Freiheit und Demokratie stärker als Mauer und Stacheldraht
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- Kleinberlin nannte der Volksmund Mödlareuth, weil mitten durch das Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze eine Mauer vom DDR-Grenzregime errichtet wurde. Foto: BGS
Am 13. August 1961 riegelten Volks- und Grenzpolizisten sowie Angehörige der Kampftruppen der DDR die Sektorengrenzen von Ostberlin nach Westberlin mit Stacheldraht ab. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit begannen in den darauffolgenden Tagen der Bau der Berliner Mauer und der Ausbau der innerdeutschen Grenze.
Diese Grenze, die Deutschland bis zum 9. November 1989 teilen sollte, war kein antifaschistischer Schutzwall, wie es in der DDR-Propaganda verlogen hieß, sondern ein Todesstreifen, in dem mehr als 900 Menschen bei der Flucht aus der DDR ihr Leben verloren.
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht würdigt anlässlich des Gedenkens an den Mauerbau vor 51 Jahren alle Maueropfer und ihre Hinterbliebenen: „Der 13. August 1961 ist ein tragisches deutsches Datum. Er war ein Schicksalstag für viele Menschen, die Grausamkeit des SED-Regimes am eigenen Leib erfahren oder gar mit dem eigenen Leben bezahlen mussten. Schließlich kamen bei Fluchtversuchen an der Berliner Mauer und im Grenzstreifen um die 1000 Menschen ums Leben. Sie dürfen nie in Vergessenheit geraten.“
„Der Bau der Berliner Mauer ist ein schreckliches Symbol für die Unterdrückung der Menschenrechte im Osten Deutschlands während des kalten Krieges. 51 Jahre nach dem Mauerbau und 22 Jahre nach der Wiedervereinigung leiden die Opfer der Diktatur noch immer an den Folgen der einstigen innerdeutschen Grenze.“
Lieberknecht mahnt: „Nur wenn wir immer wieder an das Geschehene erinnern, dann werden wir in der Zukunft Unrecht und Unfreiheit vermeiden können. Die Erfahrungen mit unserer Geschichte haben gezeigt: Wir müssen unsere Freiheit nutzen und den Nährboden für eine Wiederholung solcher Menschenverachtung trocken legen. Das bleibt unsere Verpflichtung und der Auftrag für alle nachfolgenden Generationen.“
Heute erinnern das Grenzlandmuseum Eichsfeld, das Grenzmuseum Schifflersgrund, das Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth und die Gedenkstätte Point Alpha an der Thüringer Landesgrenze nach Niedersachsen, Hessen und Bayern an die Teilung des deutschen Vaterlandes. Die Grenzmuseen sind Lernorte der Geschichte. Hier können die Besucher unmittelbar erfahren, mit welchen Schikanen des SED-Regimes die Menschen im Sperrgebiet leben mussten. Dafür standen nicht nur Todesstreifen, Selbstschussanlagen und Minenfelder.
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- Grenzsperranlage im Eichsfeld mit Blick auf Burg Hanstein. Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund
Die Schikanen reichten bis hin zu Zwangsaussiedlungen und der Schleifung von ganzen Dörfern. Bereits im Mai und Juni 1952 kam es zur „Aktion Ungeziefer“ und im Oktober 1961 zur „Aktion Festigung“, die im Bezirk Erfurt den Namen „Aktion Kornblume“ trug. Bei beiden Aktionen wurden 11.000 bis 12.000 Menschen auf Befehl der SED-Machthaber zwangsumgesiedelt. Mehr als 3.000 Menschen gelang aber vor diesen Strafmaßnahmen die Flucht in den Westen und damit der Weg in die Freiheit. Am 2. Oktober 1961 flohen 16 Familien, 53 Bewohner, davon 21 Kinder, des Ortes Böseckendorf in das niedersächsische Immingerode. Bereits im Jahr 1952 konnten sieben Familien, insgesamt 34 Personen, vom thüringischen Billmuthausen nach Bayern fliehen. Danach wurde das Dorf systematisch Schritt für Schritt zerstört und 1978 endgültig geschleift.
Im Laufe der Jahre perfektionierte das DDR-Regime die Grenzanlagen. Von 1970 bis 1983 wurden auf einer Länge von 440 km Selbstschussanlagen vom Typ SM- 70 montiert. Der Grenzzaun existierte auf einer Länge von 870 km, 230 km davon waren zusätzlich mit Minenfeldern gesichert. Entlang der innerdeutschen Grenze standen mehr als 430 Beobachtungstürme.
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- Sperranlage mit Beobachtungsturm im Jahr 1951 an der Grenze von Hessen nach Thüringen. Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund
Die friedliche Revolution im Herbst 1989 brachte nach 28 Jahren nicht nur die Mauer zum Einsturz, sondern die Völker in Mittel- und Osteuropa zerrissen den Eisernen Vorhang. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Einheit, ist für alle Deutschen der wichtigste Satz unserer Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!“ Wirklichkeit geworden.
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- Aktivitäten der Grenztruppe 1980 zum Ausbau der Grenzsperranlagen zwischen Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen. Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund
Hinweis:
Erstmals wurden im Jahr 2011 in Deutschland Orte mit zeitgeschichtlicher Bedeutung als europäisches Kulturerbe ausgezeichnet. Das EU-Kulturerbesiegel erhielten als Stätten des „Eisernen Vorhangs“ die Gedenkstätte „Point Alpha“, das Grenzlandmuseum Eichsfeld und das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth.
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- Eröffnung des Grenzübergangs Mödlareuth am 9. Dezember 1989. Foto: Bayerische Grenzpolizei, Alfred Eiber