Festliche Zeremonie zur Rabbinerordination in Erfurt
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- Der neue Rabbiner Alexander Nachama (M) wird am 10.04.2013 in der Neuen Synagoge in Erfurt (Thüringen) bei einer Rabbinerordinationsfeier von Rabbiner Walter Jacob (l) gesegnet, rechts der Rabbiner Reuben Bar-Ephraim. An der festlichen Ordination zweier Rabbiner nahmen nach Angaben des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam zahlreiche Gemeinderepräsentanten aus dem In- und Ausland teil. Foto: Martin Schutt/dpa
Als Zeichen wiedererstarkenden jüdischen Lebens in Deutschland sind am Mittwoch in der Neuen Synagoge Erfurt zwei neue Rabbiner in ihr Amt eingeführt worden. Es ist erst das fünfte Mal seit 2006, dass Rabbiner aus dem liberalen Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam nach fünfjährigem Studium der Gebetschal und die Ordinationsurkunde überreicht werden konnte. Erstmals wurden auch zwei Kantoren in ihr Amt eingeführt. Zahlreiche Rabbiner und Gemeinderepräsentanten aus aller Welt nahmen an der Ordinationsfeier in der Neuen Synagoge teil, dem einzigen in der DDR erbauten jüdischen Gotteshaus.
Erinnert wurde auch an die mehr als sechs Millionen Juden, die Opfer des NS-Rassenwahns wurden. Damals habe sich niemand vorstellen können, dass in Deutschland einmal wieder Rabbiner und Kantoren ausgebildet werden, hieß es am Mittwoch. Die 15 Absolventen des Kollegs aus den Jahren 2006 bis 2011 seien in Deutschland, aber ebenso in den USA, in Israel oder Frankreich tätig, sagte Kolleg-Rektor und Rabbiner Walter Homolka. Er sieht in der Ordination ein Zeichen für das Wiedererstarken jüdischer Gemeinden in Deutschland. "Sie sind jedoch ohne die hochherzige Unterstützung von Bund und Ländern allein noch nicht lebensfähig."
Die beiden neuen Rabbiner Alexander Nachama und Adrian Michael Schell werden als Gemeinderabbiner in Dresden und Hameln arbeiten. Mit der wissenschaftlichen Ausbildung von Rabbinern und Kantoren will das Kolleg Traditionen jüdischen Lebens des 19. Jahrhunderts vor dem Vergessen bewahren.
Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht erinnerte an die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung, als jüdisches Leben für viele Thüringer neu gewesen sei. "Es war eine Zeit des Aufbruchs, der Zeit der Entdeckungen, der Neugier und des Staunens, aber auch des Schamgefühls, des Entsetzens, des Hoffens auf Versöhnung angesichts des Unfassbaren", sagte die Ministerpräsidentin. Juden und offene Thüringer seien zu guten Begleitern, zu Freunden geworden und hätten auch in schweren Zeiten zusammengestanden - wie dem Brandanschlag auf die Erfurter Synagoge im Jahr 2000, bei Demonstrationen gegen Rechts und auch in der Auseinandersetzung mit dem aus Jena stammenden rechtsextremen Terrortrio NSU.
Rabbiner kümmern sich in jüdischen Gemeinden um Seelsorge, Predigten, Eheschließungen, Beerdigungen und Gutachten in religionsrechtlichen Fragen. Kantoren haben neben der musikwissenschaftlichen auch eine religionswissenschaftliche Ausbildung und predigen auch. Liberale und orthodoxe Rabbiner werden in Deutschland in Heidelberg, Potsdam und Berlin ausgebildet. Auch Frauen können Rabbiner werden.
Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam bekommt derweil Verstärkung. Erstmals soll es eine universitäre theologische Ausbildung für Rabbiner und Kantoren geben. Brandenburgs Landtag hat dafür kürzlich den Weg freigemacht. Die musikwissenschaftliche Ausbildung der Kantoren übernimmt dabei die Hochschule für Musik Weimar mit einer neuen Professur.
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- Am Ende einer Rabbinerordinationsfeier ziehen am 10.04.2013 in der Neuen Synagoge in Erfurt (Thüringen) die Rabbiner aus dem Saal aus. An der festlichen Ordination zweier Rabbiner nahmen nach Angaben des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam zahlreiche Gemeinderepräsentanten aus dem In- und Ausland teil. Foto: Martin Schutt/dpa
Bei dem Festkonzert „Jüdische Musik durch die Jahrhunderte“, dass unter der Schirmherrschaft der Thüringer Ministerpräsidentin am Abend des 10. April im Erfurter Kaisersaal stand fand, wurde Bodo Ramelow die Araham- Geiger-Plakette durch Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs übergeben. Ministerpräsidentin Lieberknecht erhielt von Prof. Oliver Günther, Ph.D. Präsident der Universität Potsdam ein Exemplar, der ihr gewidmeten Forschungspublikation „Rabbi-Pastor-Priest“.