07.01.2013 08:43 Uhr

Thüringer Vereine helfen Tschernobylkindern

Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei, Marion Walsmann, hat heute auf einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Tschernobyl-Katastrophe im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei das soziale Engagement der Thüringer Tschernobyl-Vereine gewürdigt. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs haben zehn Thüringer Vereine Hilfsgüter im Wert von 2,65 Millionen Euro an bedürftige Familien in Weißrussland und in der Ukraine verteilt. 10.765 Kinder weilten mit ihren Betreuern zu Erholungsaufenthalten in Thüringen.

Weiter sagte Walsmann: „Tschernobyl hat gezeigt, welche Risiken auch in der friedlichen Nutzung der Kernkraft liegen. Tschernobyl steht aber auch – die Hilfe der Thüringer Vereine stellt dies deutlich unter Beweis – für Solidarität im Angesicht der Katastrophe, für Hilfsbereitschaft, die Grenzen überwindet. Die zehn Thüringer Vereine haben mit großem Engagement dazu beigetragen, das Leid der Opfer zu lindern. So wurden mehr als 10.000 Kinder nach Thüringen geholt, damit sie medizinisch betreut und sich im Freistaat erholen können.

Der Botschafter von Weißrussland, Andrei Giro, und die Botschafterin der Ukraine, Natalia Zarudna, bedankten sich ausdrücklich für die geleistete Hilfe aus Thüringen und Deutschland. „Die Menschen in Thüringen haben uns nicht im Stich gelassen“, sagte der weißrussische Botschafter. Die Botschafterin der Ukraine sprach in großer Dankbarkeit über die humanitäre Hilfe aus Thüringen, die den Kindern aus beiden Ländern durch Erholungsaufenthalte bei der Stabilisierung ihre Gesundheit eine große Hilfe ist.

In einer szenischen Lesung erinnerten Mitglieder des Jugendtheaters Schotte Erfurt an die katastrophalen Ereignisse von Tschernobyl von Ende April bis Anfang Mai 1986. Zuvor hatte sich eine Kindergruppe aus dem weißrussischen Krasnopolje bei allen Helfern aus Thüringen mit Liedern, darunter dem Lied „Es lebe meine Heimat!“, bedankt

Mitglieder des Jugendtheaters Schotte Erfurt bei der szenischen Lesung zum Thema Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
Mitglieder des Jugendtheaters Schotte Erfurt bei der szenischen Lesung zum Thema Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
Eine Gesangsgruppe aus dem weißrussischen Krasnopolje bedankte sich mit Liedern aus ihrer Heimat bei den Helfern aus Thüringen.
Eine Gesangsgruppe aus dem weißrussischen Krasnopolje bedankte sich mit Liedern aus ihrer Heimat bei den Helfern aus Thüringen.

Der Verein Tschernobyl 1986-Kinder in Not e.V. Erfurt unterstützt seit 1999 die 4. Gomeler Förderschule. Bereits damals wurden für ca. 120 körperlich und geistig behinderte Kinder Erholungsaufenthalte in Thüringen organisiert. In den ersten Jahren der Partnerschaft wurden jährlich Hilfstransporte mit einem Gesamtgewicht von ca. 30.000 kg und einem Wert von 200.000 Euro organisiert. Zunächst waren es vor allem Kleidung, Spielzeug, Schulmaterialien und Lebensmittel, die von Helfern gepackt und vor Ort an jedes Kind selbst übergeben wurden. Heute wird der Verein seinem Anspruch der Hilfe zur Selbsthilfe immer mehr gerecht. Schulmöbel, Tapeten, Bastelmaterial, Computer und viele andere Dinge helfen den Kindern und Lehrern an der 4. Gomeler Förderschule.

Darüber hinaus erhalten alle Schülerinnen und Schüler in den Erkältungsmonaten gesponsert durch den Lions-Club über drei bzw. sechs Monate Vitamine und für bedürftige Kinder Caliumjodid zur Stabilisierung des Immunsystems. Ärzte, Lehrer und Eltern bestätigen den Thüringer Helfern immer wieder die außerordentliche Wirkung dieser Maßnahme.

Dieses Einzelbeispiel verdeutlicht, welche Bedeutung das große Engagement der 314 Mitglieder der Thüringer Tschernobylhilfe für die Gesundheit der Kinder besitzt. In diesem Jahr sollen wiederum 600 Kinder zu einem Erholungsaufenthalt nach Thüringen eingeladen werden. Die Vereine und Initiativen der Tschernobylhilfe bitten die Bürgerinnen und Bürger des Freistaates weiterhin um Unterstützung, denn nur so könne den von der Reaktorkatastrophe betroffenen Kindern geholfen werden.

Der Erfurter Verein Tschernobyl 1986 - Kinder in Not e.V. erhielt 1500 Euro aus Lottomitteln. Damit will der Verein einen dreiwöchigen Erholungsurlaub von 15 Kindern im Schullandheim in Wellsdorf (Kreis Greiz) unterstützen.