Thüringen gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus
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- Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Am 27. Januar vor 68 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Jedes Jahr wird mit dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus an dieses Ereignis erinnert. Die Thüringerinnen und Thüringer haben mit Ausstellungen, Diskussionen, Zeitzeugengesprächen und Gedenkstunden die Erinnerung an die Millionen Opfer des Holocaust und das Wissen um das Grauen der NS-Zeit wach gehalten.
Mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Während der zentralen Gedenkstunde im Kinosaal der Gedenkstätte hielt Ivan Ivanji, Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz, eine beeindruckende Rede.
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- 27. Januar 2013: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus - Kranzniederlegung auf dem Appellplatz in Buchenwald. Foto: Michael Reichel
Ansprache Landtagspräsidentin Birgit Diezel
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- Landtagspräsidentin Birgit Diezel (M) während der Kranzniederlegung. Links: Ministerpräsidentin Lieberknecht. Foto: Michael Reichel
Nach den Worten von Landtagspräsidentin Birgit Diezel seien Antisemitismus und Rassismus bis heute nicht in Deutschland und in Europa vollständig überwunden. Die Tage des Erinnerns an die Nazi-Gräuel seien vor diesem Hintergrund kein Selbstzweck. „Die lebendige Erinnerung an die Opfer mahnt uns zu Wachsamkeit und Konsequenz bei der Bewahrung und dem Schutz der Menschlichkeit.“
Anprache Mp Lieberknecht
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- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Foto: Michael Reichel
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sagte: „Das ‚Nie wieder! fordert von uns einen zweiten Imperativ: `‚Wehret den Anfängen!‘ Das Unheil nimmt seinen Anfang stets im Kleinen. Überall dort, wo nicht entschieden Unrecht widersprochen wird: Wo Diskriminierung und Rassismus im Alltag akzeptiert werden – im Beruf, im Verein oder beim Stammtisch.
Der Schutz der Menschenwürde ist keine abstrakte Norm. Sie beginnt beim Nächsten, beim Nachbarn. Sie ist ein wertvolles Gut, das auch in der heutigen Zeit gefährdet sind. Rechtsextremismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz sind Gefahren, denen wir mit Entschiedenheit begegnen müssen. Das hat nicht zuletzt die Mordserie des NSU einmal mehr deutlich gemacht.
Die Lehre aus Auschwitz und Buchenwald lautet: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘ . Sie ist die universale Norm unseres Zusammenlebens. Sie verbietet jegliche Aberkennung oder auch nur Relativierung. Respekt vor der Würde des anderen – Das ist die erste Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft in Frieden und Freiheit und in einer erblühenden Demokratie leben können.“
20130127 Rede Ivan Ivanji
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- Ivan Ivanji. Foto: Michael Reichel
Ivan Ivanji, Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz, hielt auf der zentralen Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Buchenwald die Gedenkrede.
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- "Was damals Recht war...", eine Sonderausstellung über Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht wird im Anschluss an die Kranzniederlegung eröffnet. Sie ist vom 27. Januar bis zum 30. April 2013 in der Gedenkstätte Buchenwald (ehemalige Häftlingskantine) zu sehen.
"Was damals Recht war...", eine Sonderausstellung über Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, wird im Anschluss an die Kranzniederlegung eröffnet. Sie ist vom 27. Januar bis zum 30. April 2013 in der Gedenkstätte Buchenwald (ehemalige Häftlingskantine) zu sehen.
Die Exposition informiert über Unrecht und Willkür der NS-Militärjustiz und dient der gesellschaftlichen Verankerung der erst im Jahr 2002 erfolgten rechtlichen Rehabilitierung ihrer Opfer. In ihrem Zentrum stehen Fallgeschichten, bei denen es nicht nur um Personen geht, die als Deserteure abgeurteilt wurden, sondern auch um so genannte Wehrkraftzersetzer und Volksschädlinge. Darüber hinaus werden Biografien von Angehörigen des Widerstandes in besetzten europäischen Ländern dargestellt. Insgesamt wurden mindestens 22.000 Menschen hingerichtet, unzählige andere starben in Lagern oder in Strafeinheiten. Die Fallgeschichten werden in Überblicksdarstellungen zur Geschichte der deutschen Militärjustiz zwischen 1871 bis 1939 eingebettet. Zum Schluss nimmt die Ausstellung die Ausgrenzung und Nichtachtung überlebender Justizopfer in den deutschen Nachkriegsstaaten in den Blick.
Eine Ausstellung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Kooperation mit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e. V. (Quelle: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora)
www.buchenwald.de/643/
Ivan Ivanji und Gert Schramm, zwei Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald, waren am Samstag (26. Januar 2013) zu Gast im Thüringer Landtag. Vor rund 200 Schülerinnen und Schüler sprachen sie über ihre Erlebnisse während der NS-Zeit; sie schilderten den Moment der Verhaftung, den Kampf ums Überleben in den verschiedenen Lagern, und sie sprachen über ihr Leben danach.
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- Gert Schramm, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, am 26. Januar 2013 im Gespräch mit Erfurter Schülerinnen und Schülern. Foto: Michael Reichel
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- 26. Januar 2013: Gert Schramm, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, im Gespräch mit Schülern. Foto: Michael Reichel
Gert Schramm wurde 1928 in Erfurt geboren und als 14jähriger in Langensalza auf Grund seiner Hautfarbe verhaftet. Nach einjähriger Odyssee durch verschiedene Gefängnisse wurde er schließlich 1944 nach Buchenwald gebracht. Seine Erlebnisse in Buchenwald - den Aufenthalt im Keinen Lager, die Arbeit im Kommando „Steinbruch“, Weihnachten auf dem Appellplatz, die schweren Verletzungen während des Angriffs auf die Gustloff-Werke oder die Tage der Befreiung - hat Gert Schramm u. a. in seinem Buch „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann. Mein Leben in Deutschland.“ verarbeitet.
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- 26. Januar 2013: Ivan Ivanji, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, im Gespräch mit Schülern. Foto: Michael Reichel
Ivan Ivanji wurde 1929 in Zrenjanin im Banat (Jugoslawien) in eine jüdische Ärztefamilie geboren und nach seiner Verhaftung in Novi Sad in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald verschleppt.Nach der Befreiung studierte Ivanji Germanistik und Architektur in Belgrad und war als Lehrer, Journalist, Verlagslektor, Dramaturg und Direktor an mehreren Theatern in Belgrad tätig.
Von 1974 bis 1978 arbeitete er als Botschaftsrat Jugoslawiens in Bonn, danach bis 1981 im jugoslawischen Außenministerium. Zwischen 1982 und 1988 hatte Ivanji das Amt des Generalsekretärs des jugoslawischen Schriftstellerverbandes inne. Seit 1992 lebt er in Wien und Belgrad. Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter: „Der Aschenmensch von Buchenwald“.
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- 26. Januar 2013: Ivan Ivanji, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, im Gespräch mit Schülern. Foto: Michael Reichel
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„Gratwanderungen“ – so lautet der Titel einer Schülerausstellung, die am 25. Januar 2013 im Thüringer Landtag eröffnet wurde und sich mit dem so genannten „Entjudungsinstitut“ in Eisenach beschäftigt.
Das im Mai 1939 gegründete „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ befasste sich mit der sogenannten „Entjudung“ des religiösen und kirchlichen Lebens. Obwohl das Wort „Beseitigung“ in den Veröffentlichungen nicht mehr vorkam, war die „Beseitigung“ vermeintlich jüdischer Einflüsse auf Theologie und Kirche eine Hauptaufgabe dieser Einrichtung. Mehr als 200 Mitarbeiter, darunter Landesbischöfe, Professoren, Kirchenräte, Superintendenten, Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller, wirkten am Institut, das seinen Sitz in der Eisenacher Bornstraße hatte und dessen wissenschaftlicher Leiter bis 1943 Dr. Walter Grundmann war. Zahlreiche Publikationen wurden veröffentlicht, darunter ein Neues Testament unter dem Namen „Die Botschaft Gottes“, das von hebräischen Vokabeln und jüdischen Einflüssen „befreit“ worden war. Auch ein „bereinigtes“ Gesangbuch, das mit Kampfliedern erweitert worden war, wurde herausgegeben. (Quelle: Thüringer Landtag)
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- Am 25. Januar 2013 eröffnete im Landtag die Ausstellung „Gratwanderung“. Die Ausstellung, die vom Martin-Luther-Gymnasium Eisenach in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Lutherhaus Eisenach erarbeitet wurde, beschäftigt sich mit dem so genannten „Enjudungsinstitut“ in Eisenach. Sie ist ein Beitrag zum Themenjahr „Reformation und Toleranz“. Foto: Michael Reichel