07.01.2013 08:52 Uhr

Lieberknecht: „Erinnerungen an den 9. November wachhalten“

Die zerstörte Erfurter Synagoge
Die zerstörte Erfurter Synagoge

Der 9. November steht symbolisch für die wechselvolle deutsche Geschichte. Der 9. November 1938 erinnert schmerzvoll daran, dass in dieser Nacht auch in Thüringer Städten die Synagogen brannten. Dieser Tag steht als Fanal für die grauenvollen Verbrechen an den jüdischen Mitbürgern. Der 9. November ist als ein Höhepunkt der friedlichen Revolution von 1989 im Kalender der Deutschen Geschichte verzeichnet. An diesem Tag fiel nach 28 Jahren die Berliner Mauer, die Europa teilte.

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sagte anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 und der Maueröffnung am 9. November 1989:
„Der 9. November ist ein großer Tag der deutschen Geschichte, ein Tag, an dem Erinnerungen dominieren. Wir blicken zurück auf zwei Ereignisse, die so verschieden und doch so folgenreich für die deutsche und internationale Geschichte waren. Es sind schmerzhafte Erinnerungen an die grauenvollen Verbrechen an den jüdischen Mitbürgern und die gleichzeitige Ohnmacht von Menschen, gewachsen aus Wegsehen, aus Unterlassen, aus Nichtstun. Und es sind freudige Erinnerungen an einen der glücklichsten Tage in der deutschen Geschichte und an die Macht von Demokraten in ihrem Streben nach Freiheit, Demokratie und Menschenrechten.“

Die brennende Synagoge von Suhl
Die brennende Synagoge von Suhl

„Der 9. November ist ein tragisches deutsches Datum“, so die Ministerpräsidentin weiter. „Wir erinnern an die Nacht vor 73 Jahren, in der auch in Thüringen die Synagogen brannten, jüdische Friedhöfe geschändet, Geschäfte geplündert, demoliert und tausende Menschen deportiert worden sind. Wir gedenken der Opfer der Novemberpogrome, jener Verbrechen, die eine neue Dimension der Grausamkeit markierten.“

„Der 9. November ist zugleich ein Glückstag“, so Lieberknecht weiter. „Es ist 22 Jahre her, dass mutige Bürgerinnen und Bürger friedlich den Fall der Mauer herbeiführten. Mit Demonstrationen, mit Ansprachen, mit Gesang und mit Gebeten bereiteten sie den Weg für ein freiheitliches, demokratisches Miteinander. Mit der Öffnung der Grenzen wurde das Tor zur Freiheit und zur Demokratie und schließlich zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten weit aufgestoßen.“

Der Eiserne Vorhang zwischen Thüringen und Hessen ist zerrissen. Foto: Archiv Grenzmuseum Schifflersgrund
Der Eiserne Vorhang zwischen Thüringen und Hessen ist zerrissen. Foto: Archiv Grenzmuseum Schifflersgrund

„Wir haben aus dem 9. November gelernt. Wir werden die Erinnerungen wachhalten und gerade die leidvollen fruchtbar für die Gegenwart und die Zukunft machen“, betonte die Ministerpräsidentin. „Aus den Erfahrungen mit unserer Geschichte erwachsen die Pflicht und die Verantwortung, uns für ein friedliches Miteinander der Menschen einzusetzen. Wir müssen unsere Freiheit nutzen, allen Nährboden für eine Wiederholung solch’ unbeschreiblicher Grausamkeit, Brutalität und Menschenverachtung zu entziehen. Das bleibt unsere Verpflichtung – und der Auftrag für die nachfolgenden Generationen.“

Mit einer großangelegten Aktion begann am 1. April 1933 die Blockade von jüdischen Geschäften durch die Nationalsozialisten. Hier: SA-Männer vor dem Textilgeschäft Kanter in Rudolstadt, Untere Marktstraße 2, am 1. April 1933. Foto: Stadtarchiv Rudolstadt
Mit einer großangelegten Aktion begann am 1. April 1933 die Blockade von jüdischen Geschäften durch die Nationalsozialisten. Hier: SA-Männer vor dem Textilgeschäft Kanter in Rudolstadt, Untere Marktstraße 2, am 1. April 1933. Foto: Stadtarchiv Rudolstadt
Deportation der Juden aus Eisenach am 9.Mai 1942 – Bahnsteig, Bahnhof Eisenach. Foto: Stadt Eisenach, Stadtarchiv 41.3 J 481 (Fotograf: unbekannt)
Deportation der Juden aus Eisenach am 9.Mai 1942 – Bahnsteig, Bahnhof Eisenach. Foto: Stadt Eisenach, Stadtarchiv 41.3 J 481 (Fotograf: unbekannt)