Lieberknecht bei „Startschuss“ für größte Kulturbaustelle im Freistaat
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- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Kulturstaatsminister Bernd Neumann beim symbolischen Startschuss zum Perthes-Forum-Gotha.
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht besuchte heute (Donnerstag) zusammen mit dem Beauftragten der Bundesregieurng für Kultur und Medien, Staatsminister Neumann eine der bedeutendsten und weltweit einmaligen kulturellen Einrichtungen des Freistaats . „Das Barocke Universum Gotha steht für die Weltoffenheit und die große kulturelle Tradition in der Geschichte Thüringens“, sagte Lieberknecht.
Die Ministerpräsidentin gibt gemeinsam mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann, dem Thüringer Kulturminister Christoph Matschie und dem Oberbürgermeister der Stadt Gotha Knut Kreuch den symbolischen „Startschuss“ für das Perthes-Forum Gotha im ehemaligen Gebäude des Perthesverlages.
„'Das barocke Universum Gotha' wird als größte frühbarocke Schlossanlage Deutschlands nach umfassendem Umbau weltweit mit seinen Schätzen in der Kulturwelt im Brennpunkt stehen. Schließlich ist die Entwicklung höfischer Kunst und Kultur vom 17. Jahrhundert an keinem anderen Ort so beeindruckend und authentisch nachvollziehbar wie hier. Neben dem Schlossbau und dem Schlosspark sind alle Sammlungen seit über 350 Jahren an diesem Ort weitgehend erhalten geblieben. Das ist weltweit einzigartig; in Gotha wurde mit bildungspolitischem Sendungsbewusstsein und mit Neugier und Offenheit für das Neue - das Andersartige – ‚die Welt’ gesammelt“, sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht anlässlich des Baubeginns am Gothaer Perthes-Forum als Teil des geförderten Projektes „Barockes Universum Gotha“.
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- Mit Schloss Friedenstein in Gotha kann heute die größte frühbarocke Schlossanlage Deutschlands bewundert werden.
„Mit der Enthüllung des Bauschildes werden wir symbolisch den Startschuss für die größte Kulturbaustelle im Freistaat Thüringen setzen“, so Lieberknecht. „Für ein Projekt mit großer kulturgeschichtlicher Bedeutung, das in seiner Dimension gewaltig ist – geben Bund, Freistaat und die Stadt Gotha doch rund 30 Millionen Euro für den Umbau.“ Schließlich werde mit dieser baulichen und inhaltlichen Neukonstruktion das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für den internationalen Stellenwert der in Gotha vorhandenen Schätze geschärft, so Lieberknecht. In diesem Zusammenhang nannte sie die Kunst- und Münzsammlung, das Ekhoftheater, die Perthes-Kartografie, die Forschungsbibliothek, die Gemäldesammlung und die naturkundliche Sammlung.
„Das barocke Universum ist kein nostalgischer Blick in die Vergangenheit. Es ist mit seinen kulturellen Impulsen richtungsweisend für die Zukunft“, betonte Lieberknecht. „Das Barockzeitalter wollte die Welt nach Hause holen. Und wir wollen, wenn wir die Gothaer Schätze neu aufbereiten und erschließen, die Welt an unseren immensen Kulturschätzen teilhaben lassen. Wir wollen die Neugier einer weltweiten Öffentlichkeit wecken.“
Weiter dankte die Ministerpräsidentin allen, „die ihren Beitrag zum neugestalteten barocken Universum leisten“: dem Bund, den zuständigen Thüringer Ministerien, der Stadt Gotha, der Stiftung Schloss Friedenstein für die exzellente Kreativität bei der Hebung und Präsentation der Gothaer Schätze, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin für die Investitionen in die Schlossimmobilie und nicht zuletzt der Kulturstiftung der Länder und der Siemens-Kulturstiftung sowie weiteren Mäzenen.
Die Ministerpräsidentin und der Kulturstaatsminister nahmen im Schloss auch die neu eingerichtete Kunstkammer sowie eine Auswahl von Münzen aus der mit Hilfe des Bundes, der Kulturstiftung der Länder, des Freistaats, der Siemens Kulturstiftung und weiterer Mäzenen rückerworbenen Münzsammlung in Augenschein.
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- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bei der Besichtigung der rückerworbenen Münzsammlung. Begleitet wurde die Ministerpräsidentin von Kulturstaatsminister Bernd Neumann,Thürigens Kulturminister Christoph Matschie und Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (v.l.n.r.). Foto: Marcus Scheidel
Im Perthes-Forum sollen neben dem Thüringischen Staatsarchiv Gotha Teile des Depots der Forschungsbibliothek Gotha, die Depots der Museen und Werkstätten für alle Einrichtungen untergebracht werden. Die Baumaßnahmen sollen 2014 abgeschlossen sein. Damit wird die nötige Baufreiheit auf Schloss Friedenstein für die dort dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen geschaffen. Gleichzeitig wird mehr Ausstellungsfläche gewonnen. Seit Oktober 2011 wird das Herzogliche Museum saniert, das bereits 2013 mit den bedeutenden Kunstsammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha eröffnet werden soll. Über 30 Mio. Euro werden in das derzeit größte Kulturbauvorhaben des Freistaats durch Bund, Land mit Unterstützung durch die Kommune investiert.
Für die Sanierung von Schloss Friedenstein hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin der Schlossimmobilie seit 2004 bereits rund 15 Mio. € investiert. Die stark schwammgeschädigten Dächer wurden saniert und die gesamte Entwässerung erneuert. Im Zuge der Gesamtmaßnahmen wurde bereits das Pagenhaus mit 1,1 Mio. Euro saniert und an die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha zur Nutzung als Forschungszentrum übergeben. Auch das südliche Orangeriegebäude wurde fertig gestellt. Die Arbeiten werden mit der Restaurierung des Mittelpavillons und des Westpavillons des sogenannten Lorbeerhauses fortgesetzt. Im Schloss konnte die Kunstkammer als ein touristischer Anziehungspunkt in den westlichen Vorräumen des Nordflügels eröffnet werden; Schwerpunkt der Restaurierungsarbeiten waren hier insbesondere die historischen Böden, Wand- und Deckenfassungen. Das Haupttreppenhaus im Ostflügel, das gleichzeitig Zugang zu der Forschungsbibliothek, dem Schlossmuseum und dem Spiegelsaal ist, wird grundlegend saniert und mit dem Einbau eines Fahrstuhls barrierefrei erschlossen. Im Englischen Garten wird die Wege- und Ufersanierung weiter fortgesetzt.
Die Forschungsbibliothek Gotha ist eine der großen deutschen Bibliotheken mit qualitätvollen historischen Beständen zur Frühen Neuzeit, die vor allem vom sich als Sachwalter des Luthertums verstehenden Herzoghaus Sachsen-Gotha (1640-1825) gesammelt worden sind. In ihren Beständen befinden sich ca. 690.000 Bände gedruckter Literatur seit der Erfindung des Buchdrucks, unter denen etwa 20% der Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts unikal nur in Gotha überliefert sind. Zu den Handschriften, Autographen und Nachlässen zählen ca. 3.500 orientalische Kodizes, damit bewahrt die Forschungsbibliothek nach den Staatsbibliotheken in Berlin und München die drittgrößte Sammlung in Deutschland. Neben den bedeutsamen Altbeständen der Forschungsbibliothek gehört vor allem die international renommierte Sammlung Perthes mit ihren ca. 185.000 Karten, darunter ca. 2.200 Schulwandkarten, sowie 2.700 Atlanten, 1.650 Kupferdruckplatten und Globen zu den herausragenden Kulturgütern des Freistaats.
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- Zu den bekanntesten Kunstschätzen des Barocken Universums Gotha gehört der Dinglinger Elefant.
In der Kunstkammer, die einst der Präsentation von Macht und der Widerspiegelung persönlicher Weltvorstellungen diente, befinden sich einmalige Kunstschätze wie Goldschmiedearbeiten von Johann Melchior Dinglinger, eine Gewandgarnitur aus Türkisen, die die Gothaer Herzöge von Peter dem Großen als Geschenk erhielten, Nautiluspokale des 16. und 17. Jahrhunderts, geschnittene und geschliffene Gefäße aus Achat, Serpentin und Bergkristall, in Gold und Silber gefasste Elfenbeinpokale, Bernsteinarbeiten und astronomische Gerätschaften wie die Tischuhr von Wilhelm Pepfenhauser aus dem 17. Jahrhundert. Der Gothaer Münzschatz gehört zu einer der bedeutendsten Münzsammlungen der Welt. Die Ursprünge des Gothaer Münzkabinetts reichen bis in die Zeit Herzog Ernsts I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1601 bis 1675) zurück. Als er mit seinem Hofstaat 1646 das neu erbaute Schloss Friedenstein bezog, brachte er neben anderen Kunstschätzen auch 516 Münzen und Medaillen aus ernestinischem Familienbesitz von Weimar mit nach Gotha. Als Bestandteil der „Artificialia“ wurden diese in der 1653 im Westturm des Schlosses eingerichteten Kunstkammer gezeigt. Bereits Anfang des 18. Jh. stieg das Friedensteinische Kabinett zum bedeutendsten Münzkabinett in Deutschland und zu einer der führenden Münzsammlungen in Europa auf. Herzog Friedrich II. (1691 bis 1732) von Sachsen-Gotha-Altenburg krönte sein „Barockes Universum“ im Jahre 1712 mit einer einzigartigen Erwerbung. Er kaufte zu vorhandenen Beständen die damals europaweit wegen ihrer Raritäten in Gold und Silber gerühmte Münzsammlung des Schwarzburg-Arnstädter Fürsten Anton Günther II. (1666 bis 1716). Dieser Ankauf führte zur Errichtung eines eigenen Münzkabinetts im Ostflügel des Schlosses. Der bekannte Reiseschriftsteller des 18. Jahrhunderts Johann Georg Keyssler rühmte im Jahre 1741 das Gothaer Kabinett als eines „der vornehmsten in der Welt“.
[1] Die Finanzierung des Ankaufs der Münzsammlung in Höhe von 2,2 Mio. € stellt sich wie folgt dar:
Land Thüringen: 1.000.000 € (vorfinanziert EvSiemens-Kunststiftung)
KSL: 500.000 €
BKM: 500.000 €
Stiftung Schloss Friedenstein: 100.000 €
Mäzene: 100.000 €
Die Fotos wurden thueringen.de freundlicherweise von der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zur Verfügung gestellt.