07.01.2013 08:51 Uhr

Thüringer Verdienstorden

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht verlieh den Thüringer Verdienstorden an Israel Schwierz aus Würzburg.
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht verlieh den Thüringer Verdienstorden an Israel Schwierz aus Würzburg.

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht verlieh am 2. November 2010, in Erfurt den Thüringer Verdienstorden an Weihbischof Hans-Reinhard Koch aus Erfurt, Jürgen Friedrich aus Arnstadt und Israel Schwierz aus Würzburg.

Hans-Reinhard Koch

wurde 1929 in Leinefelde geboren. In der Vorschlagsbegründung für Weihbischof Koch heißt es: „Nach Abschluss der theologischen Ausbildung in Fulda, Erfurt und Neuzelle wurde er 1955 im Erfurter Dom zum Priester geweiht. Seine erste Kaplanstelle trat er in Nordhausen am Dom zum Heiligen Kreuz an. 1965 wurde Koch zum Präfekten des Priesterseminars Erfurt ernannt und im gleichen Jahr zum Subregens des Priesterseminars. Zahlreiche Priesteramtskandidaten wurden durch ihn in seiner von 1967 bis 1990 bestehenden Aufgabe als Theologenreferent geprägt. Seit 1982 wurden Koch diverse Aufgaben im Vorstand der Diözesan-Caritas übertragen. 1983 wurde er Dompfarrer am Dom St. Marien zu Erfurt. Im Mai 1985 ernannte Papst Johannes Paul II. Koch zum Weihbischof des Apostolischen Administrators von Erfurt-Meiningen und zum Titularbischof von Mediana. Mit der Errichtung des Bistums Erfurt übernahm Weihbischof Koch 1995 die Aufgabe als Dompropst des Kathedralkapitels St. Marien. Bundespräsident Roman Herzog berief ihn 1995 in das Kuratorium der Deutschen Altershilfe. Mit Vollendung seines 75. Lebensjahres im Jahr 2004 bat er den Papst um Entpflichtung von seinem Dienst als Weihbischof. Seit 1985 ist Koch ehrenamtlich im Vorstand des Caritasverbandes tätig und seit der Gründung des Caritasverbandes für das Bistum Erfurt von 1990 bis heute als Vorsitzender engagiert. Hans-Reinhard Koch hat seine Aufgaben mit Selbstverständlichkeit, mit Hingabe, mit Gelassenheit und Freude getan. Meist hat er eher im Hintergrund gewirkt, aber er war immer da, wenn man ihn brauchte. In seiner stillen und freundlichen Art ist er als Mensch und als Priester vielen ein Vorbild. Für Menschen in ganz besonderen Lebenssituationen, so zum Beispiel für die Bausoldaten oder die jungen Männer in der damaligen NVA, war er jahrzehntlang Anlaufstelle, Ratgeber und Begleiter. Sein Interesse gilt dem Thüringer Land in seiner Geschichte und Gegenwart, besonders dem Eichsfeld, seiner Heimat. Mit der Verleihung soll die Lebensleistung von Hans Reinhard Koch gewürdigt werden.“

Jürgen Rudolf Friedrich

wurde 1944 Weida geboren. In der Vorschlagsbegründung heißt es: „Kirchenrat Friedrich war als Direktor des Marienstiftes Arnstadt 18 Jahre weit über das normale Maß hinaus für das Gemeinwohl tätig. In den Jahren der politischen Umwälzungen wirkte er bei Kundgebungen, Großdemonstrationen und beim Aufbau neuer demokratischer Strukturen aktiv mit. Er war Mitglied des ersten frei gewählten Stadtrates der Stadt Arnstadt und sein Wirken strahlte weit in den Landkreis, den Kirchenkreis, in diakonische Einrichtungen Thüringens und in den Diakonischen Rat aus. Er zeichnete sich unter anderem für die fachlichen Profilierung zu einer der führenden Thüringer Fachkliniken für Orthopädie und die bauliche Rekonstruktion und Erweiterung des Marienstiftes verantwortlich. Es gelang ihm, das Marienstift in eine völlig neue Dimension des diakonischen Dienstes zu führen. Es entstanden die Orthopädische Klinik, die Werkstatt für behinderte Menschen und zwei neue Wohnstätten für behinderte Kinder und Jugendliche. Die Förderschule für mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche wurde zu einer integrativen Einrichtung. Friedrich sah das Marienstift immer als Teil des Gemeinwesens und unterstütze das klare Auftreten für Demokratie und gegen Extremismus. „Friedrich war langjähriges Mitglied des ehrenamtlichen Vorstandes der Diakonie Thüringen. Ab 2002 war er Vorsitzender des Vorstandes und damit zugleich auch Vorsitzender der Diakonischen Konferenz und der Mitgliederversammlung. In den Prozess der Fusion der diakonischen Werke in Mitteldeutschland, brachte er sich vorbehaltlos über Jahre unter Zurückstellung eigener persönlicher und familiärer Interessen ein. Im Jahr 2004 wurde er in den neuen Aufsichtrat der Diakonie Mitteldeutschland (Diakonischer Rat) gewählt, dem er über seinen Ruhestand hinaus bis Dezember 2009 angehörte. Innerhalb der ehemaligen Evang.-Luth. Kirche in Thüringen wirkte Friedrich ehrenamtlich engagiert und aufopferungsvoll als Vorsitzender der Kammer für Sozialethik. In die Zeit seines Vorsitzes fiel die Auseinandersetzung und Erarbeitung von Positionen und Projekten von bis heute aktuellen und brisanten Themen wie Patientenverfügung und Sterbebegleitung. Die Verleihung des Thüringer Verdienstordens soll sein Lebenswerk würdigen.“

Peter Israel Anton Schwierz

wurde 1943 in Falkenberg/Os geboren. In der Vorschlagsbegründung heißt es: „Schwierz hat sich ehrenamtlich und sehr engagiert um die christlich-jüdische Verständigung verdient gemacht und zur Aufarbeitung jüdischer Geschichte in Thüringen beigetragen. Er ist seit vielen Jahren auf vielfache Weise mit dem jüdischen Leben in Thüringen verbunden. 1996 veröffentlichte er eine Dokumentation mit dem Titel „Für das Vaterland starben – Denkmäler und Gedenktafeln für jüdische Soldaten in Thüringen“. Dieses Werk befasst sich mit den jüdischen Soldaten aus Thüringen seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. Im Verlauf seiner Recherchen hat er fast sämtliche Kriegerdenkmale und Gedenkstätten in Thüringen untersucht. Darüber hinaus dokumentierte er die Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Die Verleihung des Thüringer Verdienstordens soll das Lebenswerk von Herrn Schwierz würdigen und auch die von ihm vertretenen Themen „Die Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen“ und „Das Schicksal jüdischer Thüringer Gefallener“ wieder in das Interesse der Öffentlichkeit rücken.“