Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsidentin Lieberknecht fordern mehr Chancen für die Generation 50plus
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- Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel am 02.05.2013 in Jena das Modell eines Sternsensoren. Foto: DPA
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Unternehmen aufgerufen, für eine gut durchmischte Belegschaft zu sorgen und Älteren eine Chance zu geben. «Die Altersgruppen gehören zusammen, jedes Alter zählt», sagte Merkel am Donnerstag in Jena zum Abschluss ihrer Demografiereise. Derzeit gingen alljährlich eine halbe Million Menschen mehr in Rente als neu in den Arbeitsmarkt hinzukämen. Deswegen sei nicht nur der Wissenstransfer zwischen Älteren und Jüngeren wichtig, sondern auch, dass die Menschen möglichst lange ihrer Arbeit nachgehen können. Zur Krise in der Solarbranche, die Thüringen hart trifft, äußerte sich Merkel bei ihrer Stippvisite nicht.
Letzte Station ihrer Reise zum Thema Demografie war das Raumfahrtunternehmen Jena-Optronik. Von den 170 Mitarbeitern des Unternehmens sind 47 Prozent 50 Jahre und älter. Seit 2005 befasst es sich nach Angaben von Geschäftsführer Dietmar Ratzsch intensiv mit Fragen, wie junge Fachkräfte gewonnen, ältere Beschäftigte lange gehalten sowie Erfahrung und Wissen zwischen den Generationen ausgetauscht werden können. Dazu werden junge und ältere Mitarbeiter in Workshops gezielt zusammengebracht sowie Trainingsprogramme für Ältere im Umgang mit neuer Software und zum Ausbau von Englischkenntnissen angeboten. Zudem gebe es regelmäßig medizinische Tests und Seminare, die Arbeitsplätze seien ergonomisch gestaltet.
Merkel betonte, dass die Folgen des demografischen Wandels künftig wohl mittelständische Unternehmen schwerer treffen werden als große Konzerne. Umso wichtiger sei es für Firmen, früh zu reagieren. Sie räumte ein, dass in vergangenen Jahren oftmals zu einseitig auf eine Verjüngung gesetzt worden sei, weil dem Nachwuchs eine größere Schnelligkeit und Offenheit zugeschrieben wurde. «Man hat vor Schreck vergessen, dass die älteren Semester über Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen, die man unter keinen Umständen ersetzen kann durch mehr Schnelligkeit», sagte Merkel. «Man ist nicht dadurch modern, dass man besonders jung ist.» Aus ihrer Sicht sei vielmehr die Vielfalt ausschlaggebend - eine Mischung verschiedener Altersgruppen ebenso wie zwischen Männern und Frauen.
„Fachkräftemangel und Bevölkerungsschwund sind in Thüringen sehr konkrete und dringende Herausforderungen. Um die wirtschaftliche Entwicklung unseres Freistaates weiterhin zu sichern sind wir daher verstärkt auf den Beitrag der Generation 50plus angewiesen“, erklärte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht heute in Jena anlässlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Um dem Arbeitsmarkt neue Impulse zu geben, werde ich mich in Zukunft noch stärker für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer einsetzen", kündigte die Regierungschefin an. "In Thüringen müssen alle Generationen an einem Strang ziehen. Die Auswirkungen des tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandels und der demografischen Entwicklung sind in Thüringen deutlich zu spüren. Oftmals liegen die Ursachen für Arbeitslosigkeit im Alter nicht beim Betroffenen allein. Ich werde mich daher verstärkt dafür einsetzen, möglichst viele ältere Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Gemeinsam mit unseren Unternehmen, den Gewerkschaften, den Jobcentern und den Kammern können wir dieses Ziel erreichen. Wir brauchen eine neue Vertrauenskultur in den Firmen", so Lieberknecht.
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- Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt am 02.05.2013 in Jena nach ihrem Besuch der Jena Optronik GmbH ein Statement, links Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Geschäftsführer Dietmar Ratzsch. (Foto: DPA)
Die Ministerpräsidentin rief die Unternehmen dazu auf, älteren Arbeitslosen eine Chance zu geben und etwas Geduld bei deren Integration zu haben. Es gebe zahlreiche Arbeitsplätze, bei denen weniger die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern vielmehr Ausdauer, Erfahrung und Versiertheit gefragt seien. Viele ältere Arbeitnehmer hätten diese Eigenschaften und können daher zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Zudem würden Ältere nicht mehr so häufig den Betrieb wechseln, wodurch sie eine besondere Vielfalt in die Personalstruktur bringen. "Der Erfolg liegt aus meiner Sicht im richtigen Mix aus Jungen und Erfahrenen. Die jüngeren Mitarbeiter arbeiten sicher schneller, die älteren kennen dagegen die produktivsten Vorgehensweisen“, so die Ministerpräsidentin. Die Bedeutung des Themas werde nicht zuletzt durch die Dialogreise der Bundeskanzlerin deutlich. Unter dem Titel "Zusammenhalt im demografischen Wandel" besucht die Bundeskanzlerin im Vorfeld des Demografiegipfels am 14. Mai 2013 bundesweit Initiativen, Unternehmen und Einrichtungen, die auf die demografische Entwicklung reagieren und beispielgebend sind. Die Jena-Optronik GmbH, die zur EADS-Tochter Astrium gehört, hat eigenen Angaben zufolge 170 Mitarbeiter, davon ein Fünftel Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 44 Jahren.