Freistaat Thüringen Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz

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Lebensräume - Flora

Das Projekt ist auf die Erhaltung und Entwicklung prioritärer (*) Lebensraumtypen (LRT) der FFH-Richtlinie ausgerichtet, die von europaweiter Bedeutung sind. Dabei werden ausschließlich Trockenrasenlebensräume, speziell subpannonische Steppenrasen, Kalk-Trockenrasen, Felsen mit Kalkpionierrasen sowie Schwermetallrasen berücksichtigt, welche oft in Biotopkomplexen auftreten bzw. ineinander übergehen.
 
Subpannonische Steppenrasen (LRT *6240) sind durch Federgräser, Frühlings-Adonisröschen und andere kontinental verbreitete Arten geprägte Trocken- und Halbtrockenrasen. Sie haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in Gebieten mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen unter 500 Millimeter. Die Vorkommen beschränken sich meist auf süd- bis westexponierte, windoffene Hanglagen mit flachgründigen Gips-, Ton- und Kalkmergel-Rendzinen. Charakteristische Florenelemente der Steppenrasen des Projektgebiets sind z.B. das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) und die Steppen-Fahnenwicke (Oxytropis pilosa). Zu den Raritäten zählen der Stängellose Tragant (Astragalus exscapus), die Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea), die Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis ssp. nigricans) sowie das Echte und das Gelbscheidige Federgras (Stipa pennata, S. pulcherrima).

Haar-Pfriemengras
Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), Foto: LIFE-Projektbüro
Frühlings-Adonisröschen
Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Foto: LIFE-Projektbüro
Gelbscheidiges Federgras
Gelbscheidiges Federgras (Stipa pulcherrima) am Bottendorfer Hügel (Projektgebiet 2), Foto: H. Wiesbauer

Die Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen (LRT 6210, nicht prioritär) sind von Gräsern dominierte Grünländer magerer und trockener Standorte auf basisch verwitternden Ausgangsgestein (Kalk- oder Gipsgestein, basische Vulkanite). Im Projektgebiet finden sich vor allem submediterrane Halbtrockenrasen. Das sind zum einen von der Aufrechten Trespe dominierte, langgrasige Halbtrockenrasen, welche meist durch extensive Mahd entstanden sind und zum anderen traditionell von Schafen beweidete Enzian-Schillergrasrasen.

Auf sehr flachgründigen Muschelkalk-, Gips- und Basaltverwitterungsböden, fast immer an Steilhängen, wachsen Blaugras- und Erdseggenrasen (Trockenrasen).
Kennzeichnend sind submediterran verbreitete Pflanzen-Arten, wie die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), der Fransen-Enzian (Genianella ciliata), der Deutsche Enzian (Gentianella germanica) oder die Silber-Distel (Carlina acaulis).
 
Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen mit bemerkenswerten Orchideenvorkommen sind dagegen prioritärer Lebensraumtyp (LRT *6210). Zusätzlich wertgebende Arten sind u.a. die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), das Brandknabenkraut (Orchis ustulata) oder das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata). 
 
Pulsatilla
Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), Foto: LIFE-Projektbüro
Dreizähniges Knabenkraut
Dreizähniges Knabenkrau (Orchis tridentata), Foto: E. Schmidt

Kalk- oder basenhaltige Felsen mit Kalkpionierrasen (LRT *6110) sind offene und niedrigwüchsige, häufig nur kleinflächig ausgebildete Pionierfluren. Sie kommen ebenfalls auf basisch verwitternden Substraten trocken-warmer Standorte, jedoch in Bereichen mit sehr geringer Bodenbildung vor. Das können Kalk- und Gipsfelsen, Schuttfluren oder Bereiche mit besonders starken Erosionsprozessen sein. Oft handelt es sich um Extremstandorte, die aufgrund ihrer Steilheit und Exposition, in Verbindung mit einer aktuellen oder früheren Weidenutzung, eine stark verzögerte Vegetationsentwicklung aufweisen. Die extremen Lebensbedingungen können bis zu „Badlands“ führen.

Neben ausdauernden Pflanzen wie verschiedenen Mauerpfeffer-Arten sowie Moosen und Flechten kommen auch viele einjährige Arten vor, z.B. Finger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites) oder Früher Ehrenpreis (Veronica praecox).
 
Milder Mauerpfeffer
Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Foto: H. Wiesbauer

Schwermetallrasen (LRT *6130) entwickeln sich auf natürlich anstehenden, schwermetallreichen Gesteinen oder häufiger auf entsprechenden Abraumhalden älterer Bergbaugebiete, so genannten Sekundärstandorten. Es sind lückige Rasengesellschaften, in denen Gehölze, infolge der Giftigkeit des Bodens bei hohem Schwermetallgehalt (z.B. an Blei, Zink, Kupfer), nur sehr eingeschränkt wachsen können. Gräser und krautige Pflanzen zeigen auf diesem Extremstandort häufig Zwergwuchs oder haben ökologisch spezialisierte und an die besonderen bodenchemischen Verhältnisse angepasste Typen ausgebildet.

Im Gebiet der Bottendorfer Höhe kann man die einzigen natürlich vorkommenden Schwermetallrasen Thüringens finden. Arten der Schwermetallrasen sind die Frühlings-Miere (Minuartia verna ssp. hercynica) - auch Kupferblume genannt – und die Galmei-Grasnelke (Armeria maritima ssp. halleri), die hier als Bottendorfer Grasnelke bezeichnet wird. Die Vertreter der Schwermetallrasen stehen in Nachbarschaft zu anderen typischen Steppen- und Trockenrasenarten, wie dem Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) oder dem Deutschen Enzian (Gentianella germanica). Besonders wertgebend ist der große Bestand vom Kleinen Knabenkraut (Orchis morio).
 
Frühlings-Miere
Frühlings-Miere (Minuartia verna ssp. hercynica), Foto: H. Wiesbauer
Grasnelke
Galmei-Grasnelke (Armeria maritima ssp. halleri), Foto: H. Wiesbauer