Lieberknecht übergibt Bundesverdienstkreuz an Claus Kurt Rohleder
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Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat dem Waltersdorfer Landwirt und Schriftsteller Claus Kurt Rohleder am 11. Juli 2011 in Erfurt das Verdienstkreuz am Bande (Bundesverdienstkreuz) überreicht. Der 76-jährige erhielt die vom Bundespräsidenten verliehene Auszeichnung während einer Feierstunde im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei.
Mit dem Verdienstkreuz soll das literarische Schaffen und das Lebenswerk Rohleders gewürdigt werden. Er war in der DDR unter anderem als Viehpfleger tätig, befasste sich in seiner Freizeit mit Literatur und schrieb eigene Texte. In der Begründung für die Auszeichnung heißt es: „Der Inhalt seiner Stücke wurde als systemkritisch angesehen, seine durchaus anspruchsvollen Werke entsprachen nicht dem damals vorherrschenden Klischee vom sozialistischen Realismus. So hatte Rohleder persönliche und berufliche Nachteile. Erst im Jahre 1988 wurde in der Berliner Volksbühne sein Stück ´Das Fest` aufgeführt, das ihm das Etikett „der Beckett der DDR“ einbrachte.
Nach der Wende erhielt Rohleder einst zwangskollektiviertes Land zurück. Seitdem ist er tagsüber als Bauer auf dem eigenen Hof tätig, nachts schreibt er. Besonders hervorzuheben ist Rohleders kulturpolitisches Engagement im Herbst 1989 und den Jahren danach. Als erster Greizer brachte er anlässlich einer ersten großen Diskussionsrunde mit Vertretern der örtlichen Parteiführung im Herbst 1989 öffentlich den bis dahin mit einem absoluten Tabu belegten Namen Reiner Kunze wieder ins Gespräch und schuf so entscheidende Voraussetzungen für dessen Rehabilitierung und die spätere Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Greiz.
Verdienste erwarb sich Rohleder außerdem bei der Initiierung des Greizer Theaterherbstes und der Etablierung dieses mittlerweile bundesweiten Festivals. Im Rahmen des Theaterherbstes inszenierte er mehrere Stücke mit Arbeitslosen in ABM-Projekten. Nach der Wende fanden szenische Lesungen seiner Stücke in Erfurt, Inszenierungen in München und 1994 „Das Fest“ mit seiner Doppelpremiere in Gera und Graz positive Resonanz. 2002 schrieb er „La Neuberin – Komödie“, die Aufführung erfolgte 2007 in Stelzen zu den „Stelzenfestspielen“ und auf Sizilien/Catania zu den Barockfestspielen.
2009 wurde mit dem Oratorium „Wasser, das zur Mauer wurde“ ein weiteres Werk – Text: Claus Rohleder, Komposition Joe Schittino/Sizilien – geschaffen. Der Text des Oratoriums nimmt die bayerisch-vogtländische Gemeinde Mödlareuth als Ausgangspunkt, um Probleme der deutschen Teilung sowie die Bedeutung der friedlichen Revolution und des Mauerfalls plastisch werden zu lassen. Die Uraufführung fand am 9. November 2009 an der Universität Catania als Teil des XVI. Else-Lasker-Schüler-Forums statt, die beachtete deutsche Erstaufführung erfolgte in Wuppertal.
Weitere Werke von Herr Rohleder sind „Das Spiel“ – 1983, „Die Panne oder der Oleander“ – 1990, „Crash“ – 1994, „Prinzipalin Arlecchino“ 2002. Veröffentlichungen sind in den Verlagen Hesnchel, Eichborn, Cornelsen, Drei-Masken erschienen. Klaus Rohleder wurde 1991 mit dem Ludwig-Mühlheim-Preis für religiöse Dramatik ausgezeichnet.
Rohleders künstlerisches Schaffen wurde vom Freistaat Thüringen mehrmals mit Stipendien gefördert. 1997 erhielt er die Möglichkeit eines Arbeitsaufenthaltes in der Casa Baldi in Olevano Romano.
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