07.01.2013 08:45 Uhr

Lieberknecht besichtigt jüdische Kulturstätten: "Lassen wir die Welt teilhaben an diesen Schätzen!"

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bei der Besichtigung der Mikwe als Zeugnis jüdischen Lebens in Erfurt. Foto: Marcus Scheidel
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bei der Besichtigung der Mikwe als Zeugnis jüdischen Lebens in Erfurt. Foto: Marcus Scheidel

„Die Wiederentdeckungen des reichen mittelalterlichen jüdischen Lebens in Erfurt sind immer wieder überraschend und beeindruckend. Sie fordern geradezu heraus, in unserer Zeit den geisteswissenschaftlichen und theologischen Dialog mit dem Judentum zu intensivieren. Für mich ist zum Beispiel der zu führende Diskurs im Rahmen der Lutherdekade nicht denkbar ohne den Beitrag des Judentums." Das sagte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht heute (17. Januar 2012) anlässlich ihres Besuchs des „Steinernen Hauses“ und der Mikwe in Erfurt.

Nach ihrem Besuch unterstütze sie mehr denn je die Bewerbung der Stadt Erfurt um den UNESCO-Weltkulturerbetitel. „Lassen wir die Welt teilhaben an diesen Schätzen“, erklärte Lieberknecht. „Sie haben eine kulturhistorische Bedeutung, die weit über Thüringen und Deutschland hinaus geht. Der Jüdische Schatz, dieser weltweit einzigartige Fund in Erfurt, die Alte Synagoge, die Mikwe, das „Steinerne Haus“ und die jüdischen Friedhöfe – sie alle sind einzigartig in ihrer Dimension.“

In diesem Zusammenhang bekräftigte die Ministerpräsidentin ihre Absicht, in Erfurt ein Zentrum für jüdische Studien einzurichten.

 

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (m.) bei der Besichtigung der Mikwe. Foto: Marcus Scheidel
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (m.) bei der Besichtigung der Mikwe. Foto: Marcus Scheidel

Hintergrund:

Das „Steinerne Haus“ ist Teil der städtischen Hofanlage „Zum Paradies“. In einem mehrteiligen Gebäudekomplex am Benediktsplatz 1 in der Erfurter Altstadt. Die frühesten Bauphasen des Kellers können anhand eines romanischen Portals in das 12. Jahrhundert datiert werden. Der übrige Bau stammt überwiegend aus dem 13. Jahrhundert und wurde lediglich im 14. Jahrhundert in einigen Teilen verändert. Deutschlandweit einzigartig ist die erhaltene Ausstattung des Obergeschossraumes mit spitzbogiger Lichtnische mit Rauchabzug, kaum veränderten Außenwänden mit Ritzfugen sowie einer farbig gefassten Holzbalkendecke. Die Deckenbretter sind einheitlich mit einem Radmotiv verziert, während die Balken jeweils unterschiedliche Ornamentik aufweisen. Die Deckenbalken konnten auf das Jahr 1241/42 datiert werden. Bei dem so genannten "Steinernen Haus" handelt es sich um ein herausragendes Zeugnis spätmittelalterlicher profaner Baukultur. Zudem kann nach Auswertung der mittelalterlichen Quellen das Gebäude spätestens seit 1294 jüdischen Besitzern zugeordnet werden.

Die Mikwe ist ein jüdisches Bad und wurde im Jahr 2007 entdeckt. Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie konnte den urkundlich seit Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnten Bau bei den anschließenden archäologischen Grabungen fast vollständig freilegen. Von dem rechteckigen Baukörper sind jeweils Teile des Untergeschosses noch vorhanden. Die Reste weisen deutliche Brandspuren auf. Der Eingang zur Mikwe ist nicht erhalten. Die älteste Synagoge in Erfurt ist bereits am Ende des 11. Jahrhunderts nachgewiesen, daher kann die Mikwe in das 12. Jahrhundert datiert werden.

 

Die Mikwe ist ein ein jüdisches Bad und wurde aufwändig saniert. Foto: Marcus Scheidel
Die Mikwe ist ein ein jüdisches Bad und wurde aufwändig saniert. Foto: Marcus Scheidel