300 Jahre Altes Schloss Ettersburg
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- Schloss Etterburg auf dem Ettersberg bei Weimar ist zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Impulsgeber weit über Weimar und Thüringen hinaus geworden. Foto:Marcus Scheidel
„Schloss Ettersburg ist wieder zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Impulsgeber geworden. Seine Ausstrahlungskraft reicht inzwischen weit über Weimar und Thüringen hinaus“, sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht anlässlich eines Festaktes und des Tags des offenen Tores zum 300jährigen Bestehen des Schlosses auf dem Ettersberg bei Weimar.
Tausende nutzen am Sonntag (5. Februar) die Gelegenheit, sich von der Leuchtkraft dieses kulturellen Leuchtturms zu überzeugen. Schloss Ettersburg erlebte unter Herzogin Anna Amalia als Musenhof von Weimar seine erste Blüte. Geistesgrößen wie Goethe, Schiller, Herder und Wieland gaben sich hier unter der „Schirmherrschaft“ der Herzogin ein Stelldichein. Im 19. Jahrhundert trafen sich unter Herzog Carl Alexander Franz Liszt, Hans Christian Andersen, Friedrich Hebbel und andere bedeutende Geistesgrößen auf dem Ettersberg. Heute arbeitet das Bildungswerk Bau Hessen-Thüringen, dem das Schloss seit Abschluss der Sanierungsarbeiten im Jahr 2008 gehört, an einer dritten Blütezeit. Zuvor hatte im Jahr 2005 der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen mit der Sanierung des Weltkulturerbes begonnen.
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- Mit einem Festakt wurde das 300 jährige Bestehen des Alten Schlosses Ettersburg gefeiert. Foto: Marcus Scheidel
Die Ministerpräsidentin würdigte das Engagement vieler kulturinteressierter und geschichtsbewusster Weimarer Bürgerinnen und Bürger, die sich im Bunde mit großen Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt und Jorge Semprùn für den Erhalt des Schlosses eingesetzt haben. „Letztlich aber wäre das Schloss ohne das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen, ohne den Bauindustrieverband Hessen-Thüringen und ohne die ARGE Ettersburg Ettersburg nicht aus seinem Dornröschenschlaf erwacht“, sagte Lieberknecht weiter.
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- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht würdigte in ihrer Rede die kulturelle Leuchtkraft von Schloss Ettersburg, die weit über Thüringen hinaus reicht. Foto: Marcus Scheidel
Auch wenn das Schloss Ettersburg hoch über der Stadt throne: „Ettersburg ist am Puls der Zeit. So engagiert wie die Bauhaus-Akademie an der Zukunft des Bauens arbeite, so widmet sich die ‚Stiftung Schloss Ettersburg – Gestaltung des demographischen Wandels’ einer der größten gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen – in Thüringen, in Deutschland und in vielen anderen Industriestaaten weltweit. Und ich bin dankbar, dass die Stiftung auch eng mit der Landesregierung zusammenarbeitet, besonders mit Blick auf die Serviceagentur ‚Demographischer Wandel’“, betonte die Ministerpräsidentin.
Lieberknecht erinnerte auch daran, dass mit Schloss Ettersburg – der einstige Musenhof von Weimar – der große Kontrapunkt zum Konzentrationslager Buchenwald auf der anderen Seite des Ettersbergs bewahrt wurde. Nach den Worten der Ministerpräsidentin ist der Ettersberg ein Brennpunkt deutscher Kultur und Unkultur zugleich. „Während die Gedenkstätte KZ Buchenwald sich in ganz hervorragender Weise der Erinnerung und dem Gedenken an die Gräuel des Nationalsozialismus widmet, wird auf dieser Seite des Berges an die Blütezeit deutscher Kultur gedacht und – daran angeknüpft. Größer kann ein Kontrast nicht sein. Dabei teilen beide – Gedenkstätte und Schloss – eine Gemeinsamkeit: Sie schaffen jede auf ihre Art aus der Vergangenheit heraus Bewusstsein für die Zukunft. Wo wir in Buchenwald in den Abgrund menschlichen Ungeistes blicken, da zeigt uns das Schloss Ettersburg, welche ungemein produktive und kreative Kraft der menschliche Geist entfalten kann“, sagte die Ministerpräsidentin.
Weimarer Musenhof – Die Geschichte von Schloss Ettersburg
Das Jagdschloss Ettersburg wurde von 1706 bis 1711 auf den Grundmauern des einstigen Chorherrenstifts in Ettersburg errichtet. Baumeister Johann Mützel konzipierte zunächst eine Dreiflügelanlage, die sich nach Süden öffnet. Wenige Jahre später wurde die Anlage im Süden durch ein freistehendes Corps de Logis abgeschlossen, das so genannte „Neue Schloss“.
Anna Amalia wählte Schloss Ettersburg um 1775 als Sommersitz und ließ eine Parklandschaft mit Waldnischen, Einsiedelei, Naturtheater, Aussichtspavillon, Skulpturen und Steinbänken errichten. Im Festsaal des Alten Schlosses wurde ein Theatersaal eingerichtet, in dem die Aufführungen des Liebhabertheaters stattfanden. Die Kunst hielt Einzug in Ettersburg, das zum Weimarer Musenhof avancierte. Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Justin Bertuch, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland waren häufige Gäste auf Schloss Ettersburg.
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- Schloss Ettersburg im Winter.
Nachdem der Hof bereits wenige Jahre später den Sommersitz nach Schloss Tiefurt verlegte, wurde es still in Ettersburg. Angezogen von der Ruhe und Beschaulichkeit kam Friedrich Schiller 1799 an diesen Ort, um sein Werk „Maria Stuart“ zu beenden. Herzog Carl August besuchte das Anwesen häufiger und richtete es erneut als Jagdschloss ein. Zu einer der größten und prominentesten Jagdveranstaltungen auf Schloss Ettersburg kamen nach dem Erfurter Fürstenkongress 1808 unter anderem Zar Alexander I. und Napoleon. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Ettersburg unter Carl Alexander erneut zum Ort kultureller, intellektueller und künstlerischer Begegnungen. Durch Besuche zahlreicher Künstler wie Franz Liszt, Hans Christian Andersen und Friedrich Hebel entstand ein zweiter Musenhof.
Mit der Abdankung des letzten Herzogs von Sachsen-Weimar ging Schloss Ettersburg 1919 in den Besitz des Landes Thüringen über. Eine Schule mit Internat wurde eröffnet, etwa 80 Schüler bewohnten gemeinsam mit ihren Lehrern in familienartigen Gemeinschaften das Schloss. Einer der berühmtesten Schüler war Wernher von Braun. Ab 1937 errichteten die Nationalsozialisten in der Nähe das Konzentrationslager Buchenwald. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sowjetische Truppen ein, später diente das Schloss als Altenheim. Ab Ende der 70er Jahre stand die Anlage leer und verfiel. 1999 wurde eine 250 Jahre zuvor geschlagene Schneise im Park wieder freigelegt. Diese sogenannte "Zeitschneise" verbindet heute Schloss Ettersburg und die KZ-Gedenkstätte Buchenwald.
Am 3. März 1990 wurde in der Schlosskirche das „Kuratorium Schloss Ettersburg e.V.“ gegründet. Mit einer Vielzahl von kulturellen Aktivitäten sorgte das Kuratorium bis 2009 dafür, dass Schloss Ettersburg seiner facettenreichen Geschichte gemäß ins öffentliche Bewusstsein gehoben wurde. Damit konnten wichtige Voraussetzungen für die eindrucksvolle Revitalisierung dieses Barockensembles durch das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen geschaffen werden.
Nachdem der Hof bereits wenige Jahre später den Sommersitz nach Schloss Tiefurt verlegte, wurde es still in Ettersburg. Angezogen von der Ruhe und Beschaulichkeit kam Friedrich Schiller 1799 an diesen Ort, um sein Werk „Maria Stuart“ zu beenden. Herzog Carl August besuchte das Anwesen häufiger und richtete es erneut als Jagdschloss ein. Zu einer der größten und prominentesten Jagdveranstaltungen auf Schloss Ettersburg kamen nach dem Erfurter Fürstenkongress 1808 unter anderem Zar Alexander I. und Napoleon. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Ettersburg unter Carl Alexander erneut zum Ort kultureller, intellektueller und künstlerischer Begegnungen. Durch Besuche zahlreicher Künstler wie Franz Liszt, Hans Christian Andersen und Friedrich Hebel entstand ein zweiter Musenhof.
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- Auf Schloss Ettersburg, dem Weimarer Musenhof, trafen sich unter der „Schirmherrschaft“ von Herogin Anna Amalia Goethe, Herder und Wieland.
Mit der Abdankung des letzten Herzogs von Sachsen-Weimar ging Schloss Ettersburg 1919 in den Besitz des Landes Thüringen über. Eine Schule mit Internat wurde eröffnet, etwa 80 Schüler bewohnten gemeinsam mit ihren Lehrern in familienartigen Gemeinschaften das Schloss. Einer der berühmtesten Schüler war Wernher von Braun. Ab 1937 errichteten die Nationalsozialisten in der Nähe das Konzentrationslager Buchenwald. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sowjetische Truppen ein, später diente das Schloss als Altenheim. Ab Ende der 70er Jahre stand die Anlage leer und verfiel.
1999 wurde eine 250 Jahre zuvor geschlagene Schneise im Park wieder freigelegt. Diese sogenannte "Zeitschneise" verbindet heute Schloss Ettersburg und die KZ-Gedenkstätte Buchenwald.
Am 3. März 1990 wurde in der Schlosskirche das „Kuratorium Schloss Ettersburg e.V.“ gegründet. Mit einer Vielzahl von kulturellen Aktivitäten sorgte das Kuratorium bis 2009 dafür, dass Schloss Ettersburg seiner facettenreichen Geschichte gemäß ins öffentliche Bewusstsein gehoben wurde. Damit konnten wichtige Voraussetzungen für die eindrucksvolle Revitalisierung dieses Barockensembles durch das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen geschaffen werden.
Die Fotos wurden thueringen.de freundlicherweise von Schloss Ettersburg zur Verfügung gestellt.