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„Zug der Erinnerung“ erreicht Thüringen

Ministerpräsident Althaus ruft zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf und warnt vor neuen rechtsextremen Tendenzen

Der „Zug der Erinnerung“ hat am Sonntag (20. Januar 2008) Thüringen erreicht. Gemeinsam mit Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus empfingen zahlreiche Thüringer das rollende Ausstellungsprojekt auf dem Gothaer Hauptbahnhof. Dieter Althaus forderte bei der Ankunft des Zuges zur Erinnerung an die Geschehnisse im Dritten Reich auf und warnte vor neuen rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland. Gemeinsam mit den Ministerpräsidenten des Saarlandes und Sachsens, Peter Müller und Georg Milbradt, hat Thüringens Regierungschef die Schirmherrschaft übernommen.

Foto: Ministerpräsident Dieter Althaus, Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch und Bundestagsvizepräsidentin Kathrin-Göring-Eckardt bei der Ankunft des
Ministerpräsident Dieter Althaus, Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch und Bundestagsvizepräsidentin Kathrin-Göring-Eckardt bei der Ankunft des "Zuges der Erinnerung" auf dem Gothaer Hauptbahnhof.

Ministerpräsident Althaus erinnerte daran, dass die zwischen 1940 und 1944 durch ganz Europa fahrenden „Todeszüge“ auch an Thüringer Bahnhöfen Halt machten. „Niemand hat die Züge gestoppt – das ist die schmerzliche Wahrheit“, sagte der Ministerpräsident. Der Zug könne helfen, die Erinnerung an das schreckliche Geschehen wach zu halten. „Hinter jedem Toten steht ein Gesicht, ein Name“, sagte der Regierungschef. Die Opfer der Deportationen erhielten mit dem Ausstellungsprojekt wieder eine Identität.

Der Ministerpräsident betonte, wie wichtig die Erinnerung an jene unfassbaren Ereignisse ist. „Wir können das Schreckliche, das Grauenhafte, das Unfassbare nicht ungeschehen machen. Auch mehr als sechs Jahrzehnte später können wir nicht wiedergutmachen, dass es damals keinen Widerstand gab. Aber wir dürfen die menschenverachtenden NS-Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten lassen“, forderte Dieter Althaus und fügte hinzu: „Wir stehen in der Verantwortung, die Kindermorde nicht zu verdrängen, sondern uns mit dem Schicksal dieser Menschen auseinanderzusetzen. Jedem toten Kind seinen Namen geben – das können wir tun!“

Foto: Der
Der "Zug der Erinnerung" fährt in den Gothaer Hauptbahnhof ein.

Zugleich warnte der Regierungschef vor einem Erstarken rechtsextremer Kräfte in der Bundesrepublik. „Die Rechtsradikalen drängen in diesen Tagen wieder nach vorn. Sie geben sich ein neues Gesicht“, sagte der Ministerpräsident. Daher sei es wichtig, dem extremistischen Tendenzen entschlossen entgegenzutreten. Ministerpräsident Althaus würdigte das Engagement Thüringer Bürgerinitiativen, die sich für einen Stopp des „Zuges der Erinnerung“ im Freistaat einsetzten. „Sie haben sich dafür stark gemacht, dass ihre Stadt auf den Fahrplan kommt“, sagte der Regierungschef und fügte hinzu: „Ich wünsche dem Zug der Erinnerung freie Fahrt.“

Der „Zug der Erinnerung“ ist ein Ausstellungsprojekt verschiedener deutscher Bürgerinitiativen. Er war Anfang Dezember in Saarbrücken gestartet und verkehrt auf den einst auch von den NS-Deportationszügen befahrenen Routen bis nach Auschwitz. Das Projekt wendet sich gegen Geschichtsvergessenheit, Antisemitismus und Rechtsextremismus. In den fünf Ausstellungswagen informieren Texte und Bilder sowie Ton-, Video- und Filmsequenzen über das Schicksal deportierter Kinder und Jugendlicher. Persönliche Zeugnisse erzählen von den Lebensläufen getöteter und überlebender Opfer. Der von einer Dampflok gezogene Zug fährt nach Gotha (20. Januar bis 22. Januar) weiter nach Erfurt (23. Januar bis 25. Januar), Weimar (26. und 27. Januar) und erreicht am 28. Januar Apolda.

Foto: Feierstunde bei der Ankunft des
Feierstunde bei der Ankunft des "Zuges der Erinnerung" auf dem Gothaer Hauptbahnhof.
Foto: Blick in die Austellung. In den fünf Waggons des
Blick in die Austellung. In den fünf Waggons des "Zuges der Erinnerung" berichten Texte und Bilder sowie Ton-, Video- und Filmsequenzen über das Schicksal deportierter Kinder und Jugendlicher.
Foto: Ein Stolperstein erinnert künftig in Gotha an ein Deportationsopfer. Das aus Spenden von Gothaer Schülern finanzierte Projekt wurde bei der Ankunft des
Ein Stolperstein erinnert künftig in Gotha an ein Deportationsopfer. Das aus Spenden von Gothaer Schülern finanzierte Projekt wurde bei der Ankunft des "Zuges der Erinnerung" vorgestellt.