Erfurter Dialog
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Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht stellte am Beginn des Erfurter Dialogs fest, dass Thüringen internationaler geworden ist. Auf ihrer Sommertour international habe sie feststellen können, dass sich Thüringer Unternehmerinnen und Unternehmer mit phantastischen Geschäftsideen auf den internationalen Märkten behaupten. Vor allem ihre Russlandreise habe gezeigt, welch unternehmerischer Mut und Geist im Freistaat vorhanden sind.
Die Ministerpräsidentin verwies darauf, dass die regelmäßigen Reisen in die USA und nach Israel, die von der Landeszentrale für politische Bildung organisiert werden, viel zum geistig-kulturellen Klima im Lande beigetragen haben.
Den Leiter des Nordamerikabüros der Konrad Adenauer Stiftung in Washington, Dr. Hänsel, bezeichnete Lieberknecht als profunden Kenner der USA und Israels und nannte ihn und die Adenauer-Stiftung eine lebendige Brücke zwischen den USA – Israel und Deutschland.
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Dr. Hänsel erläuterte die Ergebnisse des amerikanischen Wahlkampfes. Eine wichtige Feststellung sei, dass die Hälfte der US-Bürger den Präsidenten trotz des eindeutigen Votums bei den Wahlmännern nicht gewählt haben. Er nannte drei Gründe für das Scheitern Romneys: den Vorwahlkampf, den erzkonservative Kreise ihre Themen aufdrückten, den strategischen Fehler, die Wahl zum Referendum über Obama zu machen und die bessere Wahlkampfmaschine im Obama-Lager. Hänsel nannte hier vor allem die großen Datenbanken der Demokraten mit vielen persönlichen Angaben der Bürger. So war es Obama möglich, die Wähler direkter anzusprechen.
Der Ausgang der Wahlen war nach Dr. Hänsels Worten auch davon geprägt, dass der Anteil der Minderheiten beim Wahlvolk zugenommen hat. Diese Wählerschicht stellt ca. ein Drittel der Wähler. Die Republikaner finden keinen Zugang zu diesen Minderheiten – ihre Stammwähler sind Weiße und ältere Wählerschichten.
Im Ergebnis der Wahlen haben sich in den USA die Machtverhältnisse nicht geändert – die Demokraten stellen mit Obama den Präsidenten und verfügen über eine Mehrheit im Senat – das Repräsentantenhaus wird nach wie vor von den Republikanern beherrscht.
Mit Blick auf die außenpolitischen Folgen der Wahl zog Dr. Hänsel eine durchwachsene Bilanz Obamas – der Krieg im Irak konnte beendet werden, der Einfluss von Al Kaida wurde geschwächt. Im Gegenzug zu diesen Erfolgen schwindet der amerikanische Einfluss in der arabischen Welt und der israelisch-palästinensische Konflikt konnte nicht gelöst werden. Künftig werde sich die US-Außenpolitik mehr nach Asien hin orientieren, so Hänsel.
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Die Veranstaltungsreihe „Erfurter Dialog“ wurde 1993 von Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel begründet – in Anlehnung an die Assembleen des früheren kurmainzischen Statthalters Freiherr von Dalberg.
Der Erfurter Dialog ist ein Forum für den Meinungsaustausch unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen und soll einen Beitrag leisten, die geistige Erneuerung in Deutschland voranzubringen – er will Denkanstösse und Orientierung geben – insbesondere der jungen Generation.
Dafür werden regelmäßig Persönlichkeiten des geistigen Lebens aus dem In- und Ausland in den Barocksaal Thüringer Staatskanzlei eingeladen: an einen Ort, an dem der intellektuelle Austausch Tradition hat: schon Schiller Humboldt Herder und Wieland diskutierten hier.
Als namhafte Gäste sprachen unter anderem Michael Gorbatschow, Altkanzler Helmut Schmidt, Bundespräsident Joachim Gauck, der französische Botschafter Claude Martin, der Sänger Stefan Krawcyk oder – vor wenigen Monaten erst die Intendantin des MDR Prof. Dr. Carola Wille.
Dr. Lars Hänsel wurde 1967 in Bautzen geboren. Er studierte Theologie, Jüdische Geschichte und Interreligiöse Studien in Leipzig, Tübingen und Jerusalem. Ab 2006 war er Leiter des Büros der Konrad Adenauer Stiftung in Jerusalem, seit 2011 ist er Leiter des Büros in Washington.