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Informationen zu BSE
1. Was ist BSE?
Die Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE; Rinderwahnsinn; schwammartige Gehirnerkrankung des Rindes) ist eine Infektionskrankheit der Rinder. Sie wird verursacht durch sogenannte Prionen, die gegenüber äußeren Einflüssen einschließlich Desinfektion sehr widerstandsfähig sind. Die Krankheit zerstört das Nervensystem, führt zu Störungen des Verhaltens, der Bewegung und der Wahrnehmung. Sie endet immer mit dem Tod des Tieres. Von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Krankheitszeichen (Inkubationszeit) vergehen durchschnittlich fünf Jahre. Die BSE wird fast ausschließlich bei Kühen festgestellt, weil diese lange genug leben, bis die Symptome sichtbar werden. Die Erkrankung wurde erstmals 1986 im Vereinigten Königreich beschrieben.
Die Diagnose kann erst nach dem Tod des Tieres gestellt werden. Dazu müssen Gehirnproben untersucht werden. Heute gilt es als wahrscheinlich, dass die Krankheit auch auf den Menschen übertragbar ist. Aus diesem Grund ist die Verwendung bestimmter Risikomaterialien von Rindern, Schafen und Ziegen sowohl als Lebensmittel für den Menschen als auch als Futtermittel für Tiere verboten.
Es gibt weder Schutzimpfungen noch Behandlungsmöglicheiten.
2. Wo kommt BSE vor?
Bei in Deutschland geborenen Rindern sind seit dem ersten BSE-Fall am 26. November 2000
107 weitere BSE-Fälle (Stand: 18.09.2001) bestätigt worden. Mitte der 90er Jahre waren in Deutschland bereits BSE-Fälle bei 5 aus dem Vereinigten Königreich und einem aus der Schweiz eingeführten Rind festgestellt worden (4 Fälle in 1994, 2 Fälle in 1997). Im Vereinigten Königreich sind insgesamt mehr als 180.000 BSE-Fälle aufgetreten. Weitere Länder mit BSE-Fällen sind die Schweiz, Portugal, Frankreich, Irland, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Liechtenstein, Spanien, Dänemark und Italien.
3. Wie wird BSE übertragen?
Die Verfütterung von Tiermehl wird als vorwiegende Infektionsursache für BSE bei Rindern angenommen. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass Mitte der 80er Jahre in Großbritannien an Scrapie verendete Schafe unter unzureichenden Bedingungen (Druck, Temperatur, Zeit) zu Tiermehl verarbeitet wurden. Dieses Tiermehl ist in England an Rinder verfüttert worden, die danach an BSE erkrankt sind. Diskutiert wird unter Fachleuten als Übertragungsursache auch der Einsatz von sogenannten Milchaustauschern an Kälber. Diese ersetzen Kuhmilch als Kälbertränke und stellen einen Milchersatz dar, dem die erforderlichen Inhaltsstoffe zugesetzt werden. Diese sind teilweise tierische Eiweiße, aber auch Fette, die aus der Tierkörperverarbeitung stammen. Derzeit gibt es auch Hinweise dafür, dass bei BSE eine Übertragung vom Muttertier auf das Kalb möglich ist.
BSE wird nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht durch Kontakt von Tier zu Tier übertragen, wie das bei anderen Tierseuchen der Fall ist.
4. Was sind Risikomaterialien?
Als Risikomaterialien werden diejenigen Körperteile und Organe von Rindern, Schafen und Ziegen bezeichnet, in denen bisher konzentriert Erreger der BSE nachgewiesen werden konnten. Dazu zählen Schädel, Gehirn, Augen, Tonsillen, Rückenmark von über zwölf Monate alten Rindern, Schafen und Ziegen, die Milz von Schafen und Ziegen aller Altersklassen sowie der Darm vom Zwölffingerdarm (Duodenum) bis zum Mastdarm (Rektum) der Rinder jeden Alters. Diese Gewebe werden seit 1. Oktober 2000 (Darm seit 01. Januar 2001) aus der Lebensmittelkette herausgenommen. Bereits vor diesem Zeitpunkt wurden diese Gewebe üblicherweise schon nicht in Fleischerzeugnissen verarbeitet.
Diese Risikomaterialien werden gesondert eingesammelt und durch Verbrennen unschädlich beseitigt. Sie gelangen weder in die Nahrungskette des Menschen noch in die Tierfütterung.
5. Gibt es sicheren Schutz vor BSE?
Einen 100%igen Schutz, wie vor anderen Erkrankungen übrigens auch, kann niemand garantieren. Im Interesse eines höchstmöglichen Verbraucherschutzes sind aber zahlreiche Vorkehrungen getroffen worden (Entfernung von BSE-Riskomaterial, Verfütterungsverbot für Tiermehl, Untersuchung geschlachteter und verendeter Rinder mit dem BSE-Schnelltest), die ein mögliches Restrisiko weiter verringern. In reinem Muskelfleisch und in der Milch wurden BSE-Erreger bisher nicht nachgewiesen.
6. Welche Sicherheit bringen BSE-Schnelltests?
Die derzeit eingesetzten Testverfahren sind nur bei Tieren sicher, bei denen das Infektionsgeschehen so weit fortgeschritten ist, dass genügend Erreger für die Nachweisbarkeit mit diesen Tests vorliegen. Dies ist in der Regel erst bei älteren Tieren der Fall. Negative Testergebnisse bei jüngeren Tieren sind deshalb kein Nachweis für den Ausschluss einer Infektion des Tieres mit BSE.
BSE-Schnelltests werden in Deutschland ab 06. Dezember 2000 bei über 30 Monate alten geschlachteten Rindern, ab 31. Januar 2001 bei über 24 Monate alten geschlachteten Rindern und ab 01. Januar 2001 bei allen verendeten über 30 Monate alten Rindern durchgeführt.
7. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und BSE?
Die britischen Behörden erklärten am 20. März 1996, dass ein Zusammenhang zwischen BSE und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit nicht ausgeschlossen werden könne.
Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit tritt beim Menschen nur sehr selten auf. Allerdings handelt es sich um eine unheilbare und tödlich verlaufende neurologische Erkrankung. Die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit tritt vornehmlich bei jüngeren Personen auf. Die Krankheit verläuft oft langsamer und weist ein anderes klinisches Bild auf, als die klassische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.
8. Kann man noch Rind- und Kalbfleisch essen?
Rindfleisch kann verzehrt werden, wenn es sich um schieres Muskelfleisch handelt, das von Tieren mit gesichertem Herkunftsnachweis stammt. Noch sicherer ist zusätzlich die Durchführung des BSE-Schnelltestes mit negativem Ergebnis. Kalbfleisch gilt hinsichtlich BSE-Risiko ebenfalls als unbedenklich.
Die Entscheidung, Rindfleisch zu essen oder nicht, muss jeder Verbraucher selbst treffen. Rindfleisch ohne Herkunftsnachweis sollte nicht gekauft werden.
9. Ist Fleisch von Ökobetrieben sicherer als herkömmliches Rindfleisch?
Rindfleisch von kontrollierten Ökobetrieben gilt als Alternative, wenn der Landwirt die Rinder über mehrere Generationen gezüchtet hat und das Futter vom eigenen Hof kommt. Eine BSE-Freiheit garantiert dies jedoch nicht.
10. Was gilt für andere Fleischsorten und für Fisch?
Das Fleisch von Schweinen, Geflügel und Fischen ist nach heutigem Wissen in Bezug auf BSE sicher. Der Verzehr von Schaffleisch ist hingegen wegen vieler ungeklärter wissenschaftlicher Fragen nicht ohne Risiko. Die Entscheidung, Schaffleisch zu verzehren, liegt gleichermaßen beim Verbraucher selbst.
Lammfleisch wird vielfach aus BSE-freien Ländern, wie Neuseeland und Australien, importiert. Insofern ist hinsichtlich BSE eine höhere Sicherheit gegeben. Fragen Sie den Metzger oder Lebensmittelhändler nach der Herkunft des Fleisches.
11. Kann man noch Wurst essen?
Ja. Separatorenfleisch und Risikomaterialien dürfen in Wurst nicht mehr verwendet werden. Die Zusammensetzung der Wurst ist bei Fertigpackungen aus dem Zutatenverzeichnis erkennbar. In Wurst verarbeitetes Rindfleisch ist nicht mit einem BSE-Risiko behaftet.
12. Besteht eine Gefahr, dass Wild mit BSE infiziert ist?
Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass BSE bei Wild in Deutschland vorkommt. Gleiches gilt für Damwild, das in Deutschland in Gehegen gehalten wird.
13. Besteht bei Milch und Milchprodukten eine Infektionsgefahr?
Nach derzeitigen Wissensstand ist nicht davon auszugehen, dass beim Verzehr von Milch und Milchprodukten eine Infektionsgefahr besteht. Milch und Milchprodukte sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unbedenklich. Bisher gibt es noch keine bestätigten Fälle einer Übertragung von BSE über Milch.
14. Wie sicher ist Babynahrung?
Nach Angaben der Hersteller wurden in Deutschland auch in der Vergangenheit keine Risikomaterialien verwendet.
Viele Hersteller kaufen Rindfleisch von kontrollierten Betrieben, insbesondere Ökobetrieben oder aus BSE-freien Ländern wie Argentinien. Sie können beim Hersteller nachfragen.
15. Stellen Fertiggerichte ein Risiko dar?
Auch bei Fertiggerichten sollten Sie auf das Zutatenverzeichnis achten. Ist Rindfleisch enthalten, fragen Sie beim Hersteller nach dessen Herkunft.
16. Sind Produkte, die Gelatine enthalten, gefährlich?
Nein. Gelatine wird in Deutschland zu 90 Prozent aus Schweineschwarte hergestellt. Auch Gelatine von Rindern wird so gewonnen, dass dabei potentiell vorhandene BSE-Erreger zerstört werden. Die Ausgangsmaterialien dürfen nur von genusstauglichen Tieren stammen.
Produkte, die Gelatine enthalten wie Joghurt, Gummibärchen und Gelatinekapseln als Umhüllungen von Medikamenten können Sie weiterhin problemlos zu sich nehmen.
17. Wie sicher sind Rinderbrühe und Rinderbrühwürfel?
Auf das Auskochen vor allem von Knochen der Wirbelsäule sollte man wegen des Risikos einer möglichen Kontamination mit Resten von Rückenmark verzichten. Aber auch Röhrenknochen mit Knochenmark sind nicht absolut unbedenklich.
Bei der Herstellung von Rinderbrühwürfeln sind viele Markenhersteller dazu übergegangen, den Rohstoff (Extrakt) aus BSE-freien Ländern, z.B. Argentinien, zu beziehen. Sollten Sie unsicher sein, fragen Sie vorsichtshalber beim Hersteller nach.
18. Wird der BSE-Erreger durch Braten, Kochen, Einfrieren oder andere Zubereitungsarten zerstört?
Nein. Der Erreger kann nur durch große Hitze und großen Druck zerstört werden. Mit den im Haushalt üblichen Gar- und Zubereitungsverfahren können derartige Bedingungen jedoch nicht geschaffen werden. Braten, Kochen oder Einfrieren sind daher keine Schutzmaßnahme. Dies gilt auch für das Garen mit Schnellkochtopf und Mikrowelle.
19. Welche Information liefert die Rindfleischetikettierung?
Die Rindfleischetikettierung ist im Zusammenhang mit dem in Deutschland aufgebauten Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) zu sehen. Der Lebensweg eines jeden Rindes wird in einer zentralen Datenbank für Rinder registriert. Daran knüpft die Etikettierung an. Dieses System sichert die Rückverfolgbarkeit des Fleischstückes in der Ladentheke über die Stufen Zerlegung, Schlachtung bis zum Stall des Erzeugers. Seit 1. September 2000 ist bei Rindfleisch europaweit vorgeschrieben, die Namen der Mitgliedsstaaten, in denen die Schlachtung und die Zerlegung erfolgte, sowie eine Referenznummer für die Rückverfolgbarkeit von der Fleischtheke zum Tier anzugeben. Weitere Informationen über den Ort der Geburt und die Aufzucht der Tiere werden europaweit ab dem Jahr 2002 zur Pflicht.
20. Wie wird britisches Rindfleisch gekennzeichnet?
Britisches Rindfleisch, das in Deutschland zerlegt und verarbeitet wird, ist auf der Ware selbst oder der Verpackung, bei loser, nichtverpackter Ware auch auf dem Preisschild mit der Kennzeichnung "Britisches XEL-Rindfleisch" deutlich sichtbar zu versehen.
Grundsätzlich gilt, dass jegliches britisches Rindfleisch - ob frisch oder verarbeitet zu Erzeugnissen wie z.B. in Wurst - kenntlich gemacht werden muss. Dies kann durch ein Schild oder auf dem Preisschild im Laden, in Gaststätten oder Kantinen auf der Speisekarte, im Preisverzeichnis oder in einem Aushang erfolgen.
21. Sind Medikamente und Kosmetika unbedenklich?
Für Arzneimittel und Kosmetika gibt es strenge Vorschriften. Der Einsatz von Risikomaterial ist bereits seit 1994 verboten.Wenn Sie bezüglich der Kosmetika besorgt sind, sollten Sie Produkte auf rein pflanzlicher Basis verwenden. Wenn Sie Fragen zu bestimmten Medikamenten haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Apotheke.
22. Weshalb wird die Verfütterung von Tiermehl an alle landwirtschaftlich genutzten Tiere in Deutschland verboten?
Die Verfütterung von Tiermehl an Rinder ist ein möglicher Übertragungsweg des BSE-Erregers. Da eine Verunreinigung von Futtermitteln mit Tiermehl, z.B. bei Transport, Lagerung oder Verarbeitung nicht auszuschließen ist, wird die Verfütterung von Tiermehl und anderen Proteinen von warmblütigen Landtieren und von Fischen aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes an alle Nutztiere, dazu zählen Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Geflügel, Fische und Pferde, verboten. Ausgenommen ist die Verfütterung von Fischmehl an Fische. Das Verbot umfasst auch Tierfette, da Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit in Bezug auf BSE-Erreger nicht ausgeräumt sind. Eine entsprechende gesetzliche Regelung ist am 2. Dezember 2000 in Kraft getreten.
23. Ist die Übertragung von BSE auf Hunde und Katzen möglich?
Bei Hunden wurden bisher keine Erkrankungen beobachtet, wohl aber bei Katzen in Großbritannien.
24. Können BSE-Erreger im Boden überleben und so Rinder und Pflanzen infizieren?
Für eine Infizierbarkeit von Pflanzen durch Erreger transmissibler spongiformer Enzephalopathien gibt es bisher keine Hinweise. Auch zur Überlebensfähigkeit von Prionen im Boden gibt es derzeit keine fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Für die Abklärung offener Fragen werden weitere Forschungen betrieben.
25. Welche Untersuchungen auf BSE werden in Thüringen durchgeführt?
Nach der TSE-Überwachungsverordnung werden in Thüringen alle Rinder, Schafe und Ziegen bei Auftreten zentral-nervöser Störungen seit mehreren Jahren amtlich auf deren Ursache untersucht. Können die Ursachen nicht festgestellt werden, erfolgt auf amtliche Anordnung die Tötung der Tiere und eine Untersuchung auf BSE. Jährlich wurden bisher zwischen 70 und 100 histopathologische Untersuchungen an Gehirnen durchgeführt.
Weiterhin wurden Untersuchungen auf BSE an verendeten sowie not- und krankgeschlachteten Wiederkäuern vorgenommen. Seit August 2000 werden diese Untersuchungen zusätzlich mit dem BSE-Schnelltest ausgeführt. Alle bisherigen Untersuchungsergebnisse waren negativ.
Ab 06. Dezember 2000 werden auch Untersuchungen bei allen über 30 Monate alten Schlachtrindern, ab 31. Januar 2001 bei allen über 24 Monate alten geschlachteten Rindern sowie ab 01. Januar 2001 bei allen über 24 Monate alten, not- und krank geschlachteten Rindern, verendeten Kühen und über 30 Monate alten männlichen Rindern mit dem Schnelltest durchgeführt.
26. Woher bekomme ich weitere Informationen?
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