„Auf die kleinen Einheiten kommt es an!“
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- Etwa 100 Gäste waren ins Schloss Thiergarten am Rande Bayreuths gekommen, um mit der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht über die „Kulturelle Identität im Zeitalter der Globalisierung“ zu diskutieren.
„Auf die kleinen Einheiten kommt es an!“ – Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht referierte beim 9. Bayreuther Kulturgespräch
Lieberknecht widmete sich in ihrem Festvortrag dem Thema „Kulturelle Identität in der Globalisierung: „In unserem Zeitalter kommt es vor allem auf zweierlei an: offen zu sein für die Welt und sich zugleich seiner eigenen Wurzeln zu vergewissern“, so Lieberknecht.
Kulturelle Identität werde in den kleinen Einheiten geprägt, zuallererst in den Familien und im engen regionalen Umfeld. „Was wir wirklich brauchen, ist Kultur und Natur, das ist elementar vor allem anderen“, sagte Lieberknecht. Kultur und Natur machten die eigene unverwechselbare Signatur eines Landes, egal ob Bayern oder Thüringen, aus. Deshalb räume sie den Landschaften – im geografischen, historischen und kulturellem Sinne – eine große Bedeutung zu. Lieberknecht sprach sich dafür aus, viel stärker als bisher den großen kulturellen Reichtum und die vielfältigen Schönheiten unseres Landes ins Bewusstsein zu rufen. Die Ministerpräsidentin verwies dabei auf den Kulturphilosophen Hermann Lübbe, der vom „Reiz des Wiedererkennens und Unterscheidens der deutschen Landschaften“ gesprochen hat. Deutschland sei aufgeblüht in seiner Vielfalt und profitiere noch heute von seiner regionalen Unterscheidbarkeit der Landschaften und Räume. Umso mehr gelte es, diese Vielfalt zu bewahren – auch mit Blick auf die europäische Integration. Das Subsidiaritätsprinzip, das im Grundgesetz über die föderale Mitbestimmung Eingang gefunden habe und auch im Lissabonner Vertrag verankert sei, dürfe nicht untergraben werden: „Soviel supranationale Zusammenarbeit, so viele Kompetenzen für Europa wie nötig; so viel Freiraum und Gestaltungsspielraum für die Regionen wie möglich“, so Lieberknecht.
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- Der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium hatte die Thüringer Ministerpräsidentin zum 9. Bayreuther Kulturgespräch eingeladen.
In ihrem Vortrag verwies sie zudem auf zahlreiche Verbindungslinien zwischen den Regionen Franken, Bayern und Thüringen. Angefangen bei den dynastischen Verbindungen des einstigen Herzogtums Coburg-Sachsen-Gotha über den Sängerkrieg auf der Wartburg und seine Einflüsse auf Richard Wagner bis hin zu Jean Pauls Wirken in Weimar und Bayreuth gebe es eine Fülle von Anknüpfungspunkte zwischen den Regionen. „Wir müssen das Geschaffene bewahren und noch mehr sichtbar werden lassen, gerade in Zeiten der neuen Medien, denn auch dort setzen wir die Inhalte noch immer selbst“, sagte die Ministerpräsidentin vor den rund 100 Zuhörern in Schloss Thiergarten am Rande Bayreuths.
Zum Thema Zuwanderung sagte Lieberknecht, dass Thüringen stets eigenes mit Fremden verbunden habe und daraus eine Erfolgsgeschichte wurde. „Je souveräner man zur eigenen Kultur steht, umso souveräner kann man auch mit anderen Kulturen umgehen“, so die Ministerpräsidentin. Natürlich müsse die Aufnahme auch für eine Gesellschaft verkraftbar sein.