07.01.2013 08:46 Uhr

Zusammenprall der Kulturen

Sieben Personen stehen im Halbkreis und blicken auf den Mann der durch ein Loch in der Decke in den Raum gleitet.
Die Erfurter Neuproduktion von Händels Oper „Julius Caesar“ inszeniert Stephen Lawless mit wirkungsvollen Bühneneffekte als ein besonderes Klangerlebnis. Foto: Lutz Edelhoff)

Händels Erfolgsoper „Julius Caesar“ hat am Theater Erfurt als Neuproduktion am 3. November (Samstag) um 19.30 Uhr Premiere im Großen Haus.

Die Erfurter Neuproduktion des Julius Caesar verspricht neben spektakulären Bühneneffekten (Ausstattung: Gideon Davey) ein musikalisches Fest barocker Klangpracht. Neben den großen lyrischen Arien der weiblichen Hauptrollen entfaltet sich insbesondere zwischen Julius Caesar und seinem ägyptischen Widersacher Ptolemaeus ein virtuoser Schlagabtausch erster Güte – in Erfurt ausgetragen von den beiden Counter- Tenören Benno Schachtner und Denis Lakey.

Für Regisseur Stephen Lawless hat der Zusammenprall von römischer und ägyptischer Kultur unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung der Figuren. So durchläuft der Titelheld ein Wechselbad der Gefühle vom draufgängerischen Feldherrn und berechnenden Politiker hin zum gezeichneten Liebhaber. Auch die um die Macht strebenden ägyptischen Königskinder Cleopatra und ihr Bruder Ptolemaeus entwickeln sich von hitzigen Kindsköpfen zu unversöhnlichen Rivalen auf der politischen Bühne ihres Landes. Schließlich hinterlassen die kriegerischen Auseinandersetzungen tiefe Spuren in den Seelen der Protagonisten, wovon vor allem die Beziehung zwischen Cornelia, der Witwe des ermordeten Pompeius, und ihrem Sohn Sextus Zeugnis ablegt.
 

Ein Mann in Uniform steht an einem Tisch und wird angeleuchtet, im Hintergrund ein übergroßes Bild eines weiteren Mannes.
Der Titelheld Julius Caesar durchläuft als Machtmensch und als Liebhaber ein Wechselbad der Gefühle. Foto: Lutz Edelhoff

Nach der Schlacht bei Pharsalus im Jahr 48 vor Christus, in der Julius Caesar die Truppen des Pompejus vernichtend geschlagen hat, verfolgt er seinen Gegner bis nach Ägypten. Vor der exotischen Kulisse des Reiches am Nil kommt es nun zur legendären Begegnung zwischen Prinzessin Cleopatra und dem römischen Staatsmann und Feldherrn Caesar. Doch bevor ihre gegenseitige Liebe sich Bahn brechen kann, gilt es, die Hofintrigen durch Cleopatras Bruder Ptolomaeus, der ebenfalls Anspruch auf den ägyptischen Thron erhebt, und dessen Berater Achillas zu überstehen.

Eine Frau in einem seidenen Bademantel mit einem Spiegel in der Hand singt, im Hintergrund alte Filmposter.
Cleopatra will den römischen Staatsmann und Feldherren Julius Caesar ganz in ihren Bann ziehen. Foto: Lutz Edelhoff

Mit der Premiere des Giulio Cesare in Egitto am 20. Februar 1724 im King‘s Theatre am Londoner Haymarket gelang Georg Friedrich Händel sein größter Opern-Coup. Das Verwirrspiel um Caesars Einmarsch in Ägypten sowie die sagenumwobene Beziehung zu Cleopatra beflügelte das Unternehmen der noch jungen Royal Academy, deren Direktor Händel seit 1719 war. Rund vierzig Aufführungen leitete der Komponist selbst in den folgenden Jahren, 1725 folgten Produktionen in Deutschland an den Theatern von Braunschweig und Hamburg, 1731 hob sich am Wiener Kärtnertor-Theater der Vorhang zur österreichischen Erstaufführung.

Ein Mann in Uniform bedrängt eine Frau in Pagenuniform und Bauchladen beide rauchen und taxieren sich genau.
Hofintrigen und Machtspiele stehen der Liebe von Caesar und Cleopatra im Wege. Foto: Lutz Edelhoff

Bis heute ist Julius Caesar Händels meistgespielte Oper geblieben, über 260 Inszenierungen im 20. Jahrhundert zählt die umfangreiche Dokumentation von Manfred Rätzer. In Erfurt erklang Händels Meistwerk zuletzt in der Saison 1924/25 im Zuge der von Halle und Göttingen bald nach ganz Europa ausstrahlenden Händel-Renaissance der 1920er Jahre.

Künstlerische Leitung:

Musikalische Leitung: Samuel Bächli
Inszenierung: Stephen Lawless
Ausstattung: Gideon Davey
Choreografie: Lynne Hockney


Hauptrollen:

Gajus Julius Caesar Benno Schachtner
Sextus Mireille Lebel
Cornelia Stéphanie Müther
Ptolomaeus Denis Lakey
Cleopatra Daniela Gerstenmeyer
Cleopatra Julia Neumann

Am Pult des Philharmonischen Orchesters Erfurt steht Samuel Bächli, der am Theater Erfurt auf dem Gebiet der Barockoper bereits für die musikalische Leitung von Monteverdis L’Orfeo, Händels Agrippina sowie seiner eigenen Bach-Oper Triumph der Liebe verantwortlich zeichnete.

Weitere Aufführungen: So, 11.11. l Sa, 17.11. l Fr, 23.11. l Mi, 12.12. l Sa, 22.12. l Fr, 28.12.2012 l So, 20.01. l So, 27.01. l Fr, 01.03.2013

Karten und Informationen unter  www.theater-erfurt.de und Telefon 0361 22 33 155