18.04.2013 15:08 Uhr

Erfurter Studiotalk: „Wir brauchen Angry Birds aus Thüringen“

„Digitale Anwendungen auf mobilen Geräten sind aus unserem täglichen Medienkonsum nicht mehr wegzudenken. Ohne Apps würden Smartphones und, Tabletcomputer  einen großen Teil ihres Reizes und ihres Gebrauchwertes für den Nutzer verlieren.“ Darauf wies Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Marion Walsmann in ihrem Grußwort zur Eröffnung des dritten Erfurter Studiotalks hin. Die Veranstaltung, zu der Walsmann Experten aus Gesellschaft, Wirtschaft und Forschung eingeladen hatte, beschäftigte sich mit den speziell im Bereich der Industrie eingesetzten Apps, den „industrial Apps“.

„Zukünftig werden industrial Apps als Organisationswerkzeug, zur Prozesssteuerung oder auch in der Logistik  im betrieblichen Umfeld immer wichtiger“, betonte die Ministerin. Als Ziel des Studiotalks formulierte sie: „Wir müssen klären, welche Möglichkeiten sich für Medienanbieter und -gestalter, Entwickler aber auch insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen aus Thüringen durch diesen Trend ergeben und was die Politik tun kann, um diese Entwicklung zu fördern“.

Ministerin Marion Walsmann sieht Potential für den Standort Thüringen auf dem Geebiet der industrial Apps. „Unsere Universitäten und Fachhochschulen bieten entsprechende Studiengänge in einer großen Vielzahl an. Im Freistaat haben wir zudem Bedarf für Apps in der Wirtschaft. Im Segment der kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es durchaus noch Raum für Innovationen.
Ministerin Marion Walsmann sieht Potential für den Standort Thüringen auf dem Geebiet der industrial Apps. „Unsere Universitäten und Fachhochschulen bieten entsprechende Studiengänge in einer großen Vielzahl an. Im Freistaat haben wir zudem Bedarf für Apps in der Wirtschaft. Im Segment der kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es durchaus noch Raum für Innovationen.

 

Die Ministerin verwies darauf, dass sich mit Blick auf die digitalen Anwendungen speziell für den Medienstandort Thüringen ein hohes Potenzial ergeben könnte, insbesondere im Bereich der App-Entwicklung und ihres Einsatzes in kleinen und mittleren Unternehmen als Business-to-Business-Anwendung seien noch erhebliche Potenziale in den Thüringer Unternehmen zu entwickeln.

„Industrial Apps können einen betriebswirtschaftlich sinnvollen Service bieten und das in jedem Bereich eines Unternehmens, stellte die Ministerin fest. Wenn es zum Beispiel darum gehe, Daten einer Abteilung orts- und zeitunabhängig zur Verfügung zu stellen. Wenn es darum gehe, zügig Informationen zu übermitteln oder Nachrichten, Termine und Aufgabenplanung in einer Anwendung zu strukturieren, dann können industrielle Anwendungen dafür sorgen, dass ein Unternehmen schneller, flexibler und effektiver arbeiten kann.
Dass die Ministerin ein zukunftsweisendes Thema für den Studiotalk ausgewählt hat, zeigte sich dann auch in den Beiträgen der Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Andreas Steinle, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Kelkheim GmbH. Er beschrieb die aktuelle Entwicklung mit den Worten: „Derzeit wird die Welt verappt.“ Tatsächlich wurden im letzten Jahr etwa 40 Milliarden Apps auf mobile Endgeräte heruntergeladen. Bis 2016 soll diese Zahl auf 288 Milliarden Downloads ansteigen. Steinle merkte an, dass die Gesellschaft aber erst noch lernen müsse, mit dieser Freiheit umzugehen. „Wer dank der Vernetzung problemlos am Wochenende arbeiten kann, muss auch in der Lage sein, werktags an einem Vormittag ins Kino zu gehen.“

 

Von der „Post PC-Ära“ sprach bereits Jürgen Mayer(links), CEO der in Erfurt ansässigen plazz enertainment GmbH. Der Journalist Christian Jakubetz (Bildmitte) zeichnete ein griffiges Bild von der zukünftigen Bedeutung mobiler Endgeräte, die er als „Fernbedienung des Lebens“ bezeichnete. Andreas Steinle (rechts im Bild), Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Kelkheim GmbH. Er beschrieb die aktuelle Entwicklung mit den Worten: „Derzeit wird die Welt verappt.“
Von der „Post PC-Ära“ sprach bereits Jürgen Mayer (links), CEO der in Erfurt ansässigen plazz enertainment GmbH. Der Journalist Christian Jakubetz (Bildmitte) zeichnete ein griffiges Bild von der zukünftigen Bedeutung mobiler Endgeräte, die er als „Fernbedienung des Lebens“ bezeichnete. Andreas Steinle (rechts im Bild), Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Kelkheim GmbH, beschrieb die aktuelle Entwicklung mit den Worten: „Derzeit wird die Welt verappt.“

 

Tim Bamsemer, Gründer von Caterva Nexus in Erfurt, schilderte die aktuelle Entwicklung als „Clowdisierung“, woraus sich besondere Herausforderungen für das Management der privaten und geschäftlichen mobilen Endgeräte ergeben, mit denen betriebliche Daten abgerufen werden können. Als wesentlichen Vorteil der Apps bezeichnete Bansemer die Möglichkeit, Inhalte in Zukunft noch selektiver und individueller anbieten zu können. 

Sebastian Dittmann, Geschäftsführer der Audanika GmbH in Jena, beschrieb den Mehrwert der Apps mit dem Hinweis, dass heute Apps im Wert von 40 Dollar Hardware im Wert von 4000 Dollar ersetzen können. Für Thüringen sieht er durchaus Chancen auf dem Markt der Apps. „Wir brauchen Angry Birds aus Thüringen“, formulierte er plakativ mit dem Hinweis auf das bekannte Smartphone-Spiel, das weltweit inzwischen weit über 500 Millionen Mal heruntergeladen wurde.

Tim Bamsemer, Gründer von Caterva Nexus in Erfurt, schilderte die aktuelle Entwicklung als „Clowdisierung“:
Tim Bamsemer, Gründer von Caterva Nexus in Erfurt, schilderte die aktuelle Entwicklung als „Clowdisierung“.

 

Von der „Post PC-Ära“ sprach bereits Jürgen Mayer; CEO der in Erfurt ansässigen plazz enertainment GmbH. Er verwies darauf, dass über achtzig Prozent seiner Kunden außerhalb des Freistaats ansässig seien. Für ihn sind daher gute Rahmenbedingungen die Voraussetzung für die Entwicklung einer Unternehmenslandschaft in Thüringen, die sich mit der Entwicklung von Apps befasse.
Der Journalist Christian Jakubetz zeichnete ein griffiges Bild von der zukünftigen Bedeutung mobiler Endgeräte, die er als „Fernbedienung des Lebens“ bezeichnete. Um von dieser Entwicklung in Thüringen zu profitieren, müsse man zum einen Vernetzungen schaffen, aber das immer das „big picture“ im Auge haben, um die zukünftigen Entwicklungen nicht zu verpassen. Genau das aber haben nach Ansicht von Stephanie Renda, Gründerin und CEO von match2blue in Jena, viele Unternehmen getan, indem sie den Sprung vom Web 1.0 zum Web 2.0 verpasst hätten. Diese würden nun aber gleich in den mobilen Bereich einsteigen. Renda bezeichnete es als wichtig, dass in Thüringen branchenspezifische Cluster gebildet werden. „Das Know-how, das man braucht, ist hier in Thüringen vorhanden. Unsere Experten lieben das Lebensgefühl im Freistaat; der Vertrieb aber passiert woanders“, betonte die Unternehmerin. Marcel Mansfeld, Geschäftsführer der pepperbill GmbH in Erfurt, forderte zudem mehr Investitionskapital für den Anlaufphase und mehr privates Kapital für die spätere Wachstumsphase von jungen und kreativen Unternehmen.

 

Nach Ansicht von Stephanie Renda, Gründerin und CEO von match2blue in Jena, haben viele Unternehmen den Sprung vom Web 1.0 zum Web 2.0 verpasst. Diese würden nun aber gleich in den mobilen Bereich einsteigen.
Nach Ansicht von Stephanie Renda, Gründerin und CEO von match2blue in Jena, haben viele Unternehmen den Sprung vom Web 1.0 zum Web 2.0 verpasst. Diese würden nun aber gleich in den mobilen Bereich einsteigen.

 

Ministerin Walsmann folgerte aus der Podiumsdiskussion, dass Thüringen über das personelle Potential für die Entwicklung von Apps für den wirtschaftlichen Bereich verfüge. „Unsere Universitäten und Fachhochschulen bieten entsprechende Studiengänge in einer großen Vielzahl an. Im Freistaat haben wir zudem Bedarf für Apps in der Wirtschaft. Im Segment der kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es durchaus noch Raum für Innovationen. Walsmann kündigte an, am Thema dranzubleiben und einem nächsten Schritt, Unternehmer und App-Entwickler aus Thüringen an einen Tisch zu bringen.