07.01.2013 08:46 Uhr

Ein Informationsportal für Thüringen

Das Internetangebot des Freistaats Thüringen wäre ohne Mr. thueringen.de – Hans Werner Fell - nicht denkbar gewesen. Seit dem Start im Jahr 1996 hat der rührige Regierungsdirektor das Internetangebot des Landes koordiniert. Jetzt ist er im unruhigen Vor-Ruhestand und zieht Bilanz über sein Wirken für thueringen.de.

Foto: Hans Werner Fell 570
Hans Werner Fell

Zwei Männer sitzen in ihrem Büro und lesen Zeitung. Da nimmt einer die Zeitung herunter und sagt zu seinem Gegenüber: „Du, wir müssen ins Internet!“ Da erwidert der andere: „Wieso denn das?“ Der schaut der Erstere wieder in seinen Artikel und sagt: „Das steht hier nicht!“


Mit diesem Witz aus einer großen deutschen Zeitung aus dem Jahr 1996 habe ich so manchen Vortrag begonnen, den ich in den Jahren nach dem Start des Internet-Angebotes unter www.thueringen.de gehalten habe. Er beschreibt so zutreffend die Situation, mit der wir uns in den ersten Jahren auseinander zu setzen hatten. Jede Institution, jedes Unternehmen und schon ganz und gar jede Landesregierung, mit einem innovativem Anspruch, wollte mit einer eigenen Homepage ins Internet. Aber konkrete Vorstellungen oder gar Standards gab es noch nicht. So gingen die Vorstellungen natürlich weit auseinander.

Presseinfo Thueringen.jpg
eine Pressemitteilung aus dem Jahr 1996 zum Start der neuen Webseite

Am 15. März 1996 gingen wir mit wenigen Seiten unter www.thueringen.de ins Netz. Die Angebote (Buttons mit Bezeichnungen) auf der Homepage erweckten bereits den Anspruch eines allumfassenden Informationsportals. Jedoch bereits nach sehr wenigen Klicks wurden dann Kaffeetassen mit der Unterschrift „An diesem Angebot wir noch gearbeitet“ angezeigt. Der wirkliche Grund für diese fehlenden Angebote war ganz einfach, dass es für die hierfür notwendige Informationsbeschaffung keine Strukturen, keine Quellen und kein Geld gab.

Was ist aber ein Informationsportal?


Immer wenn ich auf einer Autobahn die Landesgrenze passierte und die Begrüßungsschilder unseres Freistaats Thüringen mit der Aufschrift www.thueringen.de sah, war mir der Anspruch klar, den diese Schilder bei den Besuchern unseres Landes, weckten. Es ist ganz einfach der Anspruch, umfassende Informationen über dieses Land zu erhalten oder aber zumindest auf diese umfassenden Informationen zu verweisen. Diesen Anspruch haben sowohl die Bürger dieses Landes, Menschen, die eventuell Bürger werden wollen, Investoren und selbstverständlich Touristen. So war ich von Anfang an überzeugt, dass man mit dem Medium Internet für den Freistaat mit vergleichsweise geringen Kosten eine sehr wirksame Eigenwerbung aufbauen und etablieren könnte und so dem Anspruch der Nutzer eines solchen Angebotes an einen Mehrwert, einen Nutzen gerecht werden könnte.

Aller Anfang ….

In der Staatskanzlei war es natürlich kein Problem, Reden des Ministerpräsidenten, sein Foto, seine Vita oder Beiträge über Veranstaltungen ins Netz zustellen, die im Umfeld der täglichen Arbeit einfach vorhanden waren. Es war aber nahezu unmöglich, die vielen anderen interessanten Aspekte eines Landes wie Wirtschaft, Kultur, Natur, Bildung, die in anderen Ministerien bearbeitet wurden, so aufbereitet anbieten zu können, dass sie dem Besucher eines Internetportals genügt hätten. Die hierfür notwendigen redaktionellen Strukturen waren einfach nicht vorhanden und so entwickelte sich die Homepage von www.thueringen.de im internen Sprachgebrauch der Landesregierung immer mehr zur Homepage der Staatskanzlei. Das wiederum hatte zur Folge, dass in den Folgejahren weitere Ministerien ihre EIGENE Homepages einrichteten, dort über ihre Themen berichteten und damit eine dezentralisierte Information über die Arbeit der Landesregierung, der Ministerien und nachgeordneten Behörden zum Alltag wurde.

Ein geschmückter Wagen zur Parade des Thüringentages in Mühlhausen
Der Thüringentag war ein fester Bestandteil im Informationsangebot von www.thueringen.de

In den Anfangsjahren hatten wir noch versucht, dieser Entwicklung entgegen zu wirken und den umfassenden Charakter der Homepage zu unterstreichen. Zum Beispiel hatte ich mit einem Arnstädter Verlag vereinbart, Thüringer Kochrezepte ins Netz stellen zu dürfen. Weiterhin gab es Gespräche mit der Deutschen Bahn über einen Onlinefahrplan unter www.thueringen.de und Gespräche über eine Präsentation des Erfurter Flughafens. Der am öffentlichsten gewordene Versuch war ein Link auf eine Seite mit Beamtenwitzen. Dieses Angebot auf dem Server eines Kommunalverbandes in den alten Bundesländern hatten wir entdeckt und als Auflockerung in unserem Angebot verlinkt. Problematisch – und damals noch nicht rechtlich geklärt – war, dass man in der Navigation des betreffenden Kommunalverbandes nach weiteren zwei Klicks auf die „Seite der Woche“ kam. Dort hatte ein findiger Bürgermeister, um die Klicks auf seine Seite zu erhöhen, eine nackte Dame eingebaut. Das hatte die Bildzeitung bemerkt und titelte mit „Staatskanzlei mit Sexlink im Internet“. Nach heutiger Rechtslage kein Thema mehr, machte die Sache damals ziemliche Wellen und verbannte alle „Leichtfüßigkeit“ für immer von unseren Seiten.

Altes Layout Thueringen De
Das ursprüngliche Layout der Webseite thueringen.de aus dem Jahr 1996

Aus der Not eine Tugend machen

Bereits im Jahr 2000 hatten wir uns entschlossen, die inzwischen umfangreichen - wenn auch dezentralen - Angebote mit einem  Contentmanagementsystem zu produzieren. Diese Systeme stellen den Redakteuren Masken bzw. Werkzeuge zur Verfügung, mit denen auch Internet-Laien professionelle Inhalte produzieren können.  Durch eine vorteilhafte Lizenznahme sowie eine universelle Bedienoberfläche waren und sind wir in der Lage, mit sehr geringen Kosten neue Mandanten, also neue Homepages, anzulegen und das alles mit einem System, welches auf nur einem Server installiert ist. In den zurückliegenden 12 Jahren haben alle Thüringer Ministerien und sehr viele nachgeordnete Behörden freiwillig das Angebot zur Nutzung dieses Produktionssystems genutzt. Bis zum heutigen Tag produzieren nahezu 400 Online-Redakteure ca. 80 Mandanten (selbstständige Homepages) mit mindestens 70.000 Seiten. So ist es schließlich gelungen, ohne eine Zentralredaktion für ein Informationsportal, dem Besucher von www.thueringen.de umfangreiche Informationen zur Verfügung zu stellen.

Foto Busch in Weimar Bildtext: Einer der vielen Höhepunkte auf www.thueringen.de war der Besuch des ehemaligen US-Präsidenten George Bush im Freistaat.

der ehemalige US-Präsidenten George Bush besuchte Weimar
Einer der vielen Höhepunkte auf www.thueringen.de war der Besuch des ehemaligen US-Präsidenten George Bush im Freistaat.

Auf Grund der dezentralen Informationsangebote war es gängige Praxis, dass Benutzer unseres Internetangebotes die gewünschten Inhalte „gegoogelt“ haben, da sie über die Homepage oder die Navigation viel zu schlecht auffindbar waren. Darüber hinaus fehlten viele Informationen, die vom Benutzer erwartet, aber von den Behörden nun einmal nicht bereitgestellt werden können.

Höchste Zeit für einen Neubeginn

Aus den genannten Gründe, aber auch wegen dem inzwischen überholten Design aus dem Jahr 2000 wurde eine Neugestaltung von www.thueringen.de in Angriff genommen. Kernpunkte sind

  • eine konsistente Navigation
  • eine thematische Auflistung aller Inhalte im Portal
  • ein neues modernes Design
  • die Einbeziehung des Serviceportals
  • ein modernes Vorschlagssystem
  • weitere Angebote wie Wetter, Verkehrslage, Veranstaltungen, statistische Daten, Nachrichten usw.


Mit der Freischaltung der neuen Homepage am 5. Mai wird nun der Startschuss für eine tiefgreifende Umgestaltung gegeben. Alle Arbeiten mussten auf dem einen Produktionssystem vorbereitet werden, mit dem auch alle anderen Internet-Angebote gepflegt werden. Nur so ist es möglich, mit den zentralen Migrationswerkzeugen alte Inhalte auf einfache und effiziente Weise in das neue Layout zu überführen.

Ende gut alles gut?

Mit dem Start der neuen Homepage werden heute, am 5. Mai 2012, die Weichen für ein Informationsportal unter www.thueringen.de gestellt. Mit der schrittweisen Überführung aller Inhalte in das neue Layout und vor allem die Einbeziehung in die neuen Funktionen, die Suche, soziale Netzwerke und einer Vielzahl modular abrufbarer Applikationen wird die Homepage des Freistaats Thüringen schrittweise vom dezentralen Verwaltungsangebot zu einem wirklichen Informationsportal für den Freistaat Thüringen entwickelt.

Selbstverständlich muss der eingeschlagene Weg konsequent fortgesetzt werden. Es gibt genügend Partner in Thüringen, die hervorragende Informationen zur Verfügung stellen, die auf oder zumindest über www.thueringen.de sehr effektiv für einen emphatischen Gesamteindruck unseres Landes sorgen können. Nicht zu vergessen sind dabei natürlich immer die vielen Online-Redakteure, die regelmäßig geschult und auf die konsequente Produktion barrierefreier Seiten vorbereitet werden müssen. Last but not least muss schrittweise eine funktionierende Portalredaktion installiert und arbeitsfähig gemacht werden.

Auch wenn ich ein paar Wochen vor diesem wichtigen Meilenstein in der 16jährigen Geschichte von www.thueringen.de aus Altersgründen von Bord gegangen bin, wünsche ich allen Mitwirkenden an diesem Megaprojekt gutes Gelingen.

Eininformationsportal
Hans-Werner Fell