07.01.2013 08:39 Uhr

Für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte eintreten!

Eine Schwarz - Weiß Aufnahme eines Zuges in den dutzende Menschen mit leichten Reisegepäck einsteigen, am Rand sind uniformierte SA und SS Soldaten zu sehen.
Deportation der Juden aus Eisenach am 9.Mai 1942 – Bahnsteig, Bahnhof Eisenach. Foto: Stadt Eisenach, Stadtarchiv 41.3 J 481 (Fotograf: unbekannt) )

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht fordert alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich am 9. November auf die Werte zu besinnen, die unser gesellschaftliches Zusammenleben prägen. Dieser Tag ist ein wichtiges Datum in der wechselvollen deutschen Geschichte. Der 9. November 1938 erinnert an die grauenvollen Verbrechen der Nationalsozialisten an den jüdischen Mitbürgern. Zugleich ist der 9. November der Höhepunkt der friedlichen Revolution vom Herbst 1989. An diesem Tag fiel nach 28 Jahren die Berliner Mauer, die Europa teilte.

Unzählige Menschen in Winterkleidung drängeln sich in beide Richtungen freudig durch einen Durchbruch in der Mauer.
Nach dem Fall der Berliner Mauer öffnete sich auch die Grenze am 9. Dezember 1989 in Mödlareuth, das wegen seiner Grenzmauer auch Klein-Berlin genannt wurde. Foto: Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, Mediathek Bayerische Grenzpolizei, Alfred Eiber

„Der 9. November ist ein großes, ein besonderes Datum in der deutschen Geschichte. Es lehrt uns, welch Großartiges wir Menschen zu leisten vermögen, und es offenbart uns, zu welch Grauenhaftem Menschen andererseits fähig sind. Deshalb ist der 9. November ein Tag der Erinnerungen, vor allem aber ist er ein Tag der Ermutigung und der Verantwortung. Wir stehen in der Pflicht, uns für ein friedliches Miteinander der Menschen einzusetzen. Wir müssen unsere Freiheit nutzen, um Rassismus, Intoleranz und Menschenverachtung allen Nährboden zu entziehen.“ Mit diesen Worten erinnerte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht an den Tag der Maueröffnung am 9. November 1989 sowie an die Reichspogromnacht vor 74 Jahren.

Auf einem ausgeblichenen Foto sind drei SA Soldaten zu sehen die vor einem Geschäft stehen auf einem Schild hinter ihnen steht: Ein Volksverräter wer bei Juden kauft.
So wie in Rudolstadt wurden in vielen deutschen Städten Geschäfte von jüdischen Mitbürgern von der SA belagert. Foto: Stadtarchiv Rudolstadt

Auch in Thüringen brannten am 9. November 1938 die Synagogen, wurden jüdische Friedhöfe geschändet und Geschäfte demoliert und geplündert. Mehr als 30.000 deutsche Juden wurden verhaftet und interniert. In das seit 1937 bestehende Konzentrationslager Buchenwald wurden 9845 Männer verschleppt, gequält und erniedrigt. Diese Repressionen der SS verfolgten das Ziel, die Internierten einzuschüchtern, um ihnen ihr Hab und Gut weit unter Wert abzujagen und sie zur Ausreise aus Deutschland zu veranlassen. In fünf Baracken waren die Inhaftierten unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Durch die Misshandlungen der SS kamen bis zur Auflösung dieses Barackenlagers Anfang 1939 mehr als 250 Internierte ums Leben. Seit 1954 erinnert ein Gedenkstein an die Opfer des jüdischen Sonderlagers.

Eine Luftaufnahme des Gelände der Gedenkstätte Buchenwald, von Bäumen eingerahmt sind die Überreste der unzähligen Barracken des ehemaligen Konzentrationslagers zu erkennnen.
Die Gedenkstätte Buchenwald hat einen Antrag um Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der UNESCO gestellt.

Thüringens Kulturminister Christoph Matschie erinnerte daran, dass mit der der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in aller Öffentlichkeit die Vernichtung des jüdischen Volkes begann. Zur Erinnerung gehört nach den Worten von Matschie auch, dass Orte des Schreckens als Mahnung zum Gedächtnis der Menschheit werden. „Als Land unterstützen wir daher den Antrag der Gedenkstätte Buchenwald um Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der UNESCO. Das Klassische Weimar und die Bauhaus-Stätten gehören genauso zu Weimar wie das nur wenige Kilometer entfernte ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Mit dem Welterbeantrag stellen wir uns diesem gegensätzlichen und dennoch miteinander verbundenen Teil unserer Geschichte“, sagte Matschie.

Als Vertreter der Thüringer Landesregierung sprach Justizminister Dr. Holger Poppenhäger ein Grußwort zur Gedenkstunde der Jüdischen Landesgemeinde zur Reichspogromnacht auf dem Jüdischen Friedhof in Erfurt.

 

Dr. Poppenhäger: „Wir erinnern heute an die Novemberpogrome von 1938, an die Vertriebenen, Verschleppten und Ermordeten. Ihr Andenken lebt weiter. Wir gedenken ihrer in Demut und Trauer.

Wenn wir es – in Deutschland, in Thüringen – als unsere Pflicht ansehen, uns zu erinnern, so geht es hier nicht um vergangene, sondern auch um kommende Generationen. Wir müssen immer weiter und in jeder Generation neu versuchen, das Verbrechen zu verstehen, um zu verhindern, dass es sich wiederholt.

Deshalb ist es wichtig, das Engagement gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu ermöglichen und zu fördern.

Dazu gehört auch das Andenken an die Spur der Opfer, welche die NSU-Täter durch Deutschland gezogen haben. Ihr Ausgangspunkt war Thüringen. Ich begrüße die Debatte darüber, ob auch hier ein Erinnerungsort für die Opfer des NSU angesiedelt sein sollte; auch als Ort der dauerhaften pädagogischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus.“