08.04.2013 14:53 Uhr

Ein Stück über den Widerstand: „Die im Dunkeln“ von Mona Becker am Landestheater Altenburg

Mehrere Schauspieler sitzen letargisch auf Stühlen und werden von einem russischen Soldaten verhört.
Aus der Inszenierung „DIE IM DUNKELN“ von Mona Becker (Foto: Stephan Walzl, Landestheater Altenburg)

Am Landestheater Altenburg läuft derzeit mit großem Erfolg das Stück "DIE IM DUNKELN" von Mona Becker. Seit der viel beachteteten Premiere am 3. März 2013 ist das Interesse an dem Stück über den Widerstand an einer Altenburger Schule Ende der 40er des letzten Jahrhunderts ungebrochen. Auch Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht wird die Gelegenheit nutzen und die Vorstellung am 9. April besuchen.

Nach Recherchen und vielen Gesprächen mit Zeitzeugen hat Mona Becker ein Stück geschrieben, in dem sie dem Mut und der Motivation der jungen Widerstandskämpfer der ehemaligen Karl-Marx-Oberschule, dem heutigen Friedrichgymnasium Altenburg, nachgeht. Damit widmet sich das Theater erstmals einem Thema, das lange verschwiegen und geleugnet wurde, und fragt danach, wie das Geschehen heute beurteilt wird und was es für Auswirkungen hat.

Zwischen 1948 und 1950 herrscht Umbruchstimmung: In die Erleichterung über den beendeten Krieg mischt sich eine neue Unzufriedenheit, denn in der sowjetischen Besatzungszone gibt es Zeichen wachsender Totalisierung und Stalinisierung, gegen die sich Widerstand regt, auch in Altenburg. Einige Schüler und Lehrer wollen eine neue Diktatur nicht hinnehmen und pflegen Kontakt nach West-Berlin. Sie verteilen Flugblätter und stören eine Radiosendung zu Ehren Stalins mit einem selbstgebauten Sender. 1950 wird die Gruppe zerschlagen. Einigen gelingt die Flucht. Die meisten werden von sowjetischen Militärtribunalen zu jahrelanger Lagerhaft, einige zum Tod durch Erschießen verurteilt.

 

Zwei Personen stehen und sitzen an einem Holztisch auf dem eine Nachbildung eines Störsenders steht. Sie schauen sich ernst an.
Aus der Inszenierung: Von Schüler und Lehrern selbstgebauter Sender um die Radiosendung zu Ehren Stalins zu stören. (Foto: Stephan Walzl, Landestheater Altenburg)

„Ein Stück über Widerstand am Beispiel Altenburg“ heißt es im Untertitel. Es geht in diesem Stück zwar auch um die Darstellung der historischen Ereignisse, um Jugendopposition in der SBZ und frühen DDR. Es geht aber vor allem um die Frage, was Menschen den Mut und die Entschlossenheit verleiht, sich in das politische Geschehen einzumischen und Mitbürger zum Nachdenken anzuregen, aufmerksam zu machen auf Missstände – all das im Wissen darum, dass sie deswegen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden können. Es geht auch darum, was wir heute daraus lernen können, was das mit uns heute zu tun hat (oder ob es das hat), und wie heute, mehr als 60 Jahre später, das Geschehen beurteilt wird. Zu diesen Fragen gehört auch ein Nachdenken darüber, wie wir uns heute diesem Geschehen nähern, ob wir es überhaupt beurteilen können und warum bis heute Sorge und wohl auch die Gefahr besteht, vorschnell einseitig positive oder negative Urteile zu fällen über die damals Handelnden.

 

Tanzende Schauspieler auf der Bühne im Hintergrund, zwei stehende ältere Männer im Vordergrund. Sie unterhalten sich vorwurfsvoll.
„DIE IM DUNKELN“, Peter Prautsch (r.) als Jörn- Ulrich Brödel und Ulrich Milde (li.) als Gehard Schmale, (Foto: Stephan Walzl, Landestheater Altenburg)

Über die Arbeit an diesem Stück sagte Mona Becker: „Es war eine Herausforderung, aber auch ein ungeheuerliches Privileg. „Die im Dunkeln“ war für mich eine Reise in meine eigene, in die deutsche, Geschichte – oft ein schmerzhafter Prozess. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in der Auseinandersetzung mit unseren Wurzeln, unserer Geschichte, auch die Kraft finden können, mit den Herausforderungen unserer heutigen Zeit verantwortungsvoll umzugehen. Zeitzeugen und Historiker, Angehörige und Beteiligte haben ihre Geschichten, ihre Erlebnisse und ihr Wissen mit mir geteilt und ohne ihre Stimmen hätte ich dieses Stück nicht schreiben können“.

 

Eine Frau mit rotblonden gelockten Haaren und großer schwarzer Brille lehnt am Geländer und lächelt leicht in die Kamera
Mona Becker. Sie schrieb das Stück im Auftrag von Theater & Philharmonie Thüringen. Schauspieldirektor Bernhard Stengele setzt es in der Ausstattung von Gesine Pitzer in Szene. (Foto: Stephan Walzl, Landestheater Altenburg)

Mona Becker wurde 1986 in Mannheim geboren. Sie wuchs in Rheinland-Pfalz und ab 1999 im Osten von Berlin auf. 2006 ging sie nach England, um an der University of Essex Literatur und Theater zu studieren. Ihr Studium schloss sie 2010 mit einem Master of Arts (Theatre) ab. Es folgte ein Jahrespraktikum im Bereich Kinder- und Jugendtheater am Mainfranken Theater Würzburg. In der Spielzeit 2011/12 war Mona Becker als Schauspieldramaturgin am Mainfranken Theater engagiert, wo sie unter anderem die Uraufführung des Stückes „Les Funérailles du Désert“ (Regie: Bernhard Stengele) dramaturgisch betreute. Mona Becker lebt als freie Autorin in Leipzig.

 

Hinweis:

9. April 18 Uhr, 8. Mai 19.30 Uhr, 26. Mai 14.30 Uhr

Kartenbestellungen telefonisch unter 03447-585177 oder online buchen www.tpthueringen.de

 

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