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Medieninformation 

Abschlussveranstaltung zum Innovationsforum "Oberflächennahe Geothermie"

Juckenack: Erdwärme mit großem Wachstumspotential in Thüringen

Der Geothermie kommt bei der Energieversorgung Deutschlands und Thüringens eine wachsende Bedeutung zu. Diese Einschätzung traf Thüringens Wirtschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Christian C. Juckenack heute zum Abschluss des Innovationsforums „Oberflächennahe Geothermie“ auf Schloss Ettersburg bei Weimar. „Die Erdwärme hat unter den erneuerbaren Energien zu lange und völlig zu unrecht ein Schattendasein gefristet“, sagte Juckenack. Dabei gebe es weltweit ein erhebliches Wachstumspotential für diese Form der Energiegewinnung.

Schon heute ist Thüringen bundesweit Spitzenreiter bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Ihr Anteil am Primärenergieverbrauch des Landes liegt bei 12% und damit doppelt so hoch wie im deutschen Durchschnitt. „Um diese führende Position weiter auszubauen, setzen wir auch auf die Geothermie“, machte Juckenack deutlich.

Geothermie: Wärmetauscher
Erdwärmetauscher - im Vordergrund die beiden Pufferspeicher Heizen (rot) und Kühlen (blau), im Hintergrund die umschaltbare Wärmepumpe (Foto: BMU / Brigitte Hiss).

Derzeit sind in Thüringen rund 1 600 Wärmepumpen im Einsatz. Rund 17% aller neuen Wohngebäude werden im Freistaat heute mit dieser Technik ausgestattet. Allerdings hat Thüringen in diesem Bereich noch Nachholbedarf: Während in Thüringen gerade eine Wärmepumpe je 1000 Einwohner installiert ist, erreicht Bayern als Vorreiter in diesem Bereich einen Wert von mehr als 4.

Das Externer Link "Innovationsforum „Oberflächennahe Geothermie“ hat sich deshalb zum Ziel gesetzt,


  • den Bekanntheitsgrad der oberflächennahen Geothermie zu fördern;

  • die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder und Märkte zu unterstützen;

  • die geothermische Forschung und Technologieentwicklung zu beschleunigen.
Im Rahmen des Innovationsforums wurde dazu der Externer Link Verein „Erdwärme Thüringen e.V.“ gegründet und ein bundesweit agierendes Kompetenznetzwerk etabliert. Hier arbeiten Architekten, Planer, Geowissenschaftler, Bohrfirmen, Wärmepumpenhersteller, Heizungs-, Lüftungs- und Kältetechniker künftig zusammen – z.B. an der Senkung der derzeit noch relativ hohen Kosten für Bohrung und Einbau von Wärmepumpen, an der Erhöhung des Wärmeertrags, an neuen Arten und Bauformen von Sonden oder an der Integration von Erdwärmesystemen in ältere Bauwerke.

Wirtschaftsstaatssekretär Juckenack verwies in diesem Zusammenhang auf die vielfältigen Fördermöglichkeiten für die Erforschung und Entwicklung neuer Umwelttechnologien in Thüringen. So sei die Technologieförderung zusätzlich um den Schwerpunkt regenerative Energietechnologie ergänzt worden, hob der Staatssekretär hervor. Insgesamt stehen für die Verbund- und die einzelbetriebliche Technologieförderung bis 2013 fast 300 Mio. € bereit.

Das Externer Link "Innovationsforum „Oberflächennahe Geothermie“ wurde für den Zeitraum vom 1. August 2007 bis 31. Januar 2008 vom Externer Link Bundesforschungsministerium mit 84 300 € gefördert. Projektträger ist das Externer Link Forschungsinstitut für Tief- und Rohrleitungsbau Weimar e.V. (FITR). An der Abschlusstagung am 23. und 24. Januar nahmen 150 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet teil.


Fakten zur Geothermie:

  • Erdwärme steht praktisch unbegrenzt zur Verfügung. Schätzungen besagen:
    • Mit den Vorräten in den oberen drei Kilometern der Erdkruste kann der weltweite Energiebedarf für 100 000 Jahre gedeckt werden.

    • Die Erde strahlt täglich etwa viermal mehr Energie in den sie umgebenden Weltraum ab, als wir Menschen derzeit verbrauchen.
  • Während sich der Erdölpreis in den letzten zehn Jahren auf derzeit rund 100 $ je Barrel mehr als verfünffacht hat, steht die Erdwärme kostenlos zur Verfügung – eine technisch effiziente Nutzung vorausgesetzt.
  • Die Kosten z.B. für eine Erdwärmepumpe amortisieren sich bei den derzeitigen Öl- und Gaspreisen in etwa sechs bis acht Jahren.

  • Als Vorzüge der Geothermie gelten vor allem ihre permanente Verfügbarkeit und ihre Unabhängigkeit von Wetter, Klima und Jahreszeiten.

  • Sie kann in Form der oberflächennahen Geothermie zur Wärmegewinnung auch in Einfamilienhäusern, kleineren Betrieben oder öffentlichen Gebäuden rentabel eingesetzt werden.


Erdwärmenutzung in Deutschland und Thüringen:
  • Nach Angaben des Externer Link Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) wurden im Jahr 2006 ca. 1,9 GWh Wärme durch Anlagen der Oberflächennahen Geothermie erzeugt, das sind 2,2 % der gesamten Wärmebereitstellung aus Erneuerbaren Energien.

  • Ende 2007 waren in Deutschland bereits über 100 000 Systeme mit Wärmepumpen – vorrangig in privaten Haushalten – im Einsatz.

  • Der Umsatz von Industrie und Handwerk bei der Bereitstellung der entsprechenden Technik stieg auf 580 Mio. €. Das entspricht 5 % des Gesamtumsatzes bei Technologien der erneuerbaren Energien.

  • In Deutschland waren 2006 etwa 4.100 Beschäftigte in dieser Branche tätig.