07.01.2013 08:50 Uhr

Verführerische Frau und Wirtin

Eine Gruppe von Menschen die ihre Arme in die Richtung des Mannes in der Bildmitte ausstrecken.
Im Etablissement der Wirtin Nastasja geht es hoch her. Szene aus dem 1. Akt währen der Proben zu Tschaikowskys Oper „Die Zauberin“ am THEATER ERFURT.

Ihre Herberge in der Handelsstadt Nischni Nowgorod ist der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Freie Liebe,Trinkgelage, Schlägereien und Glücksspiel machen das Gasthaus zu einer Brutstätte des Widerstands gegen den Statthalter, den Fürsten Nikita. Die Männer in Nastasjas Umkreis träumen aber auch von einer neuen Form der Gesellschaft. Ihre Hoffnung ist auf Nikitas Sohn, Prinz Juri, gerichtet, der einen ganz anderen Umgang mit Macht und Politik vertritt als sein Vater.

Mamirow, Nikitas puritanische und sexuell frustrierte rechte Hand, setzt den Fürsten unter Druck, um dem „Sodom” von Nastasja und Konsorten ein Ende zu machen und das Gasthaus zu schließen. Er hat dabei aber seine Rechnung ohne die Wirtin Nastasja gemacht, die Nikita bei einem Besuch des Gasthauses völlig den Kopf verdreht. Die Vermutung eines Verhältnisses zwischen der „Zauberin” und dem Fürsten ist für Nikitas Sohn Juri Anlass genug, gegen die politische Herrschaft seines Vaters zu rebellieren. Es kommt zu einer totalen Konfrontation zwischen Vater und Sohn in Sachen Liebe und Politik. Fest entschlossen Nastasja umzubringen, fällt auch Juri ihrer bezaubernden Art zum Opfer. Tief getroffen von ihrer Aufrichtigkeit, Wehrlosigkeit und Leidenschaft verliebt sich der Prinz im Handumdrehen in die Frau, die schon lange ein Auge auf ihn geworfen hatte.

Eine singende Frau vor einer Wand mit Graffiti.
Verführerische Frau und Wirtin: Ilia Papandreou als Nastasja während der Proben zur Erfurter Inszenierung von Tschaikowskys Oper „Die Zauberin".

Nastasja und Juri wollen aus der ihnen immer feindlicher gesonnenen Gesellschaft fliehen, aber die Eifersucht und Machtgier der älteren Generation holt sie ein. Nikita ermordet seinen Sohn, und seine Gattin, die Fürstin Eupraxia, tötet ihre Erzrivalin Nastasja. Nachdem alle Rachegefühle befriedigt wurden, kehrt das Leben in Nischni Nowgorod wieder zu seinen alten gesellschaftlichen und politischen Werten zurück.

Die Zauberin ist eine zwischen den beiden auf Dichtungen Puschkins basierenden Meisterwerken Eugen Onegin und Pique Dame entstandene Oper Peter Tschaikowskys. Sie wurde seit ihrer Uraufführung 1887 bis heute nur selten aufgeführt, was daran liegen mag, dass sie auf keiner prominenten literarischen Vorlage basiert. Die Musik jedoch weist alle die Qualitäten auf, für die Tschaikowsky steht: leidenschaftliche Charaktere, einfühlsame Melodien, brillante Orchestrierung und dramatische Ensembleszenen. Zu der Vielzahl mitreißender Melodien, die von der russischen Volksmusik inspiriert wurden, gehört sicher das Thema von Nastasjas Arioso im ersten Akt, in dem sie die weite Landschaft rund um ihr Gasthaus besingt, in der die Flüsse Wolga und Olga zusammenfließen. Dieser Anblick lässt Kummer und Sorgen des Alltags vergessen und bietet den Menschen ein herrliches Gefühl der Freiheit und der Weite.

Ein Mann in einem Teufelskostüm auf dem Tisch an dem er sitzt liegt ein Kopf.
Das Erfurter Urgestein Jörg Rathmann als Teufel und Markus Petsch als Prinz Jurij während der Proben zur Erfurter Inszenierung von Tschaikowskys Oper „Die Zauberin".

Regie führt Tatjana Gürbaca. Die Operndirektorin des Staatstheaters Mainz und seit vielen Jahren an großen Opernhäusern erfolgreiche Regisseurin hat die Handlung der Tschaikowsky-Oper in die Gegenwart verlegt und damit in die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Die Bühnenbilder sind das Werk von Klaus Grünberg.

In den Hauptpartien der Oper sind am THEATER ERFURT Ilia Papandreou, Juri Batukov, Olga Savova, Vazgen Ghazaryn und Markus Petsch zu erleben - die musikalische Leitung hat Johannes Pell. Die Oper ist eine Koproduktion mit der Flämischen Oper in Antwerpen/Gent.

Hinweis:

Weitere Aufführungen Sa, 09.06. l  So, 17.06. l Mi, 20.06. l Fr, 22.06.2012

Weitere Informationen unter: www.theater-erfurt.de

Tel. Kartenservice 0361/2233155 (tägl. 10 bis 18 Uhr)

Die Fotos von Lutz Edelhoff wurden thueringen.de freundlicherweise vom THEATER ERFURT zur Verfügung gestellt.