07.01.2013 08:55 Uhr

Walsmann: Ausbau einer Partnerschaft auf Augenhöhe

Walsmann:  Ausbau einer Partnerschaft auf Augenhöhe
Walsmann: Ausbau einer Partnerschaft auf Augenhöhe

Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei, Marion Walsmann, erwartet neue Impulse für die Zusammenarbeit zwischen Thüringen und Ungarn. Dies sei die Botschaft, die von der 12. Sitzung der Thüringisch-Ungarischen Gemischten Kommission am 30. November und 1. Dezember in Budapest ausgegangen sei. Man habe vereinbart, die Partnerschaft neu zu beleben, ja auszubauen, "eine Partnerschaft auf Augenhöhe".

"Seit der letzten Sitzung im Jahr 2008 gab es auf beiden Seiten Neuwahlen, Strukturveränderungen, Neuorientierungen. Und wir in Thüringen haben uns gerade auf dem Gebiet der Europapolitik, der Internationalisierung viel vorgenommen", so die Ministerin. "In Zeiten der Globalisierung müssen wir über den eigenen Tellerrand blicken, wir müssen uns öffnen - mehr denn je." Vor allem auf dem Gebiet der Wirtschaft würden die Verbindungen noch enger. "Allein schon aufgrund unserer räumlichen Nähe ist der mittel- und osteuropäische Markt für unsere Unternehmen besonders wichtig. Zudem wird es künftig unerlässlich sein, dass Partnerregionen und -länder auf EU-Ebene ihre Interessen koordinieren und gemeinsam durchsetzen. Da sei Thüringen mit seinen Partnerregionen Kleinpolen und der Picardie auf einem guten Weg, "und auch mit Ungarn streben wir eine solche, für beide Seiten nützliche Partnerschaft an. Die Arbeit der Gemischten Kommission wird wesentlich dazu beitragen."

Bereits heute gebe es langjährige Kooperationen, wie zum Beispiel zwischen Gerichten, Hochschulen oder auf kulturellem Gebiet. "Gerade im beendeten Liszt Jahr waren die Kontakte besonders eng; so hat die ungarische Seite die vielfältigen Projekte des kulturellen Themenjahrs - so die Ausstellung „Franz Liszt – Ein Europäer in Weimar“ - unterstützt." Darüber hinaus gebe es 28 aktive Schulpartnerschaften mit Ungarn; außerdem habe vor wenigen Wochen ein Bioenergiesymposium in Jena stattgefunden.

"Das wesentliche Ergebnis der Sitzung der Thüringisch-Ungarischen Gemischten Kommission ist aber die Verabschiedung eines Arbeitsprogramms für die nächsten Jahre." Einen Schwerpunkt bilde dabei der demografische Wandel, dem sich beide Seiten - Thüringen wie Ungarn - stellen müssten. "Wir werden unsere Erfahrungen austauschen und so gemeinsame Projekte entwickeln. Thüringen wird an einer Internationalen Konferenz zum Demografischen Wandel in Budapest teilnehmen", kündigte Walsmann an.

Auch würde die Zusammenarbeit im Gesundheits- und Sozialbereich intensiviert. "So wollen wir uns über Modelle zur Förderung junger Familien, über Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und über Möglichkeiten zur Förderung von Lokalen Bündnissen für Familien austauschen. Weitere Themen werden die Verbesserung des Kinderschutzes, die soziale Integration von Minderheiten, Möglichkeiten zur verbesserten Mitwirkung und Teilhabe von Senioren sowie die Wiedereingliederung behinderter Menschen in Beruf und Gesellschaft sein."

Im Bereich der Ausbildung wolle Thüringen verstärkt Gasthörerplätze für ungarische Studenten an der Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gotha anbieten oder Praktikantenplätzen in der Vertretung des Freistaates in Brüssel bereitstellen. "Auch in der Staatskanzlei beschäftigen wir gerade eine ungarische Praktikantin."

Die Kooperation im Hochschulbereich solle auf Grundlage der aktuell 29 bestehenden thüringisch-ungarischen Vereinbarungen weiter ausgebaut werden. "Zudem werden die 17 ERASMUS-Vereinbarungen im Rahmen des EU-Bildungsprogramms 'Lebenslanges Lernen' zur Förderung der Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern zwischen den Hochschulpartnern in Thüringen und Ungarn fortgeführt", sagte Walsmann. Schließlich nannte Walsmann weitere Themen, bei denen die Kontakte intensiviert werden sollten: So in der Land- und Fortwirtschaft oder beim Naturschutz - vor allem bei der Umsetzung der Natura 2000-Programms -, bei der Denkmalpflege, der Lehrerfortbildung, Wirtschaft und Tourismus, Justiz, bei Forschungskooperationen, der Gesundheitsvorsorge bei Kindern und Jugendlichen, der Integration von Minderheiten, der Zusammenarbeit im Polizeibereich oder auch im Bereich des Brand- und Katastrophenschutzes.

"Das Arbeitsprogramm zeigt, dass wir eine lebhafte, vielfältige, aber auch praxisnahe und handlungsorientierte Partnerschaft mit Ungarn pflegen", fasste Walsmann zusammen. "Die Partnerschaft mit Ungarn steht somit modellhaft für die vielfältigen Bemühungen, die internationalen Beziehungen des Freistaats auszubauen, und ich freue mich auf die 13. Sitzung der Thüringisch-Ungarischen Gemischten Kommission, die im nächsten Jahr hier in Erfurt stattfinden wird."