der Ausstellung „Henry van de Velde. Ein Universalmuseum für Erfurt“ viel Erfolg und zahlreiche Besucher. Möge sie an den Erfolgsreigen des van-de-Velde-Jahres anknüpfen", dies sagte Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Marion Walsmann, am Samstag, 4. Mai 2013, während der Eröffnung der Van-de-Velde Ausstellung im Erfurter Angermuseum. 

 

Ministerin Angermuseum1
. Das Erfurter Angermuseum ist heute wieder ein „Tempel der Moderne“, so Ministerin Walsmann in ihrer Rede zur Eröffnung der Van de Velde Ausstellung im Erfurter Angermuseum. (Foto: TSK)

 

Das Museum thematisiert eine Verlustgeschichte der besonderen Art: Nach den Plänen von Henry van de Velde (1863-1957) wollte die Stadt einst ein monumentales Universalmuseum bauen. Der Erste Weltkrieg und die Inflation vereitelten jedoch das ehrgeizige Projekt, wie der Direktor der Museen der Stadt Erfurt, Kai Uwe Schierz, mitteilte. Die geplante Bausumme von 860 000 Mark - umgerechnet etwa 14 Millionen Euro - sei zum größten Teil bereits durch Stadt und Spenden zusammengetragen worden. In dem 40 Meter breiten, 60 Meter langen und 20 Meter hohen Gebäude sollte die zeitgenössische Kunst dominieren. Das Angermuseum verlor in der NS-Aktion Entartete Kunst 1937 rund 1000 Kunstwerke der klassischen Moderne.
 
Zusammen mit dem damaligen Museumsdirektor Edwin Redslob erarbeitete van de Velde einen konsequent modernen Vorentwurf nebst Modell. Ein Nachbau des Originalmodells sowie ein zweites, größeres Modell verdeutlichen in der Ausstellung das ehrgeizige Vorhaben, das nicht nur Befürworter hatte. So wollte van de Velde Sichtbeton für konstruktiv schwierige Details einsetzen, was damals in Architektur und Bau noch nicht üblich war. Wiederentdeckte Lichtpausen sowie elf Vorentwurfszeichnungen erzählen von Veränderungen im Verlauf der Planung. Besucher können auch einen visuellen Rundgang durch das Haus machen.
Ergänzt wird die Ausstellung unter anderem von Porträts von Redslob und van de Velde, die Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) geschaffen hat. Ein Extra-Raum zeigt anhand der ehemaligen Bestandskarten die großen Verluste des Museums durch die Nazis. Nur wenige Objekte kamen nach 1945 zurück nach Erfurt oder konnten wieder angekauft werden. Darunter ist die Skulptur «Stehendes Mädchen» von Gerhard Marcks. Die Ausstellung läuft bis zum 8. September.

 

Universal Van-de-velde
Im Angermuseum läuft eine Besucherin in Erfurt durch die Ausstellung "Henry van de Velde. Ein Universalmuseum für Erfurt", im Vordergrund ein Modell des geplanten Museums. Die Sonderschau beschäftigt sich mit der Rekonstruktion der Planungsgeschichte des durch den Ersten Weltkrieg vereitelten Erfurter Museumsneubaues.