07.05.2018
Thüringer Staatskanzlei

Medieninformation 121/2018

Ministerpräsident Bodo Ramelow überreicht Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Inge Riebel, Birgit Pelke, Michael Frankenstein, Josef Gröger und Dr. Heino Falcke werden am kommenden Mittwoch (9. Mai 2018, 14 Uhr) mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird Ministerpräsident Bodo Ramelow die Ehrung in der Thüringer Staatskanzlei vornehmen. Er sagt: „Jeder Orden, den ich übergeben darf, steht für Gestaltungskraft, Hilfsbereitschaft und gelebte Demokratie. Ich freue mich, fünf Bürgerinnen und Bürger zu ehren, die sich auf vorbildliche Weise für unser Gemeinwesen eingesetzt und die Gesellschaft mitgestaltet haben. Auch durch sie ist Thüringen ein solidarisches, mitmenschliches und soziales Land, in dem Engagement und Bürgersinn großgeschrieben werden.“


Termin: Mittwoch, 9. Mai 2018, 14 Uhr
Ort: Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt

Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zu der Veranstaltung sehr herzlich eingeladen. Bei Interesse an Fotos wenden Sie sich bitte an Bernd Edelmann (bernd.edelmann{at}tsk.thueringen{punkt}de bzw. 0361-57 3211410).

In den Laudationes auf die Ausgezeichneten heißt es u. a.:

Dr. Heino Falcke aus Erfurt wird für seine großen Verdienste um die Demokratie mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er zählt zu den profiliertesten Theologen in Deutschland und war eine der führenden Persönlichkeiten der kirchlichen Opposition der DDR. Als engagierter Pazifist und Vordenker der kirchlichen Friedensbewegung verdanken wir seinem mutigen Wirken entscheidende Impulse, die zur friedlichen Revolution beitrugen.

Das geistliche Erbe von Dietrich Bonhoeffer und Karl Barth sowie die Barmer Theologische Erklärung stellen die zentralen Orientierungsinstanzen im Leben von Dr. Falcke dar. Theologisches Fundament und konkretes Handeln stehen für ihn in einem unauflöslichen Zusammenhang. Mit diesem Ansatz ermunterte er im Jahr 1972 die Synode des DDR-Kirchenbundes dazu, die Hoffnung auf eine „verbesserliche Kirche“, aber auch auf einen „verbesserlichen Sozialismus“ nicht aufzugeben.“ Dabei habe Dr. Falcke in der allgemeinen Atmosphäre der Polarisierung von Atheismus gegen Glauben nicht nach scharfer Abgrenzung gesucht, sondern mit dem Glauben zur Humanisierung des Sozialismus beitragen wollen. „Durch seinen offenen Einsatz für gesellschaftliche Veränderungen, für politische Freiheit und Mündigkeit des Einzelnen avancierte er zu einem der wichtigsten Vordenker und Wegbereiter der Bürgerrechtsbewegung.“

Bis heute beschäftigen Dr. Heino Falcke Fragen nach Demokratie, Solidarität, einem friedlichen und gerechten Leben. Als einer der Initiatoren der „Erfurter Erklärung“ forderte er eine grundlegende Erneuerung der Politik angesichts der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Er trat bei den großen Demonstrationen gegen den Irak-Krieg ebenso wortmächtig in Erscheinung wie beim Disput über gesellschaftlichen Ursachen des Amoklaufs am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im April 2002. Bis heute meldet er sich kenntnisreich zu Wort, wenn es um Fragen der Flüchtlingspolitik oder Aufrüstung der Bundeswehr geht. Er ist ein Mahner, der nicht müde wird, den „verbesserlichen Kapitalismus“ einzufordern, so wie er einst den „verbesserlichen Sozialismus“ zu gestalten aufrief.

Es sei ein großes Glück für Thüringen, aber auch für die anderen neuen Bundesländer, dass Heino Falcke über viele Jahrzehnte in diesem Teil Deutschlands lebte und wirkte, betont der Ministerpräsident. „Dr. Falcke war der spiritus rector der Friedensbewegung, der ihr klug und weitsichtig entscheidende Denk- und Handlungsimpulse gab. Mit seiner Gradlinigkeit hat er mutlosen Menschen Hoffnung gegeben und darin bestärkt, gewaltfrei Kritik und Widerstand zu üben. Die evangelische Kirche in Deutschland verdankt seinem lebenslangen Wirken ein vertieftes Bewusstsein, Kirche von unten und “Kirche für Andere” zu sein. Seine in vielen Schriften festgehaltenen theologischen Impulse finden in der ganzen Welt Gehör. Bis heute vernehmen wir deren Echo, wenn Menschen bekennen, dass es keinen Frieden ohne Gerechtigkeit für die Armen, keine Bewahrung der Schöpfung ohne Bereitschaft zu Verzicht und Veränderung geben wird. Es ist mir eine große Ehre, Dr. Heino Falcke das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse auszuhändigen.“

Michael Frankenstein aus Eisenberg erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein Jahrzehnte währendes Engagement für Mitmenschlichkeit im Saale-Holzland-Kreis. Seit vielen Jahrzehnten widmet Michael Frankenstein seine Fürsorge und Zuwendung jenen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und doch eigentlich in unsere Mitte gehören: den Suchtkranken und Suchtgefährdeten sowie sozial benachteiligten Jugendlichen. Sein Ziel ist es, sie auf dem schweren Weg zu unterstützen, ein selbstständiges Leben zu führen oder wiederzugewinnen.

In den Jahren nach der Wiedervereinigung kümmerte sich Michael Frankenstein in Eisenberg und im Saale-Holzlandkreis um den Aufbau moderner Strukturen in der Suchtkrankenhilfe. Insbesondere die Vereine „Wendepunkt“ und „Alternative“, die er fast 20 Jahre als Geschäftsführer leitete, haben sich zu wichtigen Trägern der Suchtkrankenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in der Region entwickelt.
Schritt für Schritt baute er ein engmaschiges Betreuungsangebot für die Betroffenen auf – mit Beratungsstellen, Präventionsprojekten, betreutem Wohnen, ambulanter medizinischer Rehabilitation, einem Suchthilfezentrum für Mutter und Kind sowie einer Tagesstätte.

Auch im Bereich der Jugendarbeit haben Michael Frankenstein und der Verein „Alternative“ e.V. Vorbildliches geleistet. In Bad Köstritz übernahm der Verein ein Jugendhilfezentrum mit einer integrierten Förderschule, in dem benachteiligte Kinder und Schulverweigerer optimal gefördert werden können. Seit wenigen Jahren leistet der Verein auch die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Darüber hinaus hat er großen Anteil an verschiedenen Projekten, die die kognitive Entwicklung, schulische Leistungsfähigkeit, psychische Stabilität und physische Konstitution von benachteiligten und gefährdeten Kindern stärken. Auf diese Weise trägt er dazu bei, Kindern faire und gerechte Zukunftschancen zu eröffnen, sodass sie ihr Recht auf Teilhabe am Gemeinwesen wahrnehmen können.

Dazu der Ministerpräsident: „Es ist mir einen Ehre, für diesen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit Michael Frankenstein das Bundesverdienstkreuz zu überreichen. Er hat viel Zeit und Engagement in die Förderung von Jugendlichen und Suchtkranken investiert und ist zu einem Hoffnungsträger für viele benachteiligte Menschen geworden. Vielen Menschen in Krisen und Konfliktsituationen hat er Auswege gewiesen und für scheinbar unlösbare Probleme Lösungen aufgezeigt. Behutsam und mit großer Sachkenntnis hat er Suchtkranken den Rücken gestärkt und Orientierung geboten. Als Thüringer Ministerpräsident, aber auch ganz persönlich danke ich Michael Frankenstein dafür, dass er das Leben vieler Menschen im Saale-Holzland-Kreis zum Positiven verändert hat.“

Josef Gröger aus Heiligenstadt wird mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste um die polnisch-deutsche Aussöhnung geehrt. Josef Gröger stammt aus der oberschlesischen Stadt Cosel an der Oder, die heute Kędzierzyn-Koźle heißt und zur polnischen Woiwodschaft Opole gehört. Mit erst 15 Jahren musste er seine Heimat verlassen und gelangte im März 1945 - getrennt von Eltern und Geschwistern - nach Thüringen, wo er nach mehreren Stationen im Eichsfeld ein neues Zuhause fand.

Die Erfahrungen des Krieges und des Heimatverlustes prägten Josef Gröger nachhaltig. Seiner ersten Heimat blieb er über viele historische Forschungsarbeiten eng verbunden. Seit mehreren Jahrzehnten widmet er sich intensiv der Erforschung der Stadt- und Kirchengeschichte seiner Heimatstadt. Er publizierte mehrere Bücher, die sich mit den Religionsgemeinschaften und der Coseler Wirtschaftsentwicklung befassen. Darüber hinaus erschienen bislang 50 Einzelveröffentlichungen in angesehenen Fachzeitschriften. Josef Gröger ist es wichtig, das gesamteuropäische Erbe präsent zu halten und allen interessierten Menschen unabhängig von ihrer Nationalität historische Reflexionen zu ermöglichen, damit eine aufgeklärte, weltoffene Heimatliebe wachsen kann.

Seine Publikationen zur Coseler Lokalgeschichte fanden nicht nur in Deutschland, sondern auch auf polnischer Seite ein interessiertes Publikum. Für sein umfangreiches historisches und literarisches Werk, wurde Josef Gröger große Anerkennung von Wissenschaft und Politik in Polen zuteil. Das vielfältige wissenschaftliche und kulturelle Engagement von Josef Gröger wird in Polen als Geste der Versöhnung verstanden und wertgeschätzt.

Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht in dem Wirken von Josef Gröger einen unverzichtbaren Beitrag zur historischen Aufarbeitung von Krieg, Heimatverlust und Vertreibungen, die ein zutiefst europäisches Trauma im 20. Jahrhundert darstellen. „Deutsche und Polen brauchen fundiertes Wissen um unsere gemeinsame Geschichte, damit das Verständnis füreinander weiter wachsen kann. Verständigung und Versöhnung sind keine Selbstläufer, sondern ein ständiger Prozess. In diesem Prozess müssen wir deutlich machen: Trotz der Bürde des 2. Weltkrieges sind wir nicht zum Konflikt verurteilt. Aufgeklärte Erinnerung, historische Verantwortung und wirklichkeitsbewusste Versöhnung stärken Friedensfähigkeit und Konfliktprävention zwischen Staaten. Dazu hat Josef Gröger einen wichtigen Beitrag geleistet, für den er das Bundesverdienstkreuz erhält.“

Birgit Pelke aus Erfurt wird für ihr politisches und soziales Engagement mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Seit fast 30 Jahren engagiert sie sich in Thüringen für Familien und Kinder, für Ältere und Kranke, für Sport und Kultur.

Birgit Pelke will einen Beitrag dazu leisten, die Ungleichheit in unserer Gesellschaft zu verringern und so das soziale Miteinander zu stärken. Deshalb ist sie politisch aktiv und macht sich als Landtagsabgeordnete und Stadträtin für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit stark. Teilhabegerechtigkeit ist für sie eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Stabilität und Weiterentwicklung unseres demokratischen Gemeinwesens.

Seit vielen Jahren engagiert sich Birgit Pelke im Arbeiter-Samariter-Bund. Seit sie vor mehr als 20 Jahren den ehrenamtlichen Landesvorstandsvorsitz übernahm, ist der ASB Thüringen zu einem modernen Wohlfahrtsverband herangewachsen, der unterschiedlichste Angebote für hilfsbedürftige Menschen jeden Alters unterbreitet. Mit Weitblick und Ideenreichtum hat sie viele Projekte ins Leben gerufen, wie etwa den „Wünschewagen“ oder den „Hausnotruf beim ASB“, die Lebensqualität im Alter und Würde im letzten Lebensabschnitt unterstützen.

Über dieses ehrenamtliche Engagement für den ASB hinaus, ist Birgit Pelke auch eine erfahrene Sportfunktionärin. Seit mehr als 15 Jahren leitet sie den Stadtsportbund Erfurt und damit den mitgliederstärksten Verband der Stadt, wobei ihr insbesondere eine verstärkte Jugendarbeit am Herzen liegt. Mit ihrem Wirken macht Birgit Pelke auch anderen Frauen Mut, Verantwortung in Sportvereinen zu übernehmen, die viel zu häufig noch eine Männerdomäne darstellen. Somit bringt sie sich nicht nur mit Wissen und Ideen in die Arbeit des Stadtsportbundes ein, sondern trägt auch zur Geschlechtergerechtigkeit in unseren Sportvereinen bei.

„Birgit Pelke wird mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, weil sie Dinge in die Hand nimmt, statt sie klaglos hinzunehmen“, sagt Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Ihr Lebensweg zeigt, was menschliche Tatkraft an Gutem bewirken kann. Unser Land braucht Menschen wie Birgit Pelke, die das Thema soziale Gerechtigkeit intensiv begleiten und voranbringen. Menschen, die zeitgemäße Strukturen schaffen, damit die Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger stetig besser wird. Für ihre vielen Beiträge für unser Gemeinwesen danke ich Birgit Pelke im Namen der Thüringer Landesregierung, aber auch ganz persönlich.“

Inge Riebel aus Jena für erhält für ihre Verdienste um den Breitensport in Thüringen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Als sportliches Multitalent ist sie bis heute eine außergewöhnlich passionierte Übungsleiterin, die in der Rhythmischen Sportgymnastik ihr Zuhause fand. Über viele Jahrzehnte war sie eine umsichtige Funktionärin des Thüringer Turnverbandes und erfahrene Kampfrichterin.

Seit ihrer Kindheit war Inge Riebel vom Sport fasziniert. Sie erlernte mehrere Disziplinen und erzielte bei regionalen und nationalen Wettkämpfen der DDR im Schwimmen und in der Leichtathletik viele Erfolge. Nach dem Sportstudium ging sie als Lehrkraft zum Studentensport an die Uni Jena und wurde zunächst Übungsleiterin im Fechten und Turnen. Dabei galt ihre wahre Leidenschaft der rhythmischen Sportgymnastik. Als Übungsleiterin entwickelte sie unzählige Talente, die unter ihrer Obhut Landesmeistertitel erkämpften. Neben ihren sportlichen Erfolgen kann Inge Riebel auf beinahe sechs Jahrzehnten Tätigkeit blicken. Das sind sechs Jahrzehnte Fachwissen und Wettkampferfahrung, von denen die Athletinnen heute in großem Maße profitieren können.

Zu ihrer Tätigkeit als Übungsleiterin kommen der ehrenamtliche Einsatz als Kampfrichterin und weitere Funktionen im Thüringer Turnverband, für den sie nach 1990 den Landesfachausschuss Rhythmische Sportgymnastik aufbaute. Zu dessen Aufgaben gehörte es, ein modernes Wettkampfsystem in Thüringen zu etablieren, Fortbildungen durchzuführen und das Niveau der schulischen Ausbildung weiter anzuheben. Inge Riebel hat einen großen Beitrag geleistet, dass Thüringen in der Rhythmischen Sportgymnastik im Bereich von Breitensport und Nachwuchsförderung hervorragend aufgestellt ist.

„Ihr Lebenselixier war und ist der Sport mit seinen vielen Disziplinen. Inge Riebel war viele Jahrzehnte mit Herz und Leidenschaft bei Training, Ausbildung und Betreuung. Sie haben tragfähige Vereinsstrukturen aufgebaut, Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainiert und sich für die Verbesserung der Infrastruktur im Sport stark gemacht“, würdigt der Ministerpräsident das Engagement von Inge Riebel. „Für diesen Einsatz ist der Freistaat Thüringen zu großem Dank verpflichtet. Zu ihren vielen Auszeichnungen und Ehrenplaketten kommt nun die Verdienstmedaille, die eine Würdigung ihrer großen Lebensleistung darstellt und die ich außerordentlich gern übergebe.“

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