08.03.2013 13:56 Uhr

IV. Küllstedter Passionsspiele

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©Tilman Graner und Heiner Mock

Leiden, Sterben und Auferstehung von Jesus von Nazareth werden seit Jahrhunderten in Passions- und Karfreitagsspielen nachgespielt. In Küllstedt im katholischen Eichsfeld haben Laienschauspieler die Leidensgeschichte zum vierten Mal einstudiert.

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©Tilman Graner und Heiner Mock

Die Bühne ist aufgebaut, 153 Kostüme sind anprobiert, die Generalprobe geglückt. In der Ortsmitte von Küllstedt im Eichsfeldkreis weht wieder die Passionsfahne. Am Freitag (8. März) ist die Premiere für die vierten Passionsspiele in der Pfarrkirche „St. Georg und Juliana“. In den Jahren 1996, 2001 und 2007 wurden bereits die Passionsspiele zum Leiden, Sterben und Auferstehung von Jesu Christi aufgeführt. Die Idee für die Küllstedter Passionsspiele hatten 1996 einige Akteure des Küllstedter Karnevalvereins (KCV). Die erste und zunächst einzige Aufführung eines Passionsspiels fand noch im gleichen Jahr - am Palmsonntag - in der Pfarrkirche "St. Georg & Juliana" statt.
 

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©Tilman Graner und Heiner Mock

Jeder fünfte Bewohner des 1500-Einwohner-Ortes ist schätzungsweise diesmal eingebunden. 153 Akteure aus Küllstedt und den umliegenden Orten spielen die 14 Szenen, die ihre Grundlage im Neuen Testament haben. Erweitert wird das Spiel dieses Mal mit der «Die Hochzeit zu Kana», die «Lazarus-Szene» und die «Bergpredigt».

150 Männer und Frauen sorgen für einen reibungslosen Ablauf vor und hinter der Bühne. Allein der Passionschor umfasst 80 Sänger, die während des Spiels auf der Empore stehen. In der katholisch stark geprägten Gemeinde hatte ursprünglich der Karnevalsverein die Pilatus-Frage «Bist Du der König der Juden?» gestellt und den Leidensweg Jesus auf die Bühne in der größten Eichsfelder Dorfkirche gebracht. Die Zahl der Darsteller hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Die Zahl der Szenen stieg von 4 auf 14. Die jüngsten Akteure sind 3 Jahre alt, die älteste Akteurin ist über 80 Jahre und singt im Passionschor. (Quelle: dpa)
 

 

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©Tilman Graner und Heiner Mock

Dieses einzige Passionsspiel in Thüringen war in sechseinhalb Stunden ausverkauft. Auch Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht wird eine Aufführung besuchen.

„Es ist eine besondere Leistung, wenn ein ganzes Dorf ein so großes und aufwändiges Projekt, wie es die Passionsfestspiele sind, gemeinsam auf den Weg bringt“, sagte die Ministerpräsidentin vorab. „Die Küllstedter Passionsspiele stehen für eine lebendige, tatkräftige Dorfgemeinschaft, sie stehen für den Zusammenhalt und die gemeinsame Begeisterungsfähigkeit der Küllstedter Bürgerinnen und Bürger.“

Beeindruckend sei auch, so Lieberknecht weiter, „dass bei all den Veränderungen in der Welt, bei allem Wandel in der Technik, der Kommunikation, ja der Gesellschaft überhaupt, diese alte, diese sehr schöne und wertvolle Tradition des Passionsspiels bewahrt und gepflegt wird. Das zeigt auch das überwältigende Interesse in der ganzen Region an diesem Gemeinschaftsprojekt. Und selbst wenn das Passionsspiel vergänglich scheint und vom Augenblick der Aufführung lebt – was bleibt, sind beeindruckende Bilder in den Köpfen der Zuschauer, de Erinnerungen der Künstler und Helfer an die Mühen der Proben und vor allem an den Applaus am Ende der Aufführungen, der Zusammenhalt der Menschen in Küllstedt und in der Umgebung sowie Neugier und Mut für Neues.“
 

Impressionen von der Generalprobe der IV. Küllstedter Passionsspiele; ©Tilman Graner und Heiner Mock