Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

Inhalt

Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung der Länder Deutschlands 1. Halbjahr 2006

Datenstand: Oktober 2006

1. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung im 1. Halbjahr 2006

Die verhaltene Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2005 in Deutschland beschleunigte sich zu Beginn des Jahres 2006. Bundesweit verstärkten sich positive Wachstumssignale insbesondere durch eine anhaltend hohe Nachfrage aus dem Ausland. Die Bruttoanlageinvestitionen zeigten eine deutliche Zunahme und der Außenbeitrag steuerte einen wesentlichen Anteil zum Wachstum bei. Die inländische Konsumzurückhaltung dämpfte dagegen das weitere Wachstum.
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im 1. Halbjahr 2006 preisbereinigt um 2,0 % im Vergleich zum 1. Halbjahr 2005. Dabei konzentrierte sich der Zuwachs mit 2,4 % auf die neuen Länder, die auf Grund verstärkter Nachfrage von den Auslandsmärkten auch stärker vom Exportanstieg profitieren konnten. In den alten Ländern und Berlin stieg die Wirtschaftsleistung um 2,0 %.
Die Thüringer Wirtschaft verzeichnete einen Anstieg des BIP von preisbereinigt 2,5 %. Das war nach Sachsen und Baden-Württemberg das dritthöchste Wachstum unter allen Ländern.
Das Wachstum resultierte in Thüringen vor allem aus der positiven Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe. Hier stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,1 %. Das war bundesweit ebenfalls das drittbeste Ergebnis.

Da sich der Aufschwung der Weltwirtschaft bis zum Jahresende 2006 fortsetzen dürfte, hält der Exportanstieg in Deutschland ebenfalls an. Die Binnennachfrage hat sich durch steigende Ausrüstungs- und Bauinvestitionen wesentlich beschleunigt. Das jüngste Herbstgutachten der 6 führenden Forschungsinstitute geht in seiner Prognose für 2006 von einer realen Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 2,4 % aus. Im nächsten Jahr dürfte die ausbleibende Konsumnachfrage durch die Anhebung der Mehrwertsteuer eine Wachstumsbremse darstellen und die konjunkturelle Aufwärtsbewegung hemmen. Es wird bei steigender Erwerbstätigkeit ein Wachstum von etwa 1,8 % erwartet. Auch der Sachverständigenrat rechnet für das kommende Jahr nicht mit einem Einbruch der Konjunktur. Er prognostiziert ebenfalls ein Wachstum von 1,8 %.

2. Verarbeitendes Gewerbe, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden

Im 1. Halbjahr 2006 nahm die Wertschöpfung der deutschen Industrie durch verstärkte Lieferung von Waren ins Ausland und die anziehende Binnenkonjunktur zu. Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung (BWS) im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands stieg um 5,0 %. Dabei verzeichneten die alten Länder und Berlin einen Wertschöpfungszuwachs von 4,4 % und die neuen Länder einen Anstieg von 11,3 %.
Das Thüringer Verarbeitende Gewerbe erzielte einen Anstieg von 10,1 % (Vorjahr 5,8 %). Damit war die positive Entwicklung der Industrie erneut Wachstumsträger für die Gesamtentwicklung. Die Zunahme der BWS in Thüringen wurde nur von Sachsen (15,7 %) und Sachsen-Anhalt (10,5 %) übertroffen.

In Deutschland realisierten die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes und Bergbaus (mit 20 und mehr Beschäftigten) im 1. Halbjahr 2006 einen Gesamtumsatz von 771 Mrd. EUR. Das waren 49 Mrd. EUR bzw. 6,9 % mehr als im 1. Halbjahr 2005.
In der Industrie der alten Länder und Berlins stieg der Umsatz im 1. Halbjahr 2006 um 6,3 % auf 702 Mrd. EUR. In den neuen Ländern steigerten die Industriebetriebe ihren Umsatz um 13,5 % auf 68 Mrd. EUR. Innerhalb der Länder gab es sehr unterschiedliche Entwicklungen. So reichte die Umsatzentwicklung von -8,5 % in Bremen bis +17,5 % in Hamburg. Die Thüringer Industrie realisierte einen Umsatz von 13,1 Mrd. EUR und ein Wachstum von 10,2 %. Das war der fünftbeste Zuwachs unter allen Ländern.

Im längerfristigen Vergleich zum 1. Halbjahr 1996 (1. Vergleichender Bericht) stieg der Umsatz in der deutschen Industrie um 48,5 %, (in den alten Ländern und Berlin um 43,8 %; in den neuen Ländern um 121,8 %).
Die Umsatzentwicklung in den einzelnen Ländern reichte von +12,5 % in Berlin bis +160,9 % in Sachsen-Anhalt. Thüringen erreichte mit +125,6 % den drittbesten Wert aller Länder.

Das Umsatzwachstum im 1. Halbjahr 2006 führte in den neuen Ländern zu einer Anteilsverbesserung um 0,6 Prozentpunkte auf 8,9 % am gesamten Umsatz der deutschen Industrie. Dieser Anstieg wurde zur Hälfte von Sachsen getragen. Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen steuerten je 0,1 Prozentpunkte bei.

Die wirtschaftliche Belebung auf dem Weltmarkt führte zu einem kräftigen Anstieg des Auslandsumsatzes bei den deutschen Unternehmen. Im 1. Halbjahr 2006 wurden von der deutschen Industrie 11,1 % mehr Waren ins Ausland verkauft. Der Auslandsumsatz belief sich auf 326 Mrd. EUR und lag um 32 Mrd. EUR über dem Wert des 1. Halbjahres 2005.
In den alten Ländern und Berlin ergab sich eine Zunahme um 10,2 % auf 306,5 Mrd. EUR. Die neuen Länder konnten auf den Auslandsmärkten deutlich höhere Zuwächse erzielen. Der Auslandsumsatz wurde um 26,2 % auf 19,8 Mrd. EUR ausgeweitet.
Unter den alten Ländern erzielte Bayern mit 70,1 Mrd. EUR den höchsten Auslandsumsatz. Die größte Steigerung im Vergleich zum 1. Halbjahr 2005 gelang den Industriebetrieben in Sachsen mit 38,9 %. Thüringen lag mit einem Zuwachs von 10,7 % bundesweit an zehnter Stelle. Unter den neuen Ländern hatte Sachsen mit 8,2 Mrd. EUR den größten Auslandsumsatz. Das Volumen des Auslandsumsatzes Thüringer Unternehmen lag mit 3,9 Mrd. EUR an dritter Stelle unter allen neuen Ländern. Der Auslandsumsatz war erneut höher als der von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen.

Trotz der hohen Steigerungsrate der neuen Länder beim Auslandsumsatz, ist ihr Anteil am Auslandsumsatz Deutschlands mit 6,1 % weiterhin gering (Bevölkerungsanteil = 16,2 %).
Gegenüber dem 1. Halbjahr 2005 stieg der Anteil am Auslandsumsatz um 0,8 Prozentpunkte. Zum Anteilszuwachs steuerten Sachsen 0,5 Prozentpunkte, Sachsen-Anhalt 0,2 Prozentpunkte und Mecklenburg-Vorpommern 0,1 Prozentpunkte bei. Brandenburg und Thüringen blieben bei dieser Kennziffer konstant.
Die exportstarken Industriezweige in Deutschland sind vor allem in den Ländern Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg angesiedelt. Diese drei Länder erzielten zusammen einen Anteil von 62,1 % am gesamten Auslandsumsatz der deutschen Industrie.

Die Entwicklung des Inlandsumsatzes war von der Belebung der Ausrüstungsinvestitionen und der Schwäche der Konsumnachfrage geprägt. Die Inlandsumsätze der deutschen Industrie stiegen im 1. Halbjahr 2006 um 4,0 % auf 444 Mrd. EUR. Während in den alten Ländern und Berlin ein Plus von 3,4 % erzielt wurde, konnten die neuen Länder einen Zuwachs von 9,0 % verzeichnen.
Die ostdeutschen Industrieunternehmen profitierten hierbei von der kontinuierlichen Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf den Inlandsmärkten. Die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern waren die Hauptträger des Wachstums.

In den Ländern ergab sich eine sehr differenzierte Entwicklung beim Inlandsumsatz. Sie reichte von einem Rückgang um 3,8 % in Bremen bis zu einem Anstieg um 13,5 % in Hamburg. In den Thüringer Betrieben stieg der Inlandsumsatz um 10,0 %. Das war die dritthöchste Zunahme unter allen Ländern.

Die deutsche Industrie hatte im 1. Halbjahr 2006 eine Exportquote (Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz) von 42,3 %. Dabei erreichten die alten Länder und Berlin eine Quote von 43,6 % und die neuen Länder von 28,9 %. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2005 verbesserten die alten Länder ihre Quote um 1,5 Prozentpunkte und die neuen Länder ihre um 4,0 Prozentpunkte. Die höchste Quote der Flächenländer wurde in Baden-Württemberg mit 48,6 % erzielt, die niedrigste in Mecklenburg-Vorpommern mit 22,7 %. Thüringen erreichte eine Exportquote von 29,6 %. Die höchste Quote aller neuen Länder erzielte Sachsen mit 33,9 %.

Im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands waren im 1. Halbjahr 2006 durchschnittlich 5,9 Millionen Personen beschäftigt, 1,0 % bzw. 61.000 Personen weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Dabei kam es zu einer Abnahme der Beschäftigten in den alten Ländern und Berlin (-1,3 % bzw. 65.700 Personen) und zu einer Zunahme in den neuen Ländern (0,7 % bzw. 4.700 Personen). Die Entwicklung in den einzelnen Ländern gestaltete sich uneinheitlich. In den alten Ländern und Berlin trat in allen Ländern bis auf Hamburg eine Abnahme bei den Industriebeschäftigten ein. Den größten Rückgang hatte Bremen (-4,0 %).
In den neuen Ländern wiesen Brandenburg (-0,1 %) und Thüringen (-0,4 %) einen Rückgang auf. Mecklenburg-Vorpommern (+2,8 %) hatte den höchsten Zuwachs, gefolgt von Sachsen mit (+1,3 %) und Sachsen-Anhalt mit (+0,6 %).
Im Juni 2006 waren 145.241 Personen im Verarbeitenden Gewerbe und Bergbau in Thüringen beschäftigt. Damit sind seit dem tiefsten Stand im Juni 1996 mit 107.065 Beschäftigten in der Thüringer Industrie rund 38.200 Personen mehr beschäftigt.

89,4 % aller Industriebeschäftigten in Deutschland arbeiteten in den alten Ländern und Berlin. Der Anteil der neuen Länder betrug 10,6 % und nahm um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem 1. Halbjahr 2005 zu. Träger dieses Zuwachses waren Mecklenburg-Vorpommern mit 0,1 Prozentpunkten sowie Sachsen und Sachsen-Anhalt mit je 0,05 Prozentpunkten.

Die Industriedichte (Beschäftigte je 1.000 Einwohner) lag in Deutschland im 1. Halbjahr 2006 bei 71 Personen. Dabei kamen die alten Länder und Berlin auf 76 Personen und die neuen Länder auf 47 Beschäftigte je 1.000 Einwohner.
In Deutschland sowie in den alten Ländern und Berlin sank die Industriedichte. In den neuen Ländern erhöhte sich die Dichte.
Den höchsten Industriebesatz gab es in Baden-Württemberg und die niedrigste Industriedichte wies Berlin aus.
In Thüringen lag dieser Indikator bei 62 Personen. Das war wie im Vorjahreszeitraum der höchste Wert aller neuen Länder vor Sachsen mit 54 Personen.
Um den durchschnittlichen Industriebesatz Deutschlands (71) zu erreichen, fehlen der Thüringer Industrie aber noch rund 21.100 Industriearbeitsplätze.

Die durchschnittliche Betriebsgröße lag im Verarbeitenden Gewerbe und Bergbau Deutschlands im 1. Halbjahr 2006 bei 126 Personen. Die Betriebsgrößenstruktur zwischen den alten Ländern und Berlin sowie den neuen Ländern war dabei sehr unterschiedlich. Während in den alten Ländern und Berlin Großbetriebe dominierten, gab es in den neuen Ländern mehr kleine und mittlere Betriebe. Der durchschnittliche Betrieb in den alten Ländern und Berlin hatte 136 und in den neuen Ländern 79 Beschäftigte. In den alten Ländern und Berlin reichte die Spanne in der durchschnittlichen Betriebsgröße von 94 in Schleswig-Holstein bis 199 im Saarland. In den neuen Ländern waren die Unterschiede geringer. Hier gab es 72 Beschäftigte je Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern und 81 in Sachsen-Anhalt. In Thüringen wurde ein Durchschnitt von 79 Personen erreicht, zwei Beschäftigte mehr als im 1. Halbjahr 2005. Insgesamt ist festzustellen, dass sich in allen Ländern ein Betriebsgrößenwachstum vollzogen hat.

Im Zeitraum Januar bis Juni 2005 gab es im Verarbeitenden Gewerbe und Bergbau Deutschlands 46.524 Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank ihre Anzahl um 885 bzw. 1,9 %. Dabei war ein Rückgang sowohl in den alten Ländern und Berlin (-2,0 %) als auch in den neuen Ländern (-1,4 %) festzustellen. Der Anteil der neuen Länder an der Gesamtzahl der Betriebe belief sich auf 16,9 %.
In Thüringen sank die Anzahl der Betriebe um 3,4 % auf 1.832. Bundesweit verzeichnete Thüringen die drittgrößte Abnahme. Dieser Rückgang ist Teil eines notwendigen Strukturwandels, der sich in Thüringen vor allem im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen vollzieht und auf der Gegenseite durch Betriebserweiterungen z. T. kompensiert wird.

Für Deutschland ergab sich im 1. Halbjahr 2006 eine Betriebsdichte von 56 Industriebetrieben je 100.000 Einwohner. In den alten Ländern und Berlin lag die Betriebsdichte ebenfalls bei 56 und in den neuen Ländern bei 59 Betrieben.
Die größte Betriebsdichte unter den Ländern erreichte Baden-Württemberg mit 80 Betrieben je 100.000 Einwohner. Thüringen erzielte mit 78 Betrieben den zweiten Platz im bundesweiten Vergleich. Die geringste Betriebsdichte aller Länder wies Berlin mit 24 aus.
In Thüringen kam es zu verstärkten Betriebsaufgaben vor allem von kleinen Betrieben, die den Bestand an Betrieben schrumpfen ließen.

Im 1. Halbjahr 2006 lag die Produktivitätskennzahl (Umsatz je Beschäftigten und Monat) in der deutschen Industrie bei 21.910 EUR, sie war damit 8,0 % höher als im Vorjahreszeitraum. Während in den alten Ländern und Berlin eine durchschnittliche Produktivität von 22.333 EUR und ein Anstieg um 7,6 % festgestellt wurden, erzielten die neuen Länder 12,7 % Zuwachs und 18.346 EUR. Dies entsprach einem Niveau von 83,7 % bezogen auf Deutschland insgesamt.
Mit einer monatlichen Produktivität von 15.003 EUR und einem Niveau von 68,5 % bezogen auf Deutschland belegte Thüringen bei dieser Kennziffer den letzten Platz unter allen Ländern.
Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Die strukturellen Unterschiede im Verarbeitenden Gewerbe, wie arbeitsintensive Wirtschaftszweige und wenige Großbetriebe, sowie die geringe Marktmacht sind nach wie vor die Hauptursachen für den niedrigen Wert Thüringens.
Die statistische Kennziffer darf nicht als qualitative Bewertung der Effizienz der Thüringer Wirtschaft angesehen werden, sie enthält lediglich eine Aussage zu einem Verhältnis zwischen Umsatz und Beschäftigten. Zur Messung der Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft sind eher die Lohnstückkosten geeignet, die angeben, welche Lohnkosten durchschnittlich für die Erstellung einer Einheit physischer Produktionsmenge aufgewendet werden müssen.

Die Lohnquote (Anteil der Bruttolohn- und –gehaltssumme am Umsatz) im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands betrug im Berichtszeitraum 14,6 %. In den alten Ländern und Berlin wurden 14,9 % und in den neuen Länder 12,0 % erzielt. Für Thüringen wurde eine Lohnquote von 13,9 % festgestellt.
In allen Gebieten ergab sich eine Abnahme gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Unter den Ländern wies nur das Saarland einen Anstieg der Lohnquote auf.
Bezogen auf das Durchschnittsniveau (Deutschland = 100) betrug das Niveau in den alten Länder 101,8 %, in den neuen Ländern 81,8 % und in Thüringen 94,9 %.

In der Industrie Deutschlands wurde im 1. Halbjahr 2006 eine durchschnittliche Bruttolohn- und Bruttogehaltssumme von 3.205 EUR je Beschäftigten und Monat gezahlt. Dabei erhielten die Beschäftigten in den alten Ländern und Berlin 3.324 EUR und in den neuen Ländern 2.196 EUR. Bezogen auf Deutschland erreichten die neuen Länder ein Niveau von 68,5 %. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2005 stieg die durchschnittliche Bruttolohn- und Bruttogehaltssumme je Beschäftigten in Deutschland um 2,4 % bzw. 75 EUR, in den alten Ländern und Berlin um 2,5 % (81 EUR) und in den neuen Ländern um 1,9 % (40 EUR).

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Bruttolohn- und Bruttogehaltssumme pro Monat in Thüringen um 2,8 % bzw. 57 EUR auf 2.083 EUR. Damit verdiente ein Beschäftigter pro Monat in der Thüringer Industrie durchschnittlich 330 EUR weniger als in Brandenburg und 1.241 EUR weniger als in den alten Ländern und Berlin. Das durchschnittliche Thüringer Lohn- und Gehaltsniveau erreichte 65,0 % des deutschen Durchschnittswertes. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern lag mit 64,1 % noch niedriger.
Bei diesem Vergleich ist zu beachten, dass es sich hierbei um nominale Größen handelt, in denen sich die Lebenshaltungskosten der verschiedenen Länder nicht widerspiegeln und insofern für Wohlfahrtsvergleiche nur begrenzt geeignet sind. Hinzu kommt, dass der Anteil der Beschäftigten mit Hochlöhnen in der westdeutschen Industrie deutlich höher sein dürfte.

Eine längerfristige Betrachtung zum 1. Halbjahr 1996 (1. Vergleichender Bericht) zeigt eine deutlich dynamischere Entwicklung bei den Kennziffern Anzahl der Betriebe, Anzahl der Beschäftigten und Umsatz auf dem Gebiet der neuen Länder als auf dem Gebiet der alten Länder und Berlin. So erhöhte sich die Anzahl der Betriebe in den neuen Ländern um 20,6 % während sie in den alten Ländern um 5,4 % sank. Die Beschäftigtenzahl stieg in den neuen Ländern um 10,4 % und schrumpfte in den alten Ländern um 12,6 %. Beim Umsatz konnten beide Gebiete zulegen, die alten Länder und Berlin um 43,8 % und die neuen Länder um 121,8 %.
Die dynamischste Region in Deutschland war Mitteldeutschland, wie die grafische Darstellung des Dynamikindex in Abbildung 9 zeigt. Unter den drei mitteldeutschen Ländern und ebenso in ganz Deutschland hatte Thüringen die höchste Dynamik in der Industrie. Mit einer Zunahme um 33,1 % bei der Anzahl der Betriebe, einem Beschäftigtenzuwachs von 35,1 % und einem Umsatzwachstum von 125,6 % belegte Thüringen mit Abstand zum Zweitplazierten Sachsen-Anhalt den ersten Rang.

3. Bauhauptgewerbe

Die Talfahrt des Bauhauptgewerbes scheint im 1. Halbjahr 2006 in Deutschland abzuflachen. Betriebsaufgaben und Beschäftigtenabbau prägten zwar noch das Bild in fast allen Ländern, aber die Umsätze legten erstmalig zum Vorjahreszeitraum zu. Die ebenfalls gestiegene Nachfrage nach Bauleistungen führte zu einer Verbesserung der Geschäftsaussichten.

Der Umsatz im Bauhauptgewerbe Deutschlands stieg im 1. Halbjahr 2006 um 0,9 % auf 20,5 Mrd. EUR. Während in den alten Ländern und Berlin ein Zuwachs um 1,8 % zu verzeichnen war, wurde in den neuen Ländern ein Minus von 2,5 % gemessen.
In Thüringen stiegen die Umsätze um 4,0 % auf 685 Mio. EUR. Damit erzielte Thüringen das beste Ergebnis unter den neuen Ländern und lag bundesweit an der sechsten Stelle.

Der Umsatz je Einwohner der neuen Länder (294 EUR) lag trotz Rückgangs der Bauproduktion immer noch um 21,2 % über dem der alten Länder. Damit bestehen einerseits der nach wie vor große Nachholbedarf in allen Wirtschaftsbereichen und der Infrastruktur sowie andererseits der Anpassungsdruck in Richtung Struktur der alten Länder.
Für das Thüringer Bauhauptgewerbe ergab sich ein Umsatz je Einwohner von 293 EUR. Das Niveau lag damit um 20,8 % über dem Durchschnitt der alten Länder. Dies war der dritthöchste Wert aller neuen Länder.

Die Umsatzzunahmen wurden durch eine erhöhte Baunachfrage ausgelöst. Während in den alten Ländern und Berlin ein kräftiger Anstieg der Auftragseingänge um 9,5 % zu verzeichnen war, stieg die Nachfrage in den neuen Ländern um 5,0 %.
In Thüringen wurde ein um 16,0 % höherer Auftragseingang festgestellt.

Der Auftragseingang je Einwohner erreichte in den neuen Ländern 318 EUR und lag damit 19,8 % über dem der alten Länder. Thüringen kam bei dieser Kennziffer auf ein Niveau von 128,3 %. D. h. pro Einwohner wurden in den neuen Ländern und in Thüringen mehr Bauleistungen nachgefragt als in den alten Ländern.

Die steigenden Umsätze und Auftragseingänge im deutschen Baugewerbe führten zu keiner Entspannung der allgemeinen Lage. Der höhere Konkurrenzdruck führte zu weiteren Betriebsschließungen. In den alten Ländern und Berlin sank die Anzahl der Betriebe um 7,4 %. Durch den stärkeren Anpassungsdruck und die schlechtere konjunkturelle Lage in den neuen Ländern nahm die Anzahl der Betriebe in dieser Region um 10,8 % ab. Thüringen verzeichnete einen Rückgang um 9,4 %.

Die verstärkten Betriebsschließungen im Bauhauptgewerbe Deutschlands führten in den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten zu einem Abbau der Beschäftigten um 4,8 % bzw. 17.800 Personen. In den alten Ländern und Berlin sank die Beschäftigung um 4,0 % bzw. 11.400 Personen. In den neuen Ländern war der Rückgang mit 7,1 % bzw. 6.400 Personen etwas stärker ausgeprägt.
Im Thüringer Bauhauptgewerbe reduzierte sich die Beschäftigtenzahl um 4,2 % bzw. 600 Personen. Bundesweit hatten alle Länder bis auf Bremen einen Beschäftigtenrückgang.

Im Bauhauptgewerbe Deutschlands hatte ein Betrieb durchschnittlich 49 Beschäftigte. In den alten Ländern und Berlin kamen 50 Personen auf einen Betrieb und in den neuen Ländern 46 Personen. In Thüringen kamen 44 Beschäftigte auf einen Betrieb. In allen Gebieten hat die durchschnittliche Betriebsgröße im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen. Demnach waren für die Rückgänge bei der Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten in erster Linie kleine Betriebe verantwortlich.

Der Baubesatz (Beschäftigte je 1.000 Einwohner) in den neuen Ländern lag bei 6 Personen, eine weniger als im Vorjahreszeitraum. In den alten Ländern und Berlin ergab sich eine Dichte von 4 Personen, so viele wie im Vorjahr.
Für Thüringen betrug der Baubesatz wie im Vorjahreszeitraum 6 Personen.
Trotz weiterer Anpassung an das Niveau der alten Länder zeigt auch diese Kennziffer, dass das Bauhauptgewerbe der neuen Länder im Vergleich zu den alten Ländern immer noch überdurchschnittlich ausgeprägt ist.

Durch die im 1. Halbjahr 2006 erzielten Umsatzzuwächse und dem gleichzeitigen Beschäftigtenabbau stieg die Produktivität im Bauhauptgewerbe Deutschlands um 6,0 % auf 9.654 EUR pro Monat. In den alten Ländern und Berlin stieg die Produktivität um 6,1 %und in den neuen Ländern um 5,0 %.
Thüringen verzeichnete einen Produktivitätszuwachs von 8,6 % auf 8.130 EUR.
Während die neuen Länder 81,9 % des Niveaus Deutschlands erreichten, kam Thüringen auf 84,2 %. Das war der höchste Wert aller neuen Länder.

Bundesweit lag die Lohnquote für das Bauhauptgewerbe bei 25,3 % des Umsatzes, 4,8 % weniger als im 1. Halbjahr 2005. Die Lohnquote in den alten Ländern und Berlin sowie in den neuen Ländern lag ebenfalls bei einem Anteil von 25,3 % am Umsatz.
Für das Thüringer Bauhauptgewerbe ergab sich eine Senkung der Lohnquote um 5,8 % auf 25,1 %.

Im deutschen Bauhauptgewerbe wurde eine durchschnittliche Bruttolohn- und -gehaltssumme je Beschäftigten von 2.442 EUR im Monat gezahlt. Dabei waren es in den alten Ländern und Berlin 2.575 EUR und in den neuen Ländern 2.003 EUR.
In Thüringen betrug der Wert 2.040 EUR. Weniger Lohn- und Gehalt gab es bundesweit nur in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen.
Das Lohn- und Gehaltsniveau der neuen Länder lag wie im Vorjahreszeitraum bei 82,0 % des deutschen Wertes. Der Thüringer Wert lag bei 83,5 %.
Gegenüber dem 1. Halbjahr 2005 stiegen die Löhne und Gehälter je Beschäftigten sowohl in den alten Ländern und Berlin als auch in den neuen Ländern um durchschnittlich 0,9 %. Thüringen verzeichnete dagegen ein Plus von 2,3 %.

In den alten Ländern und Berlin lag die Betriebsdichte bei 9 Betrieben je 100.000 Einwohner. Für die neuen Länder ergab sich bei dieser Kennziffer ein Wert von 13.
Das Thüringer Bauhauptgewerbe kam auf eine Betriebsdichte von 14.

Der Konjunkturindex für das Bauhauptgewerbe zeigt ein zweigeteiltes Bild der Entwicklung in Deutschland (-0,9 Prozentpunkte). Während die südlichen Länder Bayern, Baden-Württemberg, Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie Bremen im Norden einen positiven Index, also ein Anspringen der Baukonjunktur, verzeichneten, hielt der Rückgang in den anderen Ländern an.