07.01.2013 08:55 Uhr

Thüringen trägt bundesweite Verantwortung für Wildkatze

Eine graue Wildkatze liegt auf einem Ast auf der Lauer.

Im Harz und im Hainich sind noch ursprüngliche Wildkatzenpopulationen vorhanden. sind. In Thüringen war die Wildkatze nie ausgestorben. Neben bewaldeten Höhengebieten in Rheinland–Pfalz sind der Hainich und der Harz zentrale Verbreitungszentren der Wildkatze in Deutschland. „Thüringen trägt bundesweit Verantwortung für die Zukunft der Wildkatze“, sagte Staatssekretär Roland Richwien anlässlich eines Internationalen Symposiums „Europäische Wildkatze und Luchs“ in Jena.

Über 100 Teilnehmer aus Deutschland und dem europäischen Ausland trafen sich zum wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch über die Zukunft der Wildkatze und des Luchses. An dem Symposium nahmen Referenten aus Polen, Italien, der Schweiz und aus Deutschland teil, weitere Teilnehmer kamen aus den Niederlanden und Österreich. Neben Vertretern der öffentlichen Verwaltung aus Bund, Ländern sowie aus Landkreisen kamen auch Vertreter aus dem Landesjagdverband, aus Jagdgenossenschaften, Forstbetriebsgemeinschaften und von wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Universitäten.

Veranstalter des Internationalen Symposiums war die Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e. V. (AAT) und Mitveranstalter der Landesjagdverband Thüringen e. V. sowie die Senckenberg Naturhistorische Sammlung Dresden (Wildlife Ecology and Management Dresden University of Technology).

Die Figur einer Wildkatze neben einem Willkommensschild für das Wilkatzendorf Hütscheroda

Thüringen hat schon seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle beim Thema Wildkatze. Bereits im Jahr 1995 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) den Anstoß zum „Artenschutzprogramm Wildkatze“ gegeben. Mit dem vom TMLFUN geförderten Programm wurden zunächst die verbliebenen Restbestände der Wildkatze landesweit erfasst. Anschließend hat der BUND vor Ort im Hainich im Rahmen eines Telemetrieprojekts untersucht, wie sich die Tiere hier im Grenzbereich zwischen den gesicherten Vorkommen im Hainich und den nördlicher gelegenen bewaldeten Höhenzügen sowie zu den südlicher gelegenen Vorkommen im Thüringer Wald verhalten. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass es zur Stabilisierung der vorhandenen isolierten Inselbestände langfristig der großräumigen Lebensraumvernetzung bedarf. Dem widmet sich das Folgeprojekt des BUND „Ein Rettungsnetz für die Wildkatze“.

Für den Nationalpark Hainich ist die Wildkatze sowohl Aushängeschild als auch Symboltier. Mit dem "Wildkatzendorf" Hütscheroda hat der Nationalpark Hainich eine neue Attraktion erhalten. Dort wird die in der freien Natur so scheue Wildkatze für die Besucher des Nationalparks erlebbar. Der Freistaat hat die Anlagen deshalb aus Mitteln der Tourismusförderung unterstützt. Gelder aus dem Förderprogramm "Entwicklung von Natur und Landschaft" des TMLFUN flossen in eine Ausstellung, die über die Ökologie, Gefährdung und den Schutz der Wildkatze informiert.
Der Luchs, der noch 1992 als ausgestorben galt, wird inzwischen hin und wieder in Thüringen gesichtet.

Ein mitteldeutscher Laubwald mit einem kleinem Weg in der Mitte im Sommer.

Hintergrund:
Thüringen verfügt auf nur 4,5 Prozent der Fläche Deutschlands über eine herausragende biologische Vielfalt, kurz Biodiversität. Mehr als zwei Drittel der in Deutschland heimischen Tier- und Pflanzenarten kommen hier in Thüringen vor. Für einige der Arten trägt der Freistaat eine besondere Erhaltungsverantwortung, da das Hauptvorkommensgebiet dieser Arten in Thüringen liegt.