07.01.2013 08:39 Uhr

Einzigartige Zeugnisse mittelalterlichen jüdischen Lebens

Foto: links: Hardy Eidam, Museumsdirektor des Stadtmuseums Erfurt, links neben der Ministerpräsidentin Ingo Mlejnek, Baubeigeordneter, Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und rechts Oberbürgermeister Andreas Bausewein
links: Hardy Eidam, Museumsdirektor des Stadtmuseums Erfurt, links neben der Ministerpräsidentin Ingo Mlejnek, Baubeigeordneter, Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und rechts Oberbürgermeister Andreas Bausewein

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat bei einem Besuch der Alten Synagoge am 7. Februar 2011 das reiche jüdische Kulturerbe in Erfurt gewürdigt. Die Thüringer Landeshauptstadt verfüge über einen großen und sehr seltenen Schatz, dessen Dimensionen erst in den vergangenen Jahren nach spektakulären Funden deutlich geworden seien, erklärte die Ministerpräsidentin in Erfurt aus Anlaß des Kolloquiums „Fragen zum kulturellen Erbe und der Vernetzung der Städte Mainz, Worms, Speyer und Erfurt“. Die vier Orte verbinde nicht nur ihre herausgehobene Stellung im Mittelalter, sondern auch die weit in die Geschichte zurückreichende jüdische Tradition.

Lieberknecht betonte: „Es besteht kein Zweifel: Mit der Alten Synagoge, der erst vor wenigen Jahren wiederentdeckten Mikwe, dem Schatzfund und weiteren, teils einmaligen Objekten beherbergt Erfurt eine einzigartige und dichte Sammlung an Zeugnissen mittelalterlichen jüdischen Lebens. All dies ist eingebettet in eine ebenfalls noch weitgehend erhaltene Altstadt mit zahlreichen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gebäuden.“ Eine Bewerbung um den Weltkulturerbe-Titel, wie sie die Städte Erfurt, Mainz, Worms und Speyer planen, sei der kulturhistorischen Bedeutung dieser Orte angemessen.

Lieberknecht begrüßte, dass die Verbindungen zwischen den großen jüdischen Gemeinden des Mittelalters nun auch mehr und mehr in den Blickpunkt der Wissenschaft rücke. „Ich freue mich, dass sich dafür die Städte mit den wichtigsten Zentren jüdischen Lebens zusammen gefunden haben“, sagte die Ministerpräsidentin. Bereits im vergangenen Jahr sei eine Kooperationsvereinbarung zwischen Mainz, Speyer, Worms und Erfurt abgeschlossen worden.

Weiter erklärte Lieberknecht: „Erfurt war im Mittelalter ein kulturelles und geistliches Zentrum von europäischem Rang. Das jüdische Leben war bereits seit etwa dem 10./11. Jahrhundert aufgeblüht. Die heutige Thüringer Landeshauptstadt war damals nicht nur Bischofssitz, sondern beherbergte bis zum verheerenden Pestpogrom von 1349 auch eine der größten jüdischen Gemeinden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Trotz wiederholter Übergriffe der christlichen Erfurter auf die jüdischen Bürger gab es lange Zeit auch ein fruchtbares Miteinander.“ Für das 13. und 14. Jahrhundert seien in Thüringen zahlreiche jüdische Gemeinden nachweisbar, so in Mühlhausen, Nordhausen und Hildburghausen (1331). Auch in Saalfeld (vor 1310) und Vacha (1323) gebe es entsprechende Funde. „Erfurt und Thüringen haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt ihrem jüdischen Erbe zugewandt. Es wäre daher ein großer Erfolg, wenn eine Bewerbung um den Status des Unesco-Weltkulturerbes gelingen würde“, so Lieberknecht.