07.01.2013 08:59 Uhr

Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Mühlhausen

Thüringen gedachte am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Foto: Marcus Scheidel
Thüringen gedachte am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Foto: Marcus Scheidel

Thüringen hat am Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert. Die Menschen im Freistaat gedachten der zahllosen Opfer der beiden Weltkriege, der Opfer von Gewaltherrschaft und SED-Unrecht, der Opfer von Mauer und Stacheldraht. Die Thüringer Landesfeier zum Volkstrauertag fand am Kriegerdenkmal am Stadtberg – Der Löwe in Mühlhausen statt.

"Wir wollen aller Kriegsopfer gedenken und den Angehörigen Trost spenden. Die Schicksale dieser Menschen mahnen uns, für Frieden und Freiheit einzutreten und stets nach demokratischen Lösungen zu suchen. Die, an deren Gräbern wir heute stehen, können ihre Geschichten nicht mehr selbst erzählen. Sie haben uns dieses Erbe übertragen. Und es sollte uns innere Verpflichtung sein, dieses Erbe hochzuhalten. Es sind Geschichten, die viele Botschaften tragen. Eine wichtige – die über allen stehende – Botschaft ist, für Frieden einzutreten und demokratische Lösungen, anstelle militaristischer Auseinandersetzungen. Versöhnung über den Gräbern ist ihr Leitgedanke“, sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in ihrer Gedenkrede.

Deutsche Kriegsgräberstätte la Cambe in Frankreich (Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
Deutsche Kriegsgräberstätte la Cambe in Frankreich (Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)

Die Regierungschefin würdigte das Engagement der im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Aktiven: „Die etwa 500 hauptamtlich und zehntausende ehrenamtlich engagierten Menschen, die seit 1919 im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge genau für diese Überzeugung arbeiten, mahnen unermüdlich die Völker zum Frieden und zur Achtung der Würde und Freiheit des Menschen. Die furchtbaren Kriege des 20. Jahrhunderts mit Millionen Toten, die Opfer von Diktatur und Gewaltherrschaft dürfen niemals vergessen werden. Mit der Pflege der Grabstätten erinnert der Volksbund an das Schicksal der Soldaten, der Bombenopfer, der Kriegsflüchtlinge und an die Leiden der Zwangsarbeiter. Er setzt wichtige Zeichen der Friedensarbeit und Toleranz in einer Welt, die immer wieder von Hass, Gewalt und Feindseligkeit bedroht ist.“

Deutsche Kriegsgräberstätte Vazec in der Slowakischen Republik (Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
Deutsche Kriegsgräberstätte Vazec in der Slowakischen Republik (Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht legte am Mühlhäuser Denkmal einen Kranz nieder. Am Volkstrauertag wurde in Thüringen an 564 Begräbnisstätten mehr als 100.000 Opfern und deren Familien gedacht. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich im Auftrag der Bundesregierung um Kriegsgräber auf über 800 Friedhöfen in 45 Ländern.

Am Mühlhäuser Stadtberg erhebt sich wie eine Bastion das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 1.337 Mühlhäuser Soldaten. Am 27. Oktober 1927 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung für das Ehrenmal. Das Denkmal, nach Entwürfen des Charlottenburger Architekten Carl Christoph Lörcher und des Berliner Bildhauers Max Kruse, wurde von der Mühlhäuser Baufirma August Schreiber und den Hausteinwerken Carl Schilling unter Leitung des Städtischen Hochbauamtes ausgeführt. Als Baumaterial wurde einheimischer Travertin verwendet. Die Einweihung des Denkmals erfolgte unter großer Beteiligung der Mühlhäuser Bevölkerung und Vereine am 5. August 1928, zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Das Denkmal ist seitdem zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Seit 1990 findet die alljährliche städtische Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag an diesem „Löwendenkmal“ statt.

Am Mühlhäuser Stadtberg erhebt sich wie eine Bastion das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 1.337 Mühlhäuser Soldaten. (Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen)
Am Mühlhäuser Stadtberg erhebt sich wie eine Bastion das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 1.337 Mühlhäuser Soldaten. (Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen)

Seit 1919 hat sich der Volksbund das Gedenken an die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft als Mahnung zum Frieden unter den Völkern und zur Achtung der Würde und Freiheit des Menschen zur Aufgabe gemacht. Der Volksbund veranstaltet seit 1924 jährlich die Gedenkfeiern. Der Landesverband Thüringen wurde 1991 gegründet.