07.01.2013 08:41 Uhr

Naturschutz in Zeiten der Energiewende

Eine Silberdistel mit fünf Blüten aus der Nahaufnahme.
Die Silberdistel ist ein Zeichen der biologischen Vielfalt in der heimischen Natur. Foto: Karl-Friedrich Abe

Der Deutsche Naturschutztag findet in diesem Jahr erstmals in Thüringen statt. Knapp 700 Delegierte werden sich dabei mit dem Schwerpunktthema „Neue Energien“ auseinandersetzten. Die Teilnehmer wollen Wege aufzeigen, wie auf die aktuellen Herausforderungen für den Naturschutz in Zeiten der Energiewende reagiert werden kann. Konkrete Vorschläge sollen durch Fachbeiträge von Experten, intensive Diskussionen und Fachexkursionen in verschiedene Regionen des Freistaats zusammengetragen werden. Am Abend wird Bundesumweltminister Peter Altmaier zu diesem Thema sprechen.

Vor einer ca. zehn Meter hohen Biogasanlage steht ein Gülletraktor, im Hintergrund hinter Bäumen steht ein Windrad.
Biogasanlagen stehen für erneuerbare Energien, für Klimaschutz und eine nachhaltige Energieversorgung. Foto: TMLFUN

In seiner Begrüßungsrede erklärt Thüringens Umweltstaatssekretär Roland Richwien: „Die deutsche Energiewende hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Natur, die Wälder und Felder. Daher wünsche ich mir, dass die Naturschützer in Deutschland sich engagiert in die Energiewende einbringen. Denn wir stellen heute die Weichen dafür, wie morgen unsere Landschaften aussehen werden“, so der Staatssekretär.

Die Energiewende und der damit verbundene Ausbau der Leitungsnetze werden erhebliche Auswirkungen auf die Natur und Landschaft haben. Als ein Kernstück der Deutschen und Thüringer Umweltpolitik sind die „Erneuerbaren Energien“ für den Klimaschutz, für die Nachhaltigkeit der Energieversorgung und die Ablösung der Kernenergie zwingend notwendig. Sichtbare Zeichen der Energiewende sind jedoch auch immer höher werdende Windräder und große Windenergieparks auf dem Festland, die Anlage von großflächigen Fotovoltaikanlagen sowie die Erzeugung von Biogas durch vermehrten Anbau nachwachsender Rohstoffe. Energie aus Wind oder Sonne kommt ohne Verteilung über großräumige Leitungsnetze und ohne Speicherung nicht aus. Thüringen hat hier mit dem bereits in den 1990er Jahren gebauten Pumpspeicherwerk in Goldisthal sowie der Planung für die Querung einer 380 kV-Leitung durch den Thüringer Wald Erfahrungen bei der Energiewende und dem Netzausbau sammeln können. Weitere Projekte müssen sich jedoch im Hinblick auf den Naturschutz kritischen Fragen nach ihrer Notwendigkeit stellen.
 

Eine Überlandleitungwelche sich bis zum Horizont erstreckt.
Die Energiewende ist eng mit dem Ausbau der Leitungsnetze verbunden und hat erhebliche Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Foto: TMLFUN

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine strategische Überlebensfrage für die Menschheit. Denn nur diese garantiert die vielfältigen Leistungen der Natur für unsere Gesellschaft. Eine zukunftsfähige Energiewende kann deshalb nur unter Beachtung der Folgen für die biologische Vielfalt und eine nachhaltige Entwicklung von Natur und Landschaft erfolgreich umgesetzt werden. In grundlegende Entscheidungen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen deshalb dazugehörenden Fachfragen des Naturschutzes einfließen. Der 31. Deutsche Naturschutztag in Erfurt wird deshalb ein Positionspapier mit Forderungen für einen naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien verabschieden.

Eine Wiese mit purpurfarbene Orchideen bei blauen Himmel.
Orchideen sind Ausdruck einer intakten Natur und stehen unter Naturschutz. Foto: TMLFUN

Weiterhin werden außerdem aktuelle Entwicklungen im Naturschutz- und Umweltrecht, Kommunikations- und Bildungsfragen sowie ökonomischen Aspekte des Naturschutzes dargestellt und diskutiert. Flankiert wird das Vortragsprogramm durch interessante und vielfältige Exkursionen, Ausstellungen und Infostände sowie ein attraktives Begleitprogramm.

Der Deutsche Naturschutztag ist eine gemeinsame Veranstaltung des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz (BBN) e.V., des Bundesamts für Naturschutz (BfN), des Deutschen Naturschutzrings (DNR) e.V. sowie 2012 des gastgebenden Freistaats Thüringen, vertreten durch das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (TMLFUN).