„De Gaulle – Adenauer: Wegbereiter deutsch-französischer Freundschaft“
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- 22. Januar 2013: Jugendliche sitzen in der Berliner Philharmonie anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags. Foto: Maja Hitij/dapd
Wanderausstellung macht Station in Nordhausen
Vom 21. Februar 2013 bis zum 1. März 2013 ist im Bürgersaal des Neuen Rathauses in Nordhausen eine Ausstellung über den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, und den damaligen französische Präsidenten, Charles de Gaulle, zu sehen. Konzipiert wurde die Schau von der Fondation Charles de Gaulle und der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus anlässlich des 50. Jahrestags des Elysée-Vertrags, der die deutsch-französische Zusammenarbeit und die Aussöhnung beider Länder besiegelt hat.
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- Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, und der französische Präsident Charles de Gaulle, nach der Unterzeichnung des Deutsch-französischen Vertrages im Salon Murat im Pariser Elysée-Palast. In einer kurzen gemeinsamen Erklärung zum Vertrag wurden die drei wichtigsten Ziele der Vereinbarung genannt: die Aussöhnung der in Jahrhunderte langer "Erbfeindschaft" verbundenen Staaten, die Begründung einer echten Freundschaft zwischen den beiden Völkern, insbesondere der Jugend, und die Förderung des Aufbaus eines einigen Europas. Aus erbitterten Kriegsgegnern sollten Partner werden - 18 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges war das für viele eine Sensation. (Foto vom 22.01.63). Foto: AP/dapd
Geboten wird ein themenübergreifender Rückblick auf 50 Jahre deutsch-französische
Beziehungen – im Bereich der Diplomatie, aber auch der Kultur, Bildung, Wirtschaft und der Zivilgesellschaften. Anhand der sich kreuzenden Lebenswege der beiden großen Staatsmänner wird deutsch-französische Geschichte des 20. Jahrhunderts anschaulich vermittelt. Gleichzeitig wird die Bedeutung der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern für die Zukunft Europas unterstrichen.
Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung besucht werden:
Montag + Dienstag von 8:30 bis 15:30 Uhr,
Donnerstag von 8:30 bis 18:00 Uhr,
Freitag von 8:30 bis 12:00 Uhr.
Erstmals in Thüringen wurde die Ausstellung im Thüringer Landtag in Erfurt gezeigt. An der Eröffnung am 5. Februar 2013 nahm auch Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei, Marion Walsmann, teil.
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- 5. Februar 2013: Ministerin Marion Walsmann und und Botschafter Maurice Gourdault-Montagne am Rande der Ausstellungseröffnung (Foto: Jens Meyer)
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- Ministerin Marion Walsmann (Foto: TSK; Archiv)
Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei, Marion Walsmann, hat anlässlich der Ausstellungseröffnung die Bedeutung des Elysée-Vertrags und das Wirken von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle gewürdigt: „ Der Elysée-Vertrag ist der fundamentale Grundstein für den Frieden zwischen Deutschland und Frankreich und damit für den Frieden in Europa. Denn es ist der Frieden zwischen diesen beiden, vor wenigen Generationen noch als „Erbfeinde“ betitelten Ländern, der der Idee eines gemeinsamen Europas den nötigen Nährboden bereitete.
Was wir heute für selbstverständlich halten, nahm seinen Anfang bei zwei mutigen Männern, die nach der Erfahrung dreier blutiger kriegerischer Auseinandersetzungen die Spaltung Westeueropas mit dem Frieden zwischen Frankreich und Deutschland endlich überwinden wollten. Diese beiden mutigen Männer waren der damalige Französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer, die auf den Ideen des französischen Visionärs und Vaters des Schumann-Plans, Jean Monet, aufbauten. Ihnen war klar, dass Gemeinschaft der Völker nicht einzig auf wirtschaftlichen Verknüpfungen aufbauen durfte. Zur Förderung der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich wurde vor 50 Jahren der Elysée-Vertrag geschlossen, um die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Außenpolitik und Verteidigung sowie Erziehungs- und Jugendfragen voran zu treiben. Dazu wurden feste, bilaterale politische Arbeitsgremien vereinbart, die sich nach einem verbindlichen Zeitplan regelmäßig treffen.“
Weiter sagte Walsmann:
„Seit 1963 hat sich der bewährte Instrumentenkasten dieses fruchtbaren Austausches deutlich diversifiziert und modernisiert. Der gemeinsame öffentlich-rechtliche Sender ARTE zum Beispiel wurde im Jahr 1990 gegründet und bereichert seitdem die Medien- und damit auch die Kulturlandschaft beider Länder. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrags wurden auf beiden Seiten Beauftragte für die deutsch-französische Zusammenarbeit etabliert. Ihnen obliegt es, sowohl die Verbindungen zwischen den Zivilgesellschaften zu vertiefen als auch die politischen Kontakte zu pflegen sowie die im Jahre 2010 beschlossene Agenda 2020 umzusetzen. Sie sieht eine Intensivierung der Kontakte auf Bürgerebene, im Bereich Bildung und im Hochschulwesen vor.
In den vergangenen 50 Jahren wurde der Elysée-Vertrag durch zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen mit Leben gefüllt. Schüleraustausch, Stipendiaten-Programme, Sprachförderung oder Städtepartnerschaften machten aus Fremden Freunde. Diese Initiativen sind die Basis generationenübergreifender Aussöhnung und tatsächlicher Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland.
Der Elysée Vertrag ist damit zu Recht ein dauerhaftes Vorbild für die Überwindung tiefer Gräben, für Freiheit, Demokratie, Versöhnung und für das friedliche Miteinander in Europa. Gerade dieses Miteinander auch in krisenhaften Zeiten hat das Norwegische Nobelkomitee im letzten Jahr mit dem Nobelpreis geehrt.
Mit rund 80 Städtepartnerschaften unterhalten die Thüringer Kommunen fast flächendeckende Beziehungen zu unserem westlichen Nachbarland und wirken damit für das gegenseitige Verständnis in der Breite. Diese Freundschaften auf lokaler Ebene entstanden nicht ausschließlich erst in der Zeit nach der friedlichen Revolution. Manche gehen bereits auf die 1950er und 1960er Jahre zurück. Gera, Gotha, Berga und Suhl etwa schlossen bereits vor 1963 partnerschaftliche Beziehungen nach Frankreich. Zwei Thüringer Gemeinden legten den Grundstein ihrer Partnerschaft im Jahr 1963: Apolda und Schmalkalden.
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- Seit vielen Jahren pflegt der Freistaat Thüringen eine lebendige Partnerschaft mit der französischen Region Picardie. Erst im November 2012 besuchte der Präsident des Regionalrates der Picardie, Claude Gewerc, Thüringen. Hier eröffnet er gemeinsam mit Ministerin Marion Walsmann die Ausstellung „adream“. Foto: TSK
Nach 1989 haben sich die Beziehungen zu Frankreich zu den umfangreichsten und intensivsten Auslandskontakten des Freistaates entwickelt. Eine besondere Rolle nimmt die seit 1994 bestehende Regionalpartnerschaft mit der Picardie ein.
Die Thüringer Landesregierung beschloss im Jahre 1994, die Partnerschaft mit der die Région Picardie zu begründen. Eine bilaterale Gemeinsame Erklärung vom 23. März 1994 setzte die Schwerpunkte der Zusammenarbeit zunächst in den Bereichen Bildung sowie Wissenschaft und Kultur. Insgesamt pflegen heute 84 Thüringer Schulen eine Partnerschaft mit einer französischen Schule, 25 davon mit einer Schule in der Picardie. Rund ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 16 Jahren lernen Französisch als erste oder zweite Fremdsprache. Damit ist Thüringen bundesweit auf dem dritten Platz. Zwei Schulen in Erfurt und Weimar bieten sogar mit dem AbiBac ein bilinguales Abitur an, das den Hochschulzugang in Frankreichen erleichtert. Im Bereich der Hochschulen gibt es heute zahlreiche Kontakte durch Auslandsemester von Studierenden aus Basis der Erasmus-Programme zwischen vier Thüringer und drei picardschen Hochschulen.
Anlässlich meiner Reise in die Picardie im Februar letzten Jahres konnte ich einen Kooperationsvertrag in Compiègne zwischen der Technologischen Universität Compiègne und der Technischen Universität Ilmenau unterzeichnen. Beide Fachhochschulen sind auf ihrem Gebiet Vorreiter und arbeiten konstruktiv im Bereich e-mobility und neue Antriebstechnologien zusammen. Weitere Forschungsprojekte werden zwischen der UTC Compiègne und der Fachhochschule Jena entwickelt.
Als Medienministerin liegt mir die kulturelle Zusammenarbeit im audiovisuellen Bereich sehr am Herzen. Deshalb freue ich mich, dass sich Studenten und Regisseure aus Frankreich und Thüringen zusammen getan haben, um im gegenseitigen Austausch das Filmfestival „OffShort“, das jedes Jahr an der picardschen Küste stattfindet, zu organisieren.
Wichtige Anknüpfungspunkte zwischen Thüringen und der Picardie bieten gerade in der Lutherdekade die beiden Reformatoren Johannes Calvin und Martin Luther. Ausstellungen und Kolloquien dazu sind in Vorbereitung. Besondere Bedeutung für die Picardie, in der sich viele ehemalige Schlachtfelder des 1. Weltkrieges befinden, besitzt der 100. Jahrestag des Ausbruchs dieses Krieges. Auch hierzu wird es gemeinsame Projekte geben.
Das wichtigste und außergewöhnlichste gemeinsame Projekt ist für mich der 2009 geschaffene bilaterale Architektur- und Designwettbewerb mit nachwachsenden und ökologischen Materialien „Adream“. Es wurden 532 Projekte aus 28 Ländern eingereicht, aus denen eine Jury die Preisträger auswählte. Ab 30. Januar 2013 werden die prämierten Projekte erstmalig in einer Ausstellung in Berlin gezeigt.
Die enge Zusammenarbeit zwischen einer französischen Region und einem deutschen Bundesland im Bereich Design und Prototypen ist einmalig und zeugt von der Qualität, Originalität und Außergewöhnlichkeit unseres bilateralen Wirkens.
Seit der Gemeinsamen Erklärung vom 2. November 2001 zwischen der Landesregierung und dem französischen Außenministerium fördert ein, mit einem Diplomaten aus Frankreich besetztes Französisches Kulturbüro in der Erfurter Staatskanzlei den Ausbau der Beziehungen des Freistaats nach Frankreich. Dieser Einsatz eines Diplomaten innerhalb einer deutschen Verwaltung ist eine Besonderheit im diplomatischen Netzwerk Frankreichs in der Bundesrepublik.
Durch regelmäßige Kontakte mit dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unterstützt dieser französische Berater die Ausweitung des Französisch-Unterrichts in den Schulen. Er pflegt darüber hinaus Kontakte zu den Fachhochschulen und Universitäten, durch Vorträge und Weitergabe von Informationen über Studienmöglichkeiten in Frankreich.
Das französische Kulturbüro stärkt zudem die kulturelle Präsenz Frankreichs im Freistaat durch die Unterstützung von Veranstaltungen, Ausstellungen, Schulpartnerschaften und politischer Bildung. Dieses Jahr werden beispielsweise junge Photographen aus Lille im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Erfurt ihre Werke ausstellen. Das französische Kulturbüro wird auch die durch Staatspräsident HOLLANDE und Bundskanzlerin MERKEL in Reims am 8. Juli 2012 eingeweihte Ausstellung „De Gaulle-Adenauer: Wegbereiter deutsch-französischer Freundschaft“ anlässlich des Deutsch-Französischen Jahrs durch alle Teile Thüringen mit 10 Stationen wandern lassen.
Der Leiter des französischen Kulturbüros fungiert zudem als Berater der Landesregierung für alle Beziehungen nach Frankreich. Er steht im ständigen Kontakt mit der Picardie und pflegt das Netzwerk der im ganzen Freistaat an Frankreich interessierten Bürger, Städte und Vereine.
Ich freue mich sehr, dass im Jubiläumsjahr des Elysée-Vertrags ein französisches Honorarkonsulat in Thüringen, eingerichtet wird. Das bedeutet zweifelsohne eine Würdigung dessen, was hier im Freistaat bezüglich der deutsch-französischen Beziehungen geleistet wurde.
Thüringen liegt zentral in Deutschland und in Europa. Aus politischen, geographischen und kulturellen Gründen legt der Freistaat daher großen Wert auch auf die Beziehungen zu Polen. Das deutsch-französisch-polnische „Weimarer Dreieck“ gewinnt nicht nur in Thüringen zunehmend an Bedeutung beim Bemühen um die deutsch-polnische Versöhnung. Die deutsch-französische Versöhnung ist in dieser Hinsicht vorbildlich.
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- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht begrüßte zum Festakt im Deutschen Nationaltheater anlässlich des 20jährigen Bestehens des Weimarer Dreiecks die Mitbegründer Roland Dumas (1.v.l.),und Hans-Dietrich Genscher (2.v.r.) sowie als Ehrengast den ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki. Foto: Peter Michaelis
Ein Zeichen für die Vielfalt der Initiativen, die unter dem Dach des Weimarer Dreiecks ergriffen werden, ist das trilaterale Lehrerseminar mit Teilnehmern aus der Picardie, aus Kleinpolen und aus Thüringen im letzten Jahr. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das „Weimarer Dreieck“ auf regionaler Ebene gelebt wird. Für diese Lebendigkeit der Beziehungen sorgt nicht zuletzt der Verein „Weimarer Dreieck“ mit seinen vielfältigen trilateralen Initiativen im Weimarer Raum. Veranstaltungen wie die Filmfesttage in Weimar oder „die Rendez-Vous mit der Geschichte“ ermöglichen einen fruchtbaren Austausch zwischen Bürgern aus Frankreich, Polen und Thüringen, ganz im Sinne der Gründungsväter der deutsch-französischen Freundschaft. Die deutsch-französische Freundschaft hat sich zu einem Erfolgsmodell und Muster für konstruktive und zukunftsweisende Zusammenarbeit entwickelt.