Festakt zum kulturellen Themenjahr „Franz Liszt. Ein Europäer in Thüringen“
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- v.l.n.r.: Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf, Bundespräsident Christian Wulff, Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Generalintendant Stefan Märki im Foyer des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Foto: Jens Meyer
Mit einem Festakt im Deutschen Nationaltheater Weimar klang das kulturelle Themenjahr 2011 „Franz Liszt. Ein Europäer in Thüringen“ am 22. Oktober feierlich aus. In ihrem Grußwort würdigte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht Liszt als Klaviervirtuosen, Dirigent und Komponisten, der als Kosmopolit und künstlerischer Universalist in ganz Europa zuhause war. Das Themenjahr war mit mehr als 200 Veranstaltungen, der Landesausstellung, den Konzerten, Lesungen und Wettbewerben ein voller Erfolg.
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sagte weiter: „Wir haben mit unserem Liszt-Jahr das Ziel erreicht: Liszt hinaus in die Welt zu tragen, diesen revolutionären Musikerneurer wieder als Zeitgenossen neu zu entdecken, ihm mehr Resonanz, ihm wieder eine Renaissance, ein weltweites Podium zu verschaffen. Wir haben mit dem Liszt-Jahr die einmalige Chance genutzt, dass sich Thüringen in der Welt durch die nationale und internationale Strahlkraft dieses erfolgreichen Themenjahres nicht mehr nur durch die Dichterfürsten Goethe und Schiller, sondern einmal mehr durch Franz Liszt – den Musiker der Moderne – präsentieren kann.“
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- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht würdigte Franz Liszt als großen Europäer, der als Komponist "Weltliteratur in Tönen" geschaffen hat. Foto: Jens Meyer
Zu seinem musikalischen Schaffen sagte die Ministerpräsidentin: „Franz Liszt war ein Visionär, ein Kosmopolit, ein virtuoser Musiker, Komponist und Dirigent, der die Gestimmtheiten seiner Epoche aufnahm und in seiner Musik, in seiner Interpretation als blendendes Tastengenie furios zum Ausdruck brachte.“
Nach den Worten der Ministerpräsidentin war „Liszt ein Revolutionär der Klaviertechnik, ein Visionär, seiner Zeit weit voraus. In einer Zeit ohne Tonträger verbreitete er seine Musik, wie etwa die symphonische Dichtung, mit Konzertreisen quer durch Europa. Er gilt als Wegbereiter der programmatischen Musik, als Schöpfer der musikalischen Dichtung. Liszt war ein Künstler, ein Musikvirtuose, dem Grenzen – politische wie musikalische – wenig galten. Souverän überschritt er sie, heimlich oder offen kontrolliert von engstirnigen Grenzhütern und Gralshütern. Er war Humanist im Leben wie in der Kunst. Und vor allem: Liszt war Europäer.“
Bundespräsident Christian Wulff sagte in seinem Grußwort: "Franz Liszt ist unter den europäischen Komponisten eine ganz besondere Gestalt gewesen - eine schillernde, könnte man sagen, aber das wäre wohl sogar untertrieben." Wulff nannte Liszt einen wahren Europäer: "Im damaligen Ungarn war Liszt geboren, ungarischer Staatsangehöriger blieb er. Deutsch war seine Muttersprache. In Paris gab er seine ersten Konzerte und Frankreich bezeichnete er als sein Vaterland. Das ist doch wirklich europäisch." Der Bundespräsident bezeichnete Liszt als ein "Pop-Phänomen". "Lisztomanie war lange vor Beatlemanie, lange vor dem Wirbel, der heute um Stars und auch manche Sternchen veranstaltet wird, ein Beispiel für die Verehrung eines Künstlers, weit über die eigentliche Musik hinaus", erklärte Wulff.
Dr. Nike Wagner, die Ur-Urenkelin von Franz Liszt, ging in ihrer Festrede der Frage nach: „Was muss uns Franz Liszt heute bedeuten?“ Wagner sieht Liszt zwischen allen Stühlen, aber „er fällt ja nicht hindurch durch die Nationalitäten und musikalischen Stile und Genres: er weiß sie zu verbinden, er spielt damit, er macht die Unterschiede fruchtbar. Und das ist das Sensationelle an Liszt, auch das Moderne an dieser fernen Gestalt. Ein einziges Wort, glaube ich, könnte Ihnen den „Liszt in nuce“ darbieten, das Wort ’Grenzüberschreitung’ oder auch ‚Transgression’“.
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- Die Stastskapelle Weimar begeisterte mit einem furiosen Konzert beim Festakt zu Ehren des 200. Geburtstages von Franz Liszt und erinnerte so an die Glanzzeit der Weimarer Hofkappelle, die Liszt zu seinen Lebzeiten als Dirigent leitete. Foto: Jens Meyer
Die Antwort auf ihre Frage lautet nach ihren Worten: „Wir wissen, warum wir Franz Liszt feiern – wir feiern mit ihm eine Geisteshaltung und ein Kunstverständnis, das unsere Weltoffenheit herausfordert und unsere Transgressionsfähigkeiten – d.h. auch unsere Integrationsfähigkeiten – auf die Probe stellt. Liszt hat die Probe bestanden, für den Universalismus seines Musikdenkens allerdings den Preis gezahlt: viel Unverständnis und künstlerische Vereinsamung. Wir sind ein Stück weiter – wir danken dem „heiligen Franz“ – so nannte ihn Wagner gern – dass er uns ein Bild davon gegeben hat, was ein fluktuierendes, durchlässiges, transnationales Europa sein könnte, jenseits von Globalisierung, Identitätsängsten und allen möglichen Ab- und Ausgrenzungen anderer. Eine Franz-Lisztisierung würde unserer Welt gut tun – vorläufig wären wir aber auch mit einer kulturellen „Thüringisierung“ der übrigen Bundesländer zufrieden.“
Mit „Weltliteratur in Tönen“ ist das Schaffen von Franz Liszt als Komponist, Pianist und Dirigent wohl am besten umschrieben. Vor allem auch von Weimar aus hat er die europäische Musikkultur nachhaltig geprägt. Franz Liszt lebte 11 Jahre in Weimar und gilt als Symbolgestalt des Silbernen Zeitalters. Von 1848 bis 1861 entwickelte sich die Stadt der deutschen Klassik zu einem europäischen Musikzentrum. Im Jahr 1860 wurde Liszt zum Ehrenbürger Weimars ernannt.
„Franz Liszt 1811 - 1886. Ein Europäer in Thüringen“ lautete das Motto des kulturellen Themenjahres 2011, das unter Schirmherrschaft der Thüringer Ministerpräsidentin und der Patenschaft des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, stand. Der Freistaat Thüringen hat mit ca. 200 Konzerten, Wettbewerben, Ausstellungen und Installationen das umfassende Lebenswerk des Virtuosen erlebbar gemacht. Der Höhepunkt dieser Würdigungen ist zweifellos die bis zum Reformationstag (31. Oktober) geöffnete Landesausstellung „Franz Liszt. Ein Europäer in Weimar“, die von der Klassik Stiftung Weimar und der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar ausgerichtet wird. Bis Ende Oktober werden rund 75.000 Besucher aus der ganzen Welt die Landesausstellung und die mehr als 200 Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Wettbewerbe besucht haben. LISZT war und ist ein Besucher- und Tourismusmagnet.
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- Vor dem Eröffnungskonzert "Lebenslinien" zum Lisztjahr trafen sich Prof. Dr. Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, der Festredner und Träger des Franz Liszt Ehrenpreises Weimar - Bayreuth 2011, Sir Alfred Brendel, und Prof. Wolfram Huschke, Präsident der Deutschen Liszt-Gesellschaft (v.l.n.r.) zu einem kurzen Gespräch.
Höhepunkte im kulturellen Themenjahr 2011 „Franz Liszt. Ein Europäer in Thüringen“:
| 13. Oktober 2010: | Auftaktveranstaltungen zum Themenjahr 2011 „Franz Liszt. Ein Europäer in Thüringen“ in Brüssel im Musikkonservatorium |
| 20. Oktober 2010 | Auftaktveranstaltung in Berlin im Französischen Dom |
| 16. Februar 2011: | Eröffnung des Lisztjahres 2011 am 16. Februar in Weimar durch Kulturminister Christoph Matschie und Festvortrag von Alfred Brendel, am gleichen Tag fand ein Akademischer Festakt zur Eröffnung des Lisztjahres an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ und der Jahresempfang der Klassik Stiftung Weimar statt. Am Abend gab die Staatskapelle Weimar ein Sonderkonzert der Staatskapelle in der Weimarhalle mit Werken von Liszt, Beethoven und Strauss. |
| 4. März 2011: | Präsentation der 10-Euro Silbergedenkmünze und einer Sonderbriefmarke in der Thüringer Staatskanzlei durch Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und den Parlamentarischen Staatssekretär Koschyk im Bundesministerium der Finanzen |
| 24. Juni 2011: | Eröffnung der Landesausstellung „Franz Liszt. Ein Europäer in Weimar“ im Schiller-Museum und im Schlossmuseum Weimar |
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- Der Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christoph Matschie (m.) und die Thüringer Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei, Marion Walsmann während des Rundgangs im Schlossmuseum Weimar zur Eröffnung der Landesausstellung "Franz Liszt - Ein Europäer in Weimar".
| 22. Oktober 2011: | Festakt des Freistaats Thüringen im Deutschen Nationaltheater Weimar anlässlich des 200. Geburtstages von Franz Liszt. Bundespräsident Christian Wulff und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht halten ein Grußwort. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, übermittelt eine Videobotschaft. Die Ur-Urenkelin von Franz Liszt, Dr. Nike Wagner, hält die Festrede |