55 Jahre Élysée-Vertrag - Deutschland, Frankreich und die Zukunft Europas

Informations- und Diskussionsveranstaltungen in Thüringen vom 22. - 26. Januar 2018

Bild Einlad 22.1.18

Als „Meilenstein der Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland“ würdigte Ministerpräsident Bodo Ramelow am 22. Januar 2018 bei einer Festveranstaltung des Europäischen Informationszentrums in der Thüringer Staatskanzlei die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags zwischen Frankreich und Deutschland, die sich am gleichen Tag zum 55. Mal jährte. Dass es den beiden Staaten gelungen ist, ihre Feindschaft zu überwinden und das konfliktbeladene Verhältnis in eine konstruktive Zusammenarbeit umzuwandeln, zähle zu den herausragenden historischen Leistungen der Nachkriegszeit. Das wichtigste Element des Élysée-Vertrages sei die Verpflichtung, sich in wichtigen Fragen abzustimmen sowie mit Divergenzen produktiv umzugehen. Regelmäßige Gespräche auf allen staatlichen Ebenen bis hin zu gegenseitigen Konsultationen bei wichtigen außenpolitischen Entscheidungen sowie das zivilgesellschaftliche Engagement, die vielen deutsch-französischen Partnerschaften von Schulen, Vereinen, Städten und Regionen – das sei die Basis der engen wie erfolgreichen deutsch-französischen Beziehungen. „Unser bilaterales Verhältnis ist zu einer Normalität gereift, die es nie zuvor gab“, betonte der Ministerpräsident. Ziel müsse es sein, diese Partnerschaft auf Polen auszuweiten, wie dies im Rahmen des Weimarer Dreiecks angestrebt werde, auch wenn dies zurzeit schwierig sei.

Anne Pinon und Mady Dorchies, Mitglieder des Regionalrates von Hauts-de-France würdigten ebenfalls den Élysée-Vertrag, der dazu beigetragen habe, den Lauf der Geschichte zu ändern. Sie überbrachten Grüße des Präsidenten des Regionalrates, Xavier Bertrand, und kündigten an, die Beziehungen zu Thüringen als Partnerregion zu intensivieren.

Die ungewöhnliche Genese des Élysée-Vertrages, die zutiefst von der Annäherung zwischen dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer geprägt ist, schilderte Ingo Espenschied mit historischen Fotos und Videosequenzen im DOKU-LIVE Format. Die Bedeutung dieses Vertrages könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, so Espenschied.

Prof. Henri Ménudier, Universität Sorbonne Nouvelle in Paris, erläuterte den Wunsch des französischen Staatspräsidenten, Emmanuel Macron, nach einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich als Voraussetzung, die Europäische Union zu stärken, die in seinen Augen zu schwach, zu ineffizient und zu langsam sei. Deshalb habe er eine Neubegründung der Europäischen Union, eine neue Partnerschaft mit Deutschland und einen neuen Deutsch-Französischen Vertrag vorgeschlagen. Bei der Reform der Eurozone ginge es ihm nicht um die Schaffung einer Transferunion, wie in Deutschland befürchtet werde, sondern um den Aufbau eines Investitionsfonds, um die Zukunft zu gestalten. Neben den vielen Reformen sei Macron die Einbindung der Zivilgesellschaft in den europäischen Willensbildungsprozess und die Stärkung des internationalen Austausches insbesondere von Jugendlichen besonders wichtig. Aufgrund der Europawahlen im Mai 2019 verbliebe dafür allerdings nicht viel Zeit, so Prof. Ménudier.

Der Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 über die deutsch-französische Zusammenarbeit ist bis heute etwas Besonderes in den internationalen Beziehungen. Er hat die beiden Nachbarn in Europa nach langer „Erbfeindschaft“ und verlustreichen Kriegen zusammengeführt. Am 5. Juli 1963 folgte das Gründungsabkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Städtepartnerschaften sowie Partnerschaften zwischen Schulen und Vereinen.

Thüringen zählt allein 82 Städtepartnerschaften, 63 Schulpartnerschaften und 110 Kooperationen zwischen Thüringer Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen mit französischen Partnereinrichtungen. Es bestehen enge wirtschaftliche Verflechtungen. Vor allem kulturelle Projekte prägen die lebendige Partnerschaft mit der französischen Region Picardie, die im Jahr 2016 nach dem Zusammenschluss mit der Region Nord-Pas-de-Calais in die neue Region Hauts-de-France aufgegangen ist. Deren Hauptstadt Lille und die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt können im Jahr 2018 bereits auf 30 Jahre Städtepartnerschaft zurückschauen.

Gute deutsch-französische Beziehungen sind ein Wert an sich. Sie sind zugleich Auftrag für Gegenwart und Zukunft in Europa. Sie waren entscheidend für den eu-ropäischen Integrationsprozess nach dem 2. Weltkrieg und sind entscheidend für seinen zukünftigen Weg in einer zunehmend globalisierten Welt. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat am 26. September 2017 eine Neubegründung der Europäischen Union, eine neue Partnerschaft mit Deutschland und einen neuen Deutsch-Französischen Vertrag vorgeschlagen. Wir soll Deutschland auf diese Vorschläge reagieren?

Um diese Fragen zu erörtern, führte das EIZ in der Woche vom 22. – 26. Januar 2018 unter dem Titel „55 Jahre Élysée-Vertrag – Deutschland, Frankreich und die Zukunft Europas“ folgende Veranstaltungen in Thüringen durch:

22.01.2018    Veranstaltung mit Ministerpräsident Bodo Ramelow, Prof. Dr. Henri  Ménudier, Ingo Espenschied, Blanka Weber
                       Erfurt, Thüringer Staatskanzlei, Barocksaal   Einladung
22.01.2018    Veranstaltung mit Prof. Henri Ménudier,
                      Erfurt, Ernst-Benary-Schule
22.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Friedrichroda, Perthes-Gymnasium
23.01.2018    Veranstaltung mit Staatssekretärin Dr. Babette Winter, Prof. Dr. Henri Ménudier,
                      Prof. Dr. Olaf Leiße in Kooperation mit dem Institut für Politikwissenschaft der FSU Jena und dem
                      Collegium Europaeum Jenense
                      Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Senatssaal   Einladung   
23.01.2018    Veranstaltung mit Prof. Ménudier
                      Jena, BBS Karl-Volkmar-Stoy-Schule
23.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Eisenach, Martin-Luther-Gymnasium
23.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Erfurt, Edith-Stein-Schule
24.01.2018    Lehrerfortbildung mit Staatssekretärin Dr. Babette Winter, Ingo Espenschied
                      in Kooperation mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien,
                      ThILLM-Nr. 195400901 
                      Erfurt, Europäisches Informationszentrum  Einladung  
24.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Gotha, Kooperative Gesamtschule Herzog Ernst 
25.01.2018    Veranstaltung mit Oberbürgermeister Knut Kreuch, Ingo Espenschied, 
                      in Kooperation mit dem Förderverein Gothaer Tivoli e.V. 
                      Gotha, Tivoli, historischer Saal   Einladung  
25.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Arnstadt, Staatliches Gymnasium Melissantes
25.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      llmenau, Gymnasium Am Lindenberg
26.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Erfurt, Gemeinschaftsschule am Roten Berg
26.01.2018    Veranstaltung mit Ingo Espenschied
                      Weimar, Humboldt-Gymnasium                       

Prof. Dr. Henri Ménudier ist seit 1988 Professor an der Universität Paris III – Sor-bonne Nouvelle und gilt international als ausgewiesener Kenner der politischen Entwicklung in Deutschland und Frankreich, der deutsch-französischen Beziehun-gen und der Europäischen Einigung. Davon zeugen seine Gastprofessuren, eine umfangreiche Vortragstätigkeit sowie zahlreiche Veröffentlichungen.

Ingo Espenschied ist Diplom-Politologe und anerkannter Experte für die deutsch-französischen und europäischen Beziehungen. Mit dem multimedialen DOKULIVE-Format hat er ein neues, innovatives Genre im Bereich politischer Bildung entwickelt, das europaweit begeistert.   

                 

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