09.01.2018
Thüringer Staatskanzlei

Medieninformation 2/2018

Ministerpräsident Bodo Ramelow überreicht Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Anneliese Deschauer, Marianne Jankowski, Gerd Kästel, Dr. Thomas Renner und Wolfgang Scheler gehören zu den 850.000 Frauen und Männern, die in Thüringen ehrenamtlich tätig sind. Am Donnerstag, 11. Januar 2018, werden sie im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei für ihr außerordentliches Engagement geehrt: Ministerpräsident überreicht im Namen von Bundepräsident Frank-Walter Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

„Fast 40 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer leisten für unser Gemeinwesen eine Arbeit, die nicht hoch genug zu schätzen ist“, sagt Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Sie verstehen ihre eigenen Gaben als Aufgabe und sehen im eigenen Vermögen – dem geistigen wie dem materiellen – eine Verpflichtung. Ich empfinde großen Respekt für das, was diese Bürgerinnen und Bürger in und für Thüringen erreichen.“

Termin: Donnerstag, 11. Januar 2018, 14 Uhr
Ort: Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt

Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zu der Veranstaltung sehr herzlich eingeladen. Bei Interesse an Fotos von den Geehrten wenden Sie sich bitte an Bernd Edelmann (bernd.edelmann{at}tsk.thueringen{punkt}de bzw. 0361-57 3211410).

 

„Mit der aus Dorndorf stammenden Anneliese Deschauer danken die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Thüringen einer außergewöhnlich engagierten Frau mit einer einzigartigen Lebensgeschichte, die die schicksalhaften Wendungen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt, die exemplarisch für Trennung und Wiedervereinigung steht und die gleichermaßen wirtschaftliches wie soziales Engagement ausweist“, so der Ministerpräsident.

Anneliese Deschauer verbrachte im westthüringischen Dorndorf, das als „Tor zur Rhön“ bekannt ist,  ihre Kindheit und Jugend. Als junge Frau ging sie in den Westteil Deutschlands und baute in Bochum mit ihrem aus Geisa stammenden Ehemann Werner Deschauer ein erfolgreiches Handelsunternehmen auf. Als aktive Christen arbeiteten die Deschauers über viele Jahrzehnte nicht nur für die ökonomische Effizienz ihres Unternehmens, sondern orientierten sich immer an sozialen Werten.

Nach der Wiedervereinigung kehrte die sehr heimatverbundene Familie wieder in die Rhön zurück, um Zukunftsweisendes für die Stadt Geisa und die Region zu leisten. Sie engagierte sich insbesondere für den Denkmalschutz und die Sanierung historischer Bausubstanz. Über viele Jahre stellte Anneliese Deschauer große finanzielle Ressourcen zur Verfügung, mit denen das Bauerbe der Stadt – von der kleinen Kirchenorgel bis zum feudalen Schloss – erhalten werden konnte. Die Sanierung des Geisaer Barockschlosses wurde zu einem ihrer größten Projekte. Heute haben mit der Point Alpha Stiftung und der Point Alpha Akademie zwei Institutionen ihren Sitz in dem Schloss, die sich der Aufgabe widmen, die Wirkungsweise von Diktaturen aufzuzeigen und für die Errungenschaften der Demokratie zu sensibilisieren.

Ein weiteres Projekt ist der Neubau der Galerie am Schlossplatz in Geisa, für den Familie Deschauer die Kosten für den Rohbau, die Ausstattung und Einrichtung des Gebäudes übernimmt. Die Galerie mit einem barrierefreien Ausstellungsbereich sowie Atelier- und Werkstatträumen wird als kulturelles Zentrum sowohl den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt als auch ihren Gästen zugutekommen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Wenn ich die vielen Leistungen in Wirtschaft, Kultur und im Sozialen in den Blick nehme, dann lässt sich mit Fug und Recht sagen: Anneliese Deschauer ist ein Glücksfall für Thüringen und insbesondere für die Rhön. Was sie in den vergangenen 25 Jahren für Geisa getan hat, geht weit über das hinaus, was ein einzelner Mensch im Laufe eines ganzen Lebens an Gutem bewirken kann.“

 

Marianne Jankowski aus Gera ist eine passionierte Übungsleiterin, die sich seit  sechs Jahrzehnten um den Schul- und Freizeitsport in der Gemeinde Brahmenau im Landkreis Greiz kümmert. Sie ist eine umsichtige Vereinsmanagerin und nicht zuletzt auch eine überzeugende Kämpferin für die Geschlechtergerechtigkeit im Sport. „Eine echte Powerfrau, deren Erfahrungsschatz im Landessportbund Thüringen außerordentlich geschätzt wird“, so Bodo Ramelow.

Vor 60 Jahren nahm sie ihre Tätigkeit als Sportlehrerin in Brahmenau auf und prägte fortan das Sportangebot der Gemeinde maßgeblich. Zunächst leitete sie die dortige Sportgemeinschaft, später den Verein TSV 90 Brahmenau, den sie mit Gleichgesinnten gegründet hatte. Mit dem Vereinsvorsitz übernahm sie eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe im Ehrenamt, in zeitlicher wie fachlicher Hinsicht.

Für Marianne Jankowski soll Sport vor allem Freude bereiten. Sie möchte allen Menschen die Möglichkeit bieten, Sport ohne Leistungsdruck zu betreiben und dabei sozialen Zusammenhalt in einem Verein zu erfahren. Darüber hinaus ist es ihr wichtig, Kindern und Jugendlichen die Freude an Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit zu vermitteln. Aber auch ältere Menschen möchte Marianne Jankowski einbinden. Für sie  organisiert sie regelmäßig Wanderungen, Radtouren und Gymnastikstunden, die allen Interessierten offenstehen und großen Zuspruch erfahren.

Gern gibt Marianne Jankowski ihr über die vielen Jahre angeeignetes Fachwissen und ihre Lebenserfahrungen an andere jüngere Mitstreiterinnen weiter. Sie macht damit anderen Frauen Mut, Verantwortung in Sportvereinen zu übernehmen, die viel zu häufig noch eine Männerdomäne darstellen.

„Ich bin sehr dankbar, dass es Frauen wie Marianne Jankowski gibt, die sich mit Wissen und Ideen einbringen und zur Geschlechtergerechtigkeit in unseren Sportvereinen beitragen“, würdigt Ministerpräsident Bodo Ramelow das Engagement von  Marianne Jankowski. „Sie ist eine Persönlichkeit, die ihr Ehrenamt im Sport aus Überzeugung, Leidenschaft und Verantwortung ausübt. Marianne Jankowski hat tragfähige Vereinsstrukturen aufgebaut, Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainiert und sich für die Verbesserung der Infrastruktur im Sport stark gemacht. Für diesen Einsatz ist ihr der Freistaat Thüringen zu großem Dank verpflichtet.“

 

Gerd Kästel aus Gera macht sich seit mehreren Jahrzehnten dafür stark, die Versorgung amputierter Menschen in Deutschland zu verbessern. Mit seinem Verein „Steh auf“ e.V. Gera setzt er sich deutschlandweit dafür ein, ihnen eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und bestehende Benachteiligungen im Alltag abzubauen.

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, wie es im Grundgesetz heißt, ist Gerd Kästels Credo. Menschen mit Behinderungen stellen keine Randgruppe in unserer Gesellschaft dar, sie sind selbstverständlicher Teil des öffentlichen Lebens. Gerd Kästel gehört zu jenen aktiven Menschen, die in den öffentlichen Raum hineinwirken, um Politik und Institutionen des Gesundheitswesens auf die Bedürfnisse von amputierten Menschen aufmerksam zu machen. Mit seinem Verein dringt er beispielsweise auf die Erstellung eines bundesweiten Amputationsregisters und einer Grundlagenstudie nach Präventionsvorgaben.

Darüber hinaus berät und betreut Gerd Kästel amputierte Menschen in allen Fragen des täglichen Lebens, deren Bedürfnisse er aus eigener Erfahrung kennt. Dank seiner Initiative wurden ambulante Gehschulen sowie Amputations-, Schmerz- und Traumasprechstunden eingerichtet. Er und sein Verein regten Weiterbildungen rund um das Thema multiresistente Krankheitserreger an. Auf großes öffentliches Interesse stoßen auch Verkehrsteilnehmer - und Ersthelferschulungen für Menschen mit Amputation.

Neben seinem Engagement im Verein „Steh auf“ arbeitet Gerd Kästel als ehrenamtlicher Richter bei Sozial- und Arbeitsgerichten sowie in verschiedenen Ausschüssen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Zudem engagiert er sich im Behindertensport. Seit mehr als 35 Jahren ist er Trainer im Bereich Tischtennis und leitet in Gera Kinder- und Jugendsportgruppen.

„Auch für dieses Engagement im Bereich des Behindertensports bin ich Gerd Kästel sehr dankbar“ so der Ministerpräsident. „Er trägt dazu bei, dass Menschen mit Handicap ihr Aktivitätsbedürfnis ohne Gesundheitsrisiko ausleben, ihre körperlichen Fähigkeiten entwickeln und steigern können. Eine wunderbare Arbeit und ein lobenswerter Beitrag zur Chancengerechtigkeit!“ Weiter sagt Ramelow: „Unser Land braucht Menschen wie Gerd Kästel, die das Thema Inklusion intensiv begleiten und voranbringen. Menschen, die zeitgemäße Strukturen schaffen, damit die Lebensqualität der Betroffenen stetig verbessert wird.“

 

Dr. Thomas Renner aus Erfurt wird für seine Leistungen beim Aufbau der Freiwilligen Gerichtsbarkeit in Thüringen. Er war zunächst als Notarassessor bei der Notarkammer Koblenz tätig, die beim Aufbau des Thüringer Notarwesens vielfältige und wertvolle Hilfe leistete. Im Frühjahr 1990 organisierte die Kammer bereits erste Fortbildungsveranstaltungen für die weniger als 100 staatlichen Notare in den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl. Dr. Renner gehörte zu den aktiven Notaren aus Rheinland-Pfalz, die nicht nur ihr Wissen weitergeben, sondern das ehemalige staatliche System der DDR in ein freiberufliches Notariat überführen helfen wollten.

Als Dr. Renner kurz nach der Wiedervereinigung zum Notar in Erfurt bestellt wurde, baute er nicht nur ein eigenes Amt auf, sondern wirkte an der demokratischen Neuordnung des Notarwesens entscheidend mit. Er arbeitete in der neu gebildeten Notarkammer Thüringen zunächst im Rechtsausschuss mit und wurde später in deren Vorstand gewählt. Ihm ist es zu verdanken, dass in Thüringen die sogenannten „Nurnotariate“ eingeführt wurden, die sich als qualitativ bessere Alternative zu den Anwaltsnotariaten bewährt haben. Nach dem Ausscheiden des ersten Präsidenten der Notarkammer Thüringen übernahm er dieses Amt und brachte seine Ideen in die Reform des notariellen Berufsrechts ein.

Des Weiteren setzte sich Thomas Renner über viele Jahre auch in der standespolitischen Arbeit der Bundesnotarkammer ein. Mehr als 10 Jahre gehörte er dem Berufsbildungsausschuss und dem Ausschuss für Aus- und Weiterbildung an und war dessen stellvertretender Vorsitzender.

Sein außergewöhnliches Engagement für die Aus- und Fortbildung des Notarnachwuchses prädestinierte ihn für das Amt des Präsidenten der Ländernotarkasse, das er seit nunmehr 10 Jahren innehat.

Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Dass Thüringen einen so ausgewiesenen und standespolitisch engagierten Fachmann vorweisen kann, trägt ganz entscheidend zum Renommee des Notarwesens in den neuen Ländern bei. Dafür gilt Dr. Thomas Renner der nachdrückliche Dank der Thüringer Landesregierung. Durch seine große Unterstützung beim Aufbau der freiwilligen Gerichtsbarkeit in Thüringen hat er dazu beigetragen, das Notariat zur tragenden Säule der vorsorgenden Rechtspflege zu entwickeln. Meinen Dank verbinde ich mit der Hoffnung, dass Dr. Thomas Renner das deutsche Notariatssystem - im Wissen um die zentrale Funktion des Notars im Rahmen der vorsorgenden Rechtspflege - auch in Zukunft wahren und stärken wird.“

 

Wolfgang Scheler aus Mengersgereuth-Hämmern hat sich über viele Jahrzehnte und in vielfältiger Weise für seine Gemeinde starkgemacht – sowohl auf kommunalpolitischer Ebene als auch im kulturellen Bereich und im Sport.

Wolfgang Scheler ist in seiner Heimat fest verwurzelt und setzt sich dafür ein, die Einzigartigkeit des fränkisch-südthüringischen Raumes für kommende Generationen zu erhalten, zum Beispiel Mundart und Trachten. Es ist ihm wichtig, Erinnerung und historische Reflexionen zu ermöglichen, die für eine aufgeklärte, weltoffene Heimatliebe notwendig sind. So widmet er viel Zeit seinen ehrenamtlichen Projekten und insbesondere dem Kirmes- und Trachtenverein 1990 Mengersgereuth-Hämmern, den er mit Gleichgesinnten gründete und über viele Jahre leitete. Der Verein gestaltet Feste und Umzüge, bildet im Volkstanz aus und sammelt regionale Trachten. Kinder und Jugendliche können so die Erfahrung machen, dass sich eine lebendige Brauchtumspflege und ein modernes Lebensgefühl nicht gegenseitig ausschließen.

Auch fühlt sich Wolfgang Scheler den Traditionen im Wintersport verpflichtet. Regelmäßig spurt er die Loipen; auch ist er ein gefragter Kampfrichter im Langlauf, Biathlon und Skispringen. Mit diesem ehrenamtlichen Engagement hat er Anteil daran, dass junge Menschen die erfolgreichen Thüringer Skitraditionen fortsetzen können.

Seit 2014 ist Wolfgang Scheler ehrenamtlicher Kreiswegewart im Landkreis Sonneberg. In dieser Funktion wirkt er maßgeblich an der Entwicklung des Wanderwegenetzes und des Wandertourismus im Südthüringer Raum mit. Er hat großen Anteil daran, dass sich Thüringen seinen Gästen als gut organisiertes Wanderland mit 11 unterschiedlichen Wanderregionen und vielen 1000 Kilometern markierter Wege präsentieren kann.

„Was Wolfgang Scheler leistet, ist Heimatpflege im besten Sinne, die ausgeprägtes Traditionsbewusstsein und aufgeklärte Weltoffenheit verbindet“, betont der Ministerpräsident. „Vom Erhalt der Wanderwege, über Trachtenfeste bis zur Unterstützung der freiwilligen Gemeindefusion im Föritztal – sein Engagement bereitet seiner Heimatregion den Weg in die Zukunft. Für sein jahrzehntelanges, vielfältiges Engagement in Sport und Brauchtumspflege, Tourismus und Kommunalpolitik gilt Wolfgang Scheler unser aller außerordentlicher Dank. Durch seine ehrenamtliche Arbeit hat er einen gemeinschaftsstiftenden Beitrag geleistet, der unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung festigt.“

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