07.01.2013 08:43 Uhr

Drama um Liebe, Eifersucht und Tod

Eine Frau im rotschwarzen Kleid steht auf einem Tisch und wird von sieben weiternen Frauen beobachtet.
Liebe und Eifersucht - verführerisch und leidenschaftlich verdreht Carmen den Männern den Kopf.

Die Zigeunerin Carmen verdreht dem Soldaten Don José den Kopf. Als dieser sie nach einer Messerstecherei in den Arrest führen soll, lässt José sie entwischen und sich an ihrer Stelle selbst einsperren. Von diesem Moment an ist er Carmen willenlos ergeben. Die Angebetete jedoch ist das Leben an der Seite Josés bald leid und wirft sich dem Torero Escamillo an den Hals. Während eines Stierkampfs in Sevilla kommt es zur tödlichen Katastrophe …

Georges Bizets Carmen- hatte am Sonntag (30. September) im Theater Erfurt Premiere und zählt unzweifelhaft zu den erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte. Dabei stand die Uraufführung am 3. März 1875 in der Salle Favart der Pariser Opéra keinesfalls unter einem guten Stern: „Eine Oper, deren Titelheldin Arbeiterin und Zigeunerin ist, Soldaten fahnenflüchtig werden lässt, schmuggelt, in Kneipen tanzt und singt, selbst frei über ihr Schicksal bestimmt und schließlich auf offener Bühne von einem ehemaligen Liebhaber erstochen wird, stand in eklatantem Gegensatz zu den Erwartungen an eine Opéra comique.“ (Christoph Schwandt)
 

Carmen trägt ein weißes Kleid und tanzt während im Hintergrund Frauen klatschen und im Vordergrund Männer in Soldatenkleidung singen.
Dem Soldaten Don José kann Carmen nicht treu sein.

Erst im Zuge des im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in ganz Europa grassierenden „Wagner-Fiebers“ sollte Bizets Meisterwerk seine Qualitäten voll entfalten. Ausgerechnet der vormalige Wagner-Jünger Friedrich Nietzsche war es schließlich, der sich im Mai 1888 im Fall Wagner – wenige Monate vor seinem geistigen Zusammenbruch – der Carmen annahm und diese gegen das Musikdrama und „Kunstwerk der Zukunft“ des Bayreuther Meisters ausspielte: „Diese Musik [Bizets Carmen] scheint mir vollkommen. Sie kommt leicht, biegsam, mit Höflichkeit daher. Sie ist liebenswürdig, sie schwitzt nicht. […] Diese Musik ist böse, raffiniert, fatalistisch: sie bleibt dabei populär – sie hat das Raffinement einer Rasse, nicht eines einzelnen. Sie ist reich. Sie ist präzise. Sie baut, organisiert, wird fertig: damit macht sie den Gegensatz zum Polypen in der Musik, zur ‚unendlichen Melodie‘.“

Carmen lässt Karten aus ihrer Hand fallen und schaut dabei einen Mann in Offizierskleidung lassziv an.
Carmen betört als Tänzerin und Spielerin die Männer und bringt deren Welt gehörig durcheinander.

Nietzsche hat diese Bemerkung offensichtlich als scharfe, „ironische Antithese gegen Wagner“ verstanden, wie aus einem Brief aus demselben Jahr 1888 hervorgeht. Gleichwohl hatte 1875 mit Carmen ein Werk das Licht der Opernbühne erblickt, das sich deutlich sowohl vom Musikdrama Richard Wagners als auch von dem durch das überragende Spätwerk Giuseppe Verdis erneuerten italienischen Melodrama absetzte und zu einem wichtigen Wegbereiter für den bald darauf einsetzenden Verismo auf der Opernbühne wurde.

Georges Bizet starb am 3. Juni 1875 im Alter von 36 Jahren. Vier Monate später feierte sein musikdramatischer Schwanengesang umjubelte Premiere an der Wiener Hofoper. Bizets einstiger Studienfreund – und wie dieser mit dem begehrten Rom-Preis ausgezeichnet – Ernest Guiraud hatte eigens für diese Produktion die ursprünglichen Dialoge zu Rezitativen umgearbeitet: Carmen war zu einer großen durchkomponierten Oper geworden und eroberte in dieser Version, die auch der neuen Erfurter Inszenierung zugrunde liegt, die Bühnen in aller Welt.

Carmen

Oper in vier Akten von Georges Bizet
Text von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée, Uraufführung Paris 1875

In französischer Sprache mit Übertiteln

Weitere Aufführungen:
Fr, 05.10. | Mi, 10.10. | Sa, 27.10. | Sa, 24.11. | So, 23.12.2012 |
So, 06.01. | Fr, 18.01. | Sa, 26.01. | So, 10.02. | Sa, 09.03. | So, 07.04.2013

Musikalische Leitung Joel Revzen
Ausstattung Hank Irwin Kittel
Inszenierung Bernard Uzan
Lichtdesign Thomas Hase

Mit Katarina Bradic*/ Mireille Lebel (Carmen, ein Zigeunermädchen);
Richard Carlucci (Don Jose, Sergeant);
Nico Wouterse* (Escamillo, Stierfechter);
Marisca Mulder / Ilia Papandreou (Micaëla, ein Bauernmädchen);
Jörg Rathmann / Marwan Shamiyeh (Remendado);
Florian Götz / Yoontaek Rhim** (Dancairo);
Vazgen Ghazaryan / Sebastian Pilgrim (Zuniga, Leutnant);
Florian Götz / Wieland Lemke** (Moràles, Sergeant);
Daniela Gerstenmeyer / Hyunjin Park** (Frasquita);
Mireille Lebel / Yunfei Lu** (Mercédès)

Gast ** Opernstudio

Hinweis:

Karten und Informationen unter www.theater-erfurt.de und Telefon 0361 22 33 155.

Die Fotos von Lutz Edelhoff und der Text wurden thueringen.de freundlicherweise vom Theater Erfurt zur Verfügung gestellt.